„Zwei alte Freundinnen“ – Aus dem Tagebuch einer pflegenden Angehörigen

„Allen Wehwehchen und Unpässlichkeiten zum Trotz und animiert vom schönen Wetter haben sich Mutter und Ihre Freundin Resl am Telefon darüber ausgetauscht, sich noch einmal sehen zu wollen.

Resl schien den letzten Schlaganfall jetzt gut im Griff zu haben, sie redete zwar langsam aber doch einigermaßen verständlich. Mutter hat die Wetterkapriolen, die ihr sonst immer sehr im Frühjahr zusetzten, ebenfalls gut gemeistert. So wurde das Treffen zwischen den Familien kurzfristig abgestimmt, und am Feiertag ging es dann flott samt Betreuerin ins Hausruckviertel zur Resl.

Was für ein Wiedersehen. Resl’s Rollator parkte bereits vor der Haustür. Resl selbst erwartete uns am Tisch sitzend und streckte uns ihre Hände entgegen. Ihre körperlichen Gebrechen und ihre fast 89 Lenze sah man ihr auf den ersten Blick kaum an. Was für eine Herzlichkeit, glänzende Augen und strahlende Gesichter. Nach einer schier unendlichen Umarmung wollte sie von Mutter alles wissen und umgekehrt. Ein persönlicher Austausch ist für die beiden eben doch etwas ganz anderes und erweckte den Eindruck, dass sie dem Telefon nicht so recht trauten, da fehlte eben doch das „in die Augen schauen“.

Als Mutter ihrer Resl erzählte, dass sie immer hinfalle, meinte diese nickend:“ Jaja, ich habe auch schon den Boden geküsst“. Und auf die Frage, warum sie das gemacht habe, meinte die ebenfalls langjährige Witwe nur trocken: „Hab ja sonst niemand