Man muss es einfach probieren…

 „Nein, meine Schwiegermutter oder Oma nimmt doch niemals Hilfe von außen in Anspruch, das können wir vergessen!“ So haben wir auch lange Zeit gedacht, da meine Oma keine einfache Frau ist – bis wir nun doch mobile Dienste aktiviert haben. Daher möchte ich die folgenden Zeilen als Ermutigung für jene scheiben, die sich noch nicht ganz „drüber trauen“ Hilfe von außen zuzulassen.

Meine Mutter kümmert sich seit vielen Jahren um meine Oma bzw. ihre Schwiegermutter. Meine Oma lebt in einem kleinen Auszugshaus neben dem elterlichen Bauernhof. Bis vor 1,5 Jahren war sie noch sehr rüstig, ist noch selbst mit dem Auto gefahren und pflegerische Tätigkeiten waren noch überhaupt kein Thema. Nun ist sie zunehmend vergesslicher geworden und man muss sie zu alltäglichen Dingen wie Körperpflege, Essen, Toilettengang ständig anleiten. Alleine lassen kann man sie guten Gewissens wegen zunehmender Sturzneigung kaum mehr. Mittlerweile bezieht sie Pflegestufe 3 und eine Demenz wurde diagnostiziert.

Betreuen musste man meine Oma schon immer…

Doch nicht erst seit diesen 1,5 Jahren ist es für meine Mutter eine große Herausforderung – meine Oma war immer schon eine sehr herrische Frau, die mit Kritik nie gespart hat und wo alles „Alte“ gut war und Neues nie seine Berechtigung hatte. Wenn sie nicht die notwendige Aufmerksamkeit erhalten hat, wurde sie beleidigend. Ich selbst kann mich auf viele Verletzungen aus meiner Kindheit erinnern, doch das meiste bekam und bekommt meine Mutter ab. Wenig überraschend ist daher, dass ihre eigenen Kinder sie selten besuchen und auch wir Enkelkinder hochnervös in so einen Besuch hineingehen, aus Angst, man sagt wieder etwas „Falsches“ bzw. weil man einfach nicht weiß, was man erzählen kann, weil alles Aktuelle schlecht geheißen wird. Auch bei Aktivitäten des örtlichen Pensionistenvereins oder der Goldhauben ist sie nicht mehr erwünscht, da sie es sich zu oft mit ihrer Art vertan hat. Meine Mutter ist eine Person, die gerne hilft, der jemand schnell leid tut und so sieht sie es auch trotz der vielen Beschimpfungen und Erniedrigungen der letzten Jahrzehnte als ihre Pflicht, meiner Oma ein gutes Leben zu ermöglichen. Sie war es auch immer, die Streit geschlichtet hat, die meiner Oma die nötige Aufmerksamkeit gab und ihren Jähzorn über sich ergehen hat lassen – die immer sofort gerannt ist, wenn sie etwas gebraucht hat.

Die Demenz hat sie milde gestimmt…

Überraschend war, dass die Demenz meine Oma etwas „milde“ gestimmt hat. Während ich mich früher kaum an lustige Momente mit ihr erinnern konnte, ist sie nun phasenweise durch die Demenz wie ausgewechselt. Nun kann man mit ihr Späßchen machen, sie freut sich plötzlich viel mehr über unseren Besuch und zeigt manchmal auch Verständnis. Meine Mutter würde hier nun berechtigterweise einhaken und „ja aber“ sagen. Denn wie schon früher wechselt auch in der Demenz ihre Stimmung oft schlagartig von gut drauf auf völlig aufgelöst, nervös bis hin zu beleidigenden und erniedrigenden Aussagen. Das bekommen wir Außenstehende natürlich nicht so mit.

