Den Sehnsüchten einen Raum geben

Verschüttet
vom Kleinglauben des Alltags,
zugedeckt
vom Müll der letzten Jahre,
beschwert
von Angst und Misstrauen,
angenagt
von abgrundtiefer Verzweiflung

lebt ja doch in uns alles,
wozu wir eigentlich bestimmt sind:
die Weite der reinen Seele,
die Sehnsucht nach unbegrenzter Freiheit,
der Traum vom glücklichen Leben,
eine unbändige Vision von Frieden,
eine unzerstörbare Hoffnung,
der zerbrochene Rest unserer Kinderträume,
der Glaube an ein anderes Leben,
die Größe und die Würde,

zu der wir nicht nur berufen,
sondern auch fähig sind.                (Autor unbekannt)

Erholungstage für pflegende Angehörige als Quelle der Kraft

IMG_7670„Bei den Erholungstagen bin ich einfach nur einmal weg, kann ausspannen und komme auf andere Gedanken“, erzählt der Fritz Woldrich begeistert.
Er und seine Gattin waren heuer bei den Caritas-Erholungstagen für Pflegende und Gepflegte in Vöcklabruck mit dabei. Frau Wolderich erlitt vor 6 Jahren einen Schlaganfall und ist seither auf die Betreuung ihres Mannes angewiesen. Die Zeit abseits vom Alltag zu Hause konnten beide nutzen, um Kraft zu tanken.

Den gesamten Beitrag „Erholungstage als Kraftquelle“ können Sie hier nachlesen: https://www.caritas-linz.at/fileadmin/storage/oberoesterreich/aktuell/serie_volksblatt3.pdf

Die nächsten Erholungstage für pflegende Angehörige finden von 2. bis 6. Oktober 2016 im Hotel Lavendel in Windischgarsten statt. Anmeldeschluss ist am 16. September.

Informationen und Anmeldung:
Caritas für Betreuung und Pflege
Servicestelle Pflegende Angehörige
Tel.: 0676 / 87 76 – 2444 oder 2440
E-Mail: pflegende.angehoerige@caritas-linz.at

Einfach zum Nachdenken…

donkey-542598_1920Der Esel, der Vater und der Sohn

Wenn wir ständig versuchen, es anderen recht zu machen, bleiben unsere Wünsche und Bedürfnisse auf der Strecke:

Ein Vater zog mit seinem Sohn und einem Esel in der Mittagshitze durch die staubigen Gassen. Der Sohn führte und der Vater saß auf dem Esel.

“Der arme kleine Junge”, sagte ein vorbeigehender Mann. „Seine kurzen Beine versuchen mit dem Tempo des Esels Schritt zu halten. Wie kann man nur so faul auf dem Esel sitzen, wenn man sieht, dass das Kind sich müde läuft?”

Der Vater nahm sich dies zu Herzen, stieg hinter der nächsten Ecke ab und ließ den Jungen aufsitzen.

Es dauerte nicht lange, da erhob schon wieder ein Vorübergehender seine Stimme: “So eine Unverschämtheit! Sitzt doch der kleine Bengel wie ein König auf dem Esel, während sein armer, alter Vater nebenher läuft.” Dies tat nun dem Jungen leid und er bat seinen Vater, sich mit ihm auf den Esel zu setzen.

“Ja, gibt es sowas?”, sagte eine alte Frau. “So eine Tierquälerei! Dem armen Esel hängt der Rücken durch und der junge und der alte Nichtsnutz ruhen sich auf ihm aus. Der arme Esel!”

Vater und Sohn sahen sich an, stiegen beide vom Esel herunter und gingen neben dem Esel her. Dann begegnete ihnen ein Mann, der sich über sie lustig machte: “Wie kann man bloß so dumm sein? Wofür hat man einen Esel, wenn er einen nicht tragen kann?”

Der Vater gab dem Esel zu trinken und legte dann die Hand auf die Schulter seines Sohnes. “Egal, was wir machen”, sagte er, “es gibt immer jemanden, der damit nicht einverstanden ist. Ab jetzt tun wir das, was wir selber für richtig halten!” Der Sohn nickte zustimmend.

Aus dem Buch „Der Kaufmann und der Papagei“ von Nossrat Peseschkian

Sehnsüchte, Wünsche und Träume – Eine pflegende Angehörige erzählt!

pusteblumeHeut bin ich 5mal aufgestanden in der Nacht. Mein Mann ist so unruhig und geistert immer umeinander. Drei Wochen war er im Krankenhaus, aber die haben das auch nicht hingekriegt.

Vier Stunden in einem zu schlafen, da wäre ich schon zufrieden. Neulich bin ich nicht gleich aufgestanden. Ich war so müde. Dann bin ich doch aufgestanden und da war das ganze Bett nass. Er hat sich die Windelhose aufgemacht. „So das ist jetzt die Strafe“, hab ich mir gedacht, „weil du nicht gleich aufgestanden bist.“

Es wird immer schlimmer! Voriges Jahr bei seinem 80iger war es noch viel besser. Er phantasiert auch beim Tag so viel. Er ist arm dabei und ich auch.

Mein Mann will mich immer um sich haben. Beim Kochen geht das ganz gut. Ich koche jeden Tag für alle! Aber ich habe auch sonst alles zu erledigen: Einkauf, Medikamente besorgen und alles was unser großes Haus betrifft. Es gibt einfach immer etwas. Meine Kinder möchte ich nicht belasten, sie haben genug mit sich selber zu tun.

