Die Sorge um sich selbst. Ein Weg zu mehr Kraft.

Auf die Frage nach dem Motiv für die Übernahme der Betreuung und Pflege antworten viele betreuende und pflegende Angehörige: „Das ist doch ganz selbstverständlich!  Wir sind schon so lange verheiratet! Er ist doch mein Vater! Sie war als Mutter immer für mich da! Es ist schließlich meine Pflicht und ich habe es versprochen!“

So selbstverständlich versuchen sie sehr verantwortungsvoll dem Betroffenen die bestmögliche Pflege angedeihen zu lassen. Mitleid und Trauer begleiten den Weg. Die Einschränkungen, Schmerzen, Krankheiten und Bedürftigkeiten des Betroffen nehmen oft einen großen Raum ein. Der Unterstützungs- und Pflegebedarf wird oft schleichend mehr und im gleichen Ausmaß werden die eigenen Bedürfnisse und Wünsche zurückgestellt: Weniger Kontakte mit Freunden etwa, weniger Hobby und Freizeit, weniger Bewegung und Sport, ….

Langsam schleicht sich aber auch das traurige Gefühl ein, selbst zu kurz zu kommen, ein Stück Leben zu versäumen. Verdrängt arbeitet dieses Gefühl im Hintergrund. Erschöpfungsgefühle und depressive Verstimmungen stellen sich ein.

Aus vielen Beratungsgesprächen weiß ich, dass es wichtig ist, eigenen Bedürfnissen und Wünschen wieder einen Raum zu geben. Auch eine Betreuungsbeziehung funktioniert nach dem Gesetz, dass Geben und Nehmen einen guten Ausgleich brauchen. Es ist wichtig, in der Betreuungsbeziehung gegenseitige Erwartungen und Bedürfnisse zur Sprache zu bringen und auch eine Auseinandersetzung darum zu führen. Wo dies aufgrund einer Demenz nicht mehr möglich ist, braucht es einen verantwortungsvollen und achtsamen Umgang mit den eigenen Gefühlen und Wünschen. Von da her kann es wichtig sein, fremde Hilfe und Entlastung – bis hin zu einer Kurzzeitpflege – zu organisieren und nicht alles alleine zu tun.

Nur wer gut für sich selber sorgt, kann auf die Dauer gut für andere da sein.

Text: Mag. Martin Eilmannsberger (Berater der Servicestelle Pflegende Angehörige, Theologe und Sozialarbeiter)

 

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