Der Pensionsantritt hat nachdenklich gestimmt…

Meine Mutter hat immer zurückgesteckt – für ihre Familie, ihre vier Kinder, die viele Arbeit am Bauernhof und vor allem für ihre Schwiegermutter. Seit rund 2 Jahren ist sie in Pension, der Hof ist übergeben und die eigenen Enkelkinder sind da. Ich denke seit dem Pensionsantritt ist meiner Mutter seit langem (oder erstmals?) bewusst geworden, dass das auch ihr Leben ist, das gelebt werden will. Und ich denke auch durch die beginnende Demenz meiner Oma wurde ihr bewusst, dass die bisherige schwierige zwischenmenschliche Betreuung und Beziehung durch „Pflege“ im klassischen Sinne noch schwerer wird. Ich denke hier wurde ihre eigene innere Grenze („bis hierher aber doch nicht auch noch pflegen…?“) überschritten. Oder es war die Zeit mit den Enkelkindern, die sie doch so genießt und die sie nicht wieder der Zeit für die Schwiegermutter opfern möchte.

Sie wird doch niemals jemand Fremden akzeptieren….

Ja, das hab auch ich ehrlicherweise immer gedacht, dass eine Fremdbetreuung für meine Oma einmal extrem schwierig werden könnte. Ihr Jähzorn und ihre oft „gache“ Art stimmten da eher pessimistisch. Wurde früher gestritten, kamen schnell mal Aussagen meiner Oma wie: „Verhungern lossts mi, abschieben woits mi, in a Heim geh i eich sowieso nie“. Doch ein Sturz im Frühjahr, der einen kurzen Krankenhausaufenthalt zur Folge hatte, brachte eine gute Gelegenheit für die Installierung mobiler Dienste. Meine Oma hat immer schon viel auf Ärzte gehalten und deren Rat stets akribisch genau befolgt. Unsere Hausärztin hat sozusagen einen mobilen Dienst „verschrieben“ und auch meine Mutter hat bekräftigt, wie wichtig das für sie doch wäre, damit sie wieder fit wird. Und dann haben wir es einfach probiert, trotz der großen eigenen Skepsis.

Und siehe da: es funktioniert!

Der mobile Dienst kommt einmal wöchentlich und begleitet meine Oma beim Baden, wäscht ihr den Rücken und übernimmt Tätigkeiten wie z.B. Nägel schneiden, Haare föhnen, etc. Sie kontrollieren auch ihre Wunden und achten auf Veränderungen auf der Haut. Laut meiner Mutter nimmt sie die Mitarbeiter*innen mal besser, mal schlechter an. Und natürlich hat es schon mal ein „de Wurscht braucht nimmer kommen“ hintenan gegeben, aber im Großen und Ganzen funktioniert es. Da meine Oma wegen der Vergesslichkeit und Sturzgefahr nur mehr kurz alleine gelassen werden kann, wird die stundenweise Betreuung durch mobile Dienste bald aber nicht mehr ausreichen. Außerdem möchte meine Mutter ohne schlechtes Gewissen wegfahren können, ihre Kinder besuchen, mit Enkel einen Ausflug machen, verreisen. Die positive Erfahrung durch die mobilen Dienste unterstützt meine Mutter bei dem Gedanken eine 24-Stunden-Betreuung zu aktivieren. Das hätte sie vorher nie für möglich gehalten. Im Herbst werden wir wahrscheinlich mit einer Betreuung alle 14 Tage starten, so hat meine Mutter zumindest die Hälfte im Monat Zeit für sich. Ich hoffe es klappt gut, gönne meiner Mutter diese Freizeit von Herzen und bin sehr stolz auf sie!

Anonym

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Impuls der Woche

„Auf dem Weg habe ich gelebt, gelacht, geliebt, geweint, vertraut, verloren und vermisst. Aber am meisten habe ich gelernt.“ (Unbekannt)

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Vatertag

„Ich habe in letzter Zeit fast täglich Vatertag“ – sagte ein Herr bei mir in der Beratung, mit einem Unterton zwischen Ärger und Traurigkeit, vor einigen Tagen. Der besagte Vater ist knapp über 80 Jahre und leidet an einer mittelgradigen Demenz.

Ein Vater, der sehr angesehen und beruflich erfolgreich war aber nie Zeit für seinen Sohn hatte, der es verstand ein großes Unternehmen zu leiten, aber mit dem Sohn nie etwas unternahm, der dem Sohn zeitlebens fremd blieb und für diesen emotionell nicht erreichbar war.