Für meine Mutter, 95ig ist sie, habe ich jetzt eine 24h-Pflege. Ich habe es nicht mehr geschafft! Die zwei Pflegerinnen wechseln alle 14 Tage. Ich habe schon überlegt, auch für meinen Mann eine 24h-Pflege zu nehmen, zumindest zeitweise. Dann könnte ich vielleicht doch einige Tage fortfahren, nach München zu meiner Freundin oder Venedig würde mir gefallen, Dubrovnik war auch einmal auf meinen Plan. Oder einfach nur wandern gehen oder Zeit lassen beim Einkaufen, Freundinnen treffen – nicht immer auf die Uhr schauen müssen.

Manchmal bin ich ungeduldig mit meinen Mann. Weißt du, er hat immer sehr viele Freiheiten gehabt in unserer Ehe. Er hat sie sich genommen und ich habe immer nachgegeben und jetzt bin ich angehängt und habe nichts als Verpflichtungen!

Text: Annemarie Aichinger, ehrenamtliche Mitarbeiterin der Servicestelle für pflegende Angehörige


Mag. Martin Eilmannsberger, Berater an der Servicestelle für pflegende Angehörige hat sich dazu Gedanken gemacht:

Eine Standardfrage in der Beratung ist: „Kommen Sie ausreichend zum Schlafen?“ Dauernder Schlafentzug führt in die psychische Erschöpfung. Hier besteht Handlungsbedarf, nachdem auch im Krankenhaus keine Möglichkeit der Beruhigung vor allem in der Nacht gefunden wurde.

Daneben belastet ein altes Beziehungsthema: Das Verhältnis von Geben und Nehmen  – ein wichtiges Beziehungsprinzip – war nie ausgeglichen. Stets hat die Frau nachgegeben und ihre Bedürfnisse in den Hintergrund gerückt. Etwas, was auf sehr subtile Weise die Seele zerfrisst.

Es wäre gut, einmal genauer auf die Beziehungsgeschichte hinzuschauen und Fragen einen Raum zu geben die aus dem Herzen drängen und doch hinuntergedrückt werden:
– Würde er das gleiche für mich tun?
– Was bin ich ihm schuldig?
– Was an Unterstützung entspricht unserer Beziehung?
– Wohin mit meinen Gefühlen der Wut und der Traurigkeit?…

Und vielleicht wäre es gut dem Verzicht auf eigene Bedürfnisse, dem „Immer – Nachgeben“ bei sich auf den Grund zu gehen, um aus der passiven Haltung, aus dem Gefühl des Ausgeliefert-Seins herauszukommen.

Beides, die Symptome der Erkrankung und die Kränkungen aus der Beziehungsgeschichte führen in die Erschöpfung.

Ein erster konkreter Ansatz ist sicher ,wie schon angedacht,  einen Teil der Betreuung abzugeben, für ausreichende Auszeiten zu sorgen, damit eigene Bedürfnisse (Freundschaften und Sozialkontakte, Urlaub und Ausspannen) wieder Platz haben. Nicht wenige haben für sich so ein Betreuungsmodell gefunden, bei dem sich 24Stundenbetreuung und der/die Angehörige abwechseln.

Entlastung vom Pflegealltag

In Oberösterreich leben derzeit rund 81.500 pflegebedürftige Menschen. 80 % werden zuhause im Familienkreis gepflegt und betreut. Caritas OÖ-Direktor Franz Kehrer spricht in der Volksblattserie „Pflege daheim – Caritas hilft“ vom 14.07.16 über hilfreiche Unterstützungsangebote für pflegende Angehörige…

Hier kommen Sie zum Artikel: www.caritas-linz.at/fileadmin/storage/oberoesterreich/aktuell/serie_volksblatt1.pdf

Wenn Kinder zu Hause pflegen

hands-1398258_1280Nicht selten übernehmen bei einer Krankheit in der Familie Kinder oder Jugendliche die Betreuung und Pflege.
In Österreich sind es fast 43.000 Kinder und Jugendliche die die Pflege eines Angehörigen übernehmen. Sie werden auch als „Young Carers“ bezeichnet.

Sie machen das einfach, weil sie meinen, dass es selbstverständlich ist. Viele jedoch sind körperlich und seelisch überfordert. Gleichzeitig fällt es ihnen aber oft schwer darüber zu reden. Dafür gibt es unterschiedliche Gründe: wie Scham, das Gefühl nicht darüber reden zu dürfen,  Angst, dass sie damit der Familie schaden könnten oder dass die Belastung erst gar nicht wahrgenommen wird.

In einer Studie des Sozialministeriums (veröffentlicht 2012) wurden unter anderem auch Maßnahmen festgelegt, wie man dem Phänomen der Young Carers bestmöglich begegnen könnte. Dazu zählen: Bewusstseinsbildung für das Thema Young Carers, Identifikation von Betroffenen in ihren unmittelbaren Lebenswelten und Entwicklung von Unterstützungsmaßnahmen.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie auch unter:
http://derstandard.at/2000012153867/Wenn-Kinder-Angehoerige-pflegen

Unterstützungsangebote für pflegende Kinder und Jugendliche: