Alter Vogel, flieg!

Zu den letzten Sommertagen ein beachtenswertes Sommererlebenis zum Nachlesen (Auszug aus dem Buch „Alter Vogel, flieg!“):

„So ein Somer! So viel Sonne! Und diese Trockenheit! Nach dem Jahrhundertregen im letzten Jahr nun dieser wunderschöne Sommer, der für uns sehr anstrengend ist. Wir haben beschlossen, die Ferien über im Waldviertel zu bleiben. Dort ist es immer noch leichter mit der Betreuung, bilde ich mir ein. Ich kann mit Mutter spazieren gehen oder wir können uns ins Freie in den Schatten setzen.

Dieser brütendheiße Sommer in der Stadt würde uns alle noch mehr belasten. Ich ziehe meiner Mutter einen Badeanzug von mir an, setze sie im Garten auf einen Stuhl und spritze sie mit dem Gartenschlauch lauwarm ab. Da taugt ihr, sie kreischt wie ein kleines Kind, prustet, wirft die Hände in die Höhe und lacht.

Wir haben etwas probiert, das eigentlich beachtlich ist. Mein Mann meinte, wir sollten Mutter bei dieser Hitze doch mit in unseren kleinen Steinbruch-Badeteich nehmen. Nein, habe ich gesagt, da bekommt sie zu sehr Angst. Sie kann nämlich nich schwimmen. Ach was, sagt er, probieren wir es doch.
Und gestern haben wir sie tatsächlich zum Baden mit in den Teich genommen. Es war ein Erlebnis: Wir haben ihr Badeschlapfen angezogen, die Badeschlangen der Kinder um Brust und Hüften gebunden und ihr Schwimmflügel über die Oberarme gestülpt. Rechts und links haben wir sie geschnappt und die kleine Böschung hinunter zum Ufer geführt. Als ihre Zehen das Wasser berührten, sträubte sie sich etwas und schaute uns unsicher an.
Dann, als das Wasser bis zu ihren Knien reichte, kreischte sie und rief: „Nein, nein, nein!“ Mein Mann hat sie umarmt und ist vorsichtig mit ihr Schritt für Schritt ins Nasse gestiegen. Kaum reichte es ihr bis zur Brust, schaute sie mit ganz erstaunten Augen auf die Wellen und befühlte das Wasser mit den Händen. Grenzenlose Verwunderung lag auf ihrem Gesicht. Und dann legte sie sich wirklich auf die Wasseroberfläche, ließ sich an den Händen und unter dem Bauch halten, strampelte mit den Beinen und Julius konnte sie durchs Wasser ziehen. Ihr Gesichtsausdruck zeigte eine Mischung aus Angst, Überraschung und Freude.

Ich denke, das Baden im Teich war ein sehr großer Vertrauensvorschuss, den Mutter uns gab.“

Und wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist und gerne weiter lesen möchte, der erhält das Buch „Alter Vogel, flieg!:Tagebuch einer pflegenden Tochter“, geschrieben von Bärbel Danneberg, im Promedia  Verlag unter der ISBN 978-3-85371-286-3.

Wir wünschen ein bereicherndes und genussvolles Lesvergnügen!

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