Dieser Vater verhält sich wie ein grantiger Chef dem Sohn gegenüber, ruft ihn oft an, will Dinge sofort erledigt haben. Der Sohn fühlt sich wie sein letzter Angestellter. Mit fortschreitender Demenz wird auch sein Verhalten immer extremer. Die Besuche beim Vater belasten ihn zusehends. Dabei glaubte der Sohn die Sache mit dem Vater und dessen Rolle in seinem Leben längst erledigt zu haben, akzeptiert zu haben, dass eine gute Vater-Sohn Beziehung nicht möglich ist, der Vater für ihn nicht erreichbar ist. Deshalb war er auch lange sehr auf Distanz zu ihm und sah in nur ganz selten.

Nach dem Tod der Mutter und der beginnenden Demenz des Vaters war sonst niemand da, der sich um ihn gekümmert hätte. Jetzt merkt er, wie sehr ihn die Nähe des Vaters anstrengt. Bilder aus der Vergangenheit, schmerzliche Gefühle drängen herauf und er fährt manchmal ganz verwirrt von ihm weg. Es wird ihm in unserem Gespräch immer klarer, dass er noch einmal auf die Geschichte mit seinem Vater hinschauen muss, die Kränkung durch den Vater bearbeitet gehören.

Ein sich wiederholendes und gesellschaftlich immer noch relevantes Thema tritt hier zu Tage: Der abwesende Vater. Die Bedeutung des Vaters als Identifikationsfigur für den heranwachsenden Sohn, als wesentlicher Faktor für die Identität als Mann ist hinlänglich beschrieben.

Der Vatertag könnte ein Anlass zur kritischen Auseinandersetzung mit den Männer – bzw. Vaterbildern sein und nicht bloß der Pflege klischeehafter und romantisch überhöhter „Papavorstellungen“ sein. Das heißt letztendlich auch, sich mit der eigenen Vatergeschichte auseinanderzusetzten und mit der Beziehung, die wir als Väter zu unseren Kindern haben.

Beitrag: Martin Eilmannsberger
(Psychosoziale Beratung am Standort Grieskirchen und Linz)

Foto: Kreiner-Hofinger

NACHBERICHT DER ERHOLUNGSTAGE BAD KREUZEN

Erholungstage Bad Kreuzen

Wie sind die?

Zu unserer Lebenssituation: Wir, Hans und ich, sind 63 Jahre alt und seit 42 Jahren verheiratet. Hans hat schon vor 2 Jahren am Hochzeitstag gefragt: „Wer hat das veranlasst?“.
Der Gedanke, dass seine Krankheit Alzheimer heißt, hilft in diesem Moment auch nicht.

Urlaub haben wir mit unseren Töchtern oder zu zweit auch immer gemacht. Urlaub ist positiv gespeichert. Also kann ich ca. eine Woche vorher anfangen, von Urlaub zu reden. Zu früh bereitet wieder gedanklichen Stress. Erklärungen … wieso, warum, darum, weil … gibt es schon lange nicht mehr.

„Erholungstage, die von der Caritas für Betreuende angeboten werden“, kann ich nicht erwähnen. „Wer wird betreut, was soll das?“

Das Zusammenpacken für beide verläuft relativ problemlos. Wir fahren ja in den Urlaub! Am Morgen der Abfahrt kommen dann Aussagen, wie: „Wo sind die Unterlagen, wo ist die Rechnung? Ich zieh mich nicht an,… ich brauch die Polizei, ich werde entführt…“. Unter diesen Voraussetzungen starten wir dann doch irgendwie – meine Urlaubsstimmung ist am Boden!

Ankunft in Bad Kreuzen nach ca. 2 Stunden Fahrt.

Die Begrüßung von Frau Gerlinde Kaltseis tut gut. Ich habe das Gefühl, egal was kommt, sie hilft mir! Ich werde Unterstützung bekommen.

Das Zimmer ist sehr schön und geräumig.

Und jetzt die gemeinsame Führung durch das Haus mit der Gruppe.
„Wo bringst du mich da hin? Ich brauch keinen Fitnessraum, müssen wir jetzt den Tee und die Kräuter kaufen?“

Das Angebot, uns im Gruppenraum in der Gruppe zu treffen, lassen wir aus.

Urlaub in der Gruppe ist uns fremd! Wir legen uns erst einmal am Balkon in die Sonne. Die Teilnahme, egal an welchem Angebot, ist freiwillig!

Eine Mutter und Hans sind die einzigen zu Betreuenden in der Gruppe. Alle anderen Teilnehmerinnen sind alleine. Zwei Partner sind im Seniorenheim zur Pflege während dieser Tage.

Der Zeitplan der Essenszeiten wird genau eingehalten. Frühstück in Buffetform, zu Mittag und am Abend kann aus 4 Menüs gewählt werden.
Bei allen Speisen wird auf gesunde Küche geachtet.

Der Tag beginnt mit dem Morgenlob, das Gerlinde sehr wohlwollend gestaltet.

Beim Frühstück wird der Tagesplan vorgestellt. Möglichkeiten zur Teilnahme stehen immer frei. Z.B.: Ausflug, Wanderung, Gesprächszeiten, Informationen für offizielle Unterstützungen vom Land O.Ö., eine Gesprächsrunde zur Persönlichkeitsstärkung. Alles wird von Gerlinde sehr kompetent begleitet.

Gerti, die in dieser Woche ehrenamtlich dabei ist, begleitet eine kleinere Gruppe, die nicht an dieser Runde teilnehmen will.

Das Hallenbad, der Schwimmteich, das Kneipp Fußbecken, die Kapelle, der Fitnessraum, der Gymnastikraum, die Tee Lounge (Gratistee) und der wunderschöne Garten können tagsüber immer besucht und benützt werden.

Ein Kräuterwickel im eigenen Bett und ein Kneipp Guss sind im Preis inbegriffen.

Ursprünglich habe ich mir vorgestellt, mehr Zeit für mich alleine zu haben.
Wir haben uns aber dann durch das freundliche, hilfsbereite Miteinander so gut an die Gruppe gewöhnt, dass uns die Zeit viel zu schnell vergangen ist.

Eine wohltuende Segensfeier bei der „ Maria Hilf Kapelle“ über den Hügeln der Landschaft, hat diese Tage gut abgerundet. Rückblickend kann ich dankbar  sagen: Es hat gut getan, so viele neue nette Leute kennen gelernt zu haben.

Und zwischendurch fallen vielleicht sogar Hans noch Erinnerungen ein.

Ein „ Herzliches Vergelt´s Gott“ dir, liebe Gerlinde und dir, liebe Gerti!

Wir bedanken uns sehr herzlich bei Frau E., für diese ausführliche, sehr persönliche und so wertschätzende Rückmeldung.

Foto: Kaltseis

Foto: Kaltseis

Die nächsten Erholungstage für pflegende und betreuende Angehörige finden von 9. – 13. Oktober in Windischgarsten statt. Nähere Informationen finden Sie hier:

https://www.caritas-pflege.at/oberoesterreich/pflegende-angehoerige/erholungstage/detailansicht-erholungstage/news/90132-erholungstage-fuer-betreuende-angehoerige-in-windischgarsten-1/

oder bei Fr. Helene Kreiner-Hofinger, 0676-8776 2448

Pfingsten

Foto: pixabay

Wir wünschen Ihnen ein
schönes Pfingstfest mit Ihren Lieben
und den Hl. Geist in Ihre Mitte!

Das Team der Caritas Servicestelle

Gottes Geist erleuchte Dich

GOTTES GEIST ERLEUCHTE DICH

GOTTES LIEBE DURCHDRINGE DICH

GOTTES FRIEDE UMFANGE DICH

GOTTES SONNE STRAHLE AUF DICH

GOTTES HERZ ERWÄRME DICH

GOTTES MACHT HALTE DICH

GOTTES KRAFT STÄRKE DICH

GOTTES ERBARMEN KOMME ÜBER DICH

GOTTES AUGE SCHAUE AUF DICH

GOTTES OHR HÖRE DICH

GOTTES GEGENWART BEGLEITE DICH

GOTTES GÜTE SEGNE DICH

© Heinz Pangels 05/2002  (http://www.heinzpangels.de/pfingsten_05.htm)

Impuls der Woche

Eine kurze Entspannungsübung für mehr Gelassenheit

(Quelle Kartenset „PAUSE“ 55 kurze Entspannungsübungen für mehr Gelassenheit“, Riva Verlag)

Reise durch den Körper

Schließe die Augen und konzentriere dich nacheinander auf deine einzelnen Körperteile. Beginne bei den Füßen und mache weiter mit den Beinen, dem Bauch, dem Rücken, den Schultern, den Armen und schließlich dem Kopf.

Wie fühlt sich das an? Angespannt? Warm oder kalt? Schwer oder leicht?

Auf diese Weise kannst du deinen Körper nach und nach bewusst wahrnehmen und entspannen.

Foto: pixabay

Christi Himmelfahrt

Wie im Himmel, himmlisch, anhimmeln, …ein Wort so vieldeutig verwendet wie das Wort Liebe. Himmel, Projektion unserer Sehnsüchte nach Glück, Heil und Ganzsein, frei von Schmerzen, Sorgen und Nöten, Krankheit und Tod.
Gleichzeitig sehen wir ganz oft, dass es den Himmel auf Erden nicht gibt, in der Welt und in unserem Leben mit seiner Endlichkeit und Fragilität.
Das Fest Christi Himmelfahrt sagt uns jedoch, dass Himmel möglich ist. Einer ist auferstanden aus dem Tod. Durch ihn sehen wir, dass Heil und Glück keine Illusion sein müssen. Seine Botschaft sagt uns, dass dieser Himmel schon hier, mitten in unserem Leben beginnen kann (Jesus spricht oft vom „Himmelreich“).
Wir können  einander schon hier und jetzt mitten im Leben ein Stück Himmel bereiten, wie die folgende Geschichte zum Ausdruck bringt.

„Die langen Löffel“

Ein Rabbi bat Gott einmal darum, den Himmel und die Hölle sehen zu dürfen. Gott erlaubte es ihm und gab ihm den Propheten Elia als Führer mit. Elia führte den Rabbi zuerst in einem großen Raum, in dessen Mitte auf einem Feuer ein Topf mit einem köstlichen Gericht stand. Rundum saßen Leute mit langen Löffeln und schöpften alle aus dem Topf. Aber die Leute sahen blass, mager und elend aus. Es herrschte eisige Stille. Denn die Stiele ihrer Löffel waren so lang, dass sie das herrliche Essen nicht in den Mund bringen konnten.
Als die beiden Besucher wieder draußen waren, fragte der Rabbi den Propheten, welch ein seltsamer Ort das gewesen sei. Es war die Hölle.
Darauf führte Elia den Rabbi in einen zweiten Raum, der genauso aussah wie der erste. In der Mitte brannte ein Feuer und kochte ein köstliches Essen. Leute saßen herum mit langen Löffeln in der Hand. Aber sie waren alle gut genährt, gesund und glücklich. Sie unterhielten sich angeregt. Sie versuchten nicht, sich selbst zu füttern, sondern benutzten die langen Löffel, um sich gegenseitig zu essen zu geben. Dieser Raum war der Himmel.

Aus: Willi Hoffsümmer, Kurzgeschichten 1      

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Beitrag:
Martin Eilmannsberger, Servicestelle Pflegende Angehörige Grieskirchen und Linz
Betlehemstr. 56-58, 4020 Linz
Stadtplatz 36, 4710 Grieskirchen
0676 – 8776 2441
martin.eilmannsberger@caritas-ooe.at

Wenn kein Stein auf dem anderen bleibt

„Meine Eltern sind ein ganz außergewöhnliches Paar“, erzählt Frau E. die besondere Geschichte ihrer Eltern. „Trotz der herausfordernden Situation sind meine Eltern nicht verbittert geworden.“ Vor 46 Jahren verunglückte ihr Vater (85) mit dem Traktor, ist seither querschnittsgelähmt und auf die Hilfe ihrer Mutter angewiesen. Der Unfall ließ die Welt von Familie E. zusammenbrechen. „Ich war zwei Jahre alt und meine Mutti erst 32, als mein Vater mit dem Traktor auf steilem, nassen Gelände ins Rutschen kam und sich überschlug“, erinnert sich Fr. E. zurück. Die Mutter stand quasi über Nacht mit ihren damals vier Kindern und einer kleinen Nebenerwerbslandwirtschaft mit 10 Kühen alleine da. Sie musste, um den Alltag meistern zu können, zuerst einmal den Führerschein machen. „Als Papa aus dem Koma erwachte, war die erste Aussage, dass er im Rollstuhl wieder heim kommen wird. Von gestern auf heute hat sich in der Familie alles geändert“, sagt Fr. E. Doch ihr Vater kämpfte sich Schritt für Schritt zurück ins Leben, sodass er nach der Rehabilitation auf Krücken gehen konnte. „Für uns fünf Kinder war es natürlich wunderbar, dass beide Eltern jetzt immer zu Hause waren. Vor seinem Unfall arbeitete er in einer Molkerei“, erzählt Fr. E. Bemerkenswert fand sie immer, dass sich in der Familie nie der Gedanke festsetzte wie „Was wird der Papa nie wieder tun können“, sondern beide Elternteile immer das Positive sahen und betonten, was doch alles funktioniert. Doch das Schicksal hielt für die Familie noch weitere Prüfungen bereit: Eine Schwester von Fr. E. verstarb unterwartet vor fünf Jahren. Vor 10 Jahren stürzte der Vater und erlitt einen Schulterbruch, von dem er sich nie mehr ganz erholte. Seither sitzt er im Rollstuhl und ist ein Pflegefall. „Ein wacher Geist gefangen in einem Körper, der nicht mehr funktioniert. Und doch hat er immer ein positives Wort auf der Lippe und ein kleines Lächeln im Gesicht – er lässt sich nicht unterkriegen“, bewundert Fr. E. ihren Vater. Für ihre Mutter ist die Pflege ihres Mannes zur Lebensaufgabe geworden. Eine 24-Stunden-Betreuerin unterstützt die mittlerweile 78-Jährige, damit der Alltag leichter fällt. „Mutti schätzt die kleinen Dinge, jedes Gespräch, jedes Telefonat oder jeden Besuch“, weiß Fr. E.

Bei der Übernahme einer Pflege bleibt kein Stein auf dem Anderen!
Diese Geschichte zeigt sehr deutlich, wieviel Veränderung, Organisation und Aufwand es braucht. Und auch Sie, als Pflegende Angehörige kennen das.

Kein Stein bleibt auf dem Anderen – doch in dieser Erzählung wird so schön sichtbar, wie trotz aller Herausforderungen die Liebe, die gegenseitige Unterstützung und die schönen Momente überwiegen.

Nicht immer bricht die Pflegesituation von gestern auf heute über Angehörige herein

Haben Sie erkannt, ab wann Sie pflegende/r Angehörige/r waren? Wenn ich in meinen Beratungen die Menschen frage, seit wann sie ihre/n Angehörige/n pflegen, dann fällt es den meisten schwer eine Antwort zu finden. Durch plötzliche Pflegebedürftigkeit z.B.: aufgrund eines Schlaganfalles oder dergleichen, gibt es einen Zeitpunkt, ab dem die Angehörigen wahrnehmen, dass sie pflegen. Aber wenn die Pflege langsam, schleichend kommt, ist es oft schwer zu sagen. Zuerst unterstützt man beim Einkauf, hilft im Haushalt, übernimmt Fahrdienste, sorgt sich um das Essen.

Auch wenn viele Angehörige das nicht als klassische Pflege sehen, verwenden sie einen großen Teil ihrer Zeit für die Unterstützung, Betreuung und Pflege. Das Wohlergehen des Partners, der Mutter, … bekommt immer mehr Priorität.

Auch bei einem solchen Verlauf ändert sich viel im Leben – Es bleibt auch da kein Stein auf dem Anderen!

Belastende Faktoren

Oftmals kommt es durch die unterschiedlichen Ansichten, was der Pflegebedürftige braucht, zu Konflikten in den Familien. Auch mit gut gemeinten Ratschlägen, die der Pflegende Angehörige umsetzen soll, sind Familienmitglieder immer wieder zur Stelle. Doch der hat mitunter seine eigenen bzw. andere Vorstellungen.

Manche Menschen die zu mir in die Beratung kommen sind bereits total überlastet – weil sie die Pflege alleine stemmen, keinerlei Unterstützung haben, oft weil der Pflegebedürftige keine fremde Hilfe zulässt oder man der Meinung war es alleine zu schaffen.

Wieder andere fühlen sich verpflichtet, haben das Gefühl, diese Arbeit den Eltern zu schulden, und kämpfen neben der Erschöpfung mit Selbstvorwürfen und einem schlechten Gewissen, wenn sie an ihre Grenzen stoßen.

Besonders in dieser Geschichte finde ich es gelungen, wie die Familie die Pflege bewältigt. Sich gegenseitig wertzuschätzen, im Austausch und füreinander da zu sein ist wichtig. Den Pflegenden Angehörigen entgegengebrachtes Vertrauen, kann für sie sehr unterstützend und entlastend sein. Was empfinden Sie in der Pflege als unterstützend?

Kein Stein bleibt auf dem Anderen – wie kann ich mich vorbereiten

Es kommen immer wieder Angehörige in meine Beratung, die sich vorab informieren möchten, welche Unterstützungen es für den alternden Eltern- oder Großelternteil gibt. Wir sprechen dabei aber nicht nur über die Angebote, die es bei uns im Bezirk gibt, sondern auch über die persönliche Situation. Wo liegen die Grenzen für den Pflegenden Angehörigen? Was kann er sich vorstellen zu leisten, aufzugeben und was nicht? Welche Entlastungen könnte er von anderen bekommen, den einzelnen Familienmitgliedern, Freunden, Nachbarn? Was sind seine Kraftquellen, wo kann er regelmäßig auftanken, was sind seine Ressourcen?

Die Pflege eines Angehörigen kann auch als Reise betrachtet werden und mit meiner persönlichen „Landkarte“ kann ich mitbestimmen wo die Reise hingeht. Ich begleite den zu Pflegenden und es liegt an mir in welchem Tempo ich unterwegs bin und wo ich eine Rast einlege. So kann ich entspannt und immer wieder gestärkt meine Reise fortsetzen und auch genießen was mir an Schönem begegnet.

Es bleibt kein Stein auf dem Anderen!

Die Pflege eines Angehörigen ist Herausfordernd und mitunter schwierig.
Es kostet Kraft und Energie und braucht viel Liebe und Geduld.
Daher finde ich es wichtig sich selber immer wieder aufzutanken und auch liebevoll mit sich umzugehen – sich Auszeiten zu gönnen. Wie z.B.: eine Gesprächsgruppe für Pflegende Angehörige besuchen, einen täglichen Spaziergang machen, einen Ausflug mit Freund*innen unternehmen oder bei den Erholungstagen der Caritas mitfahren. Was auch immer diese Kraftquellen sind, Sie sollten sie regelmäßig beachten und nicht aus den Augen verlieren!

Und Johann Wolfgang Goethe sagt: „Auch mit Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man schönes bauen!

Foto: pixabay

Beitrag:
Nadine Tscholl-Jagersberger
Servicestelle Pflegende Angehörige
Pfarrgasse 17, 4240 Freistadt
Beratungsangebot in Hagenberg und Unterweißenbach
0676-8776 2438
Nadine.tscholl-jagersberger@caritas-ooe.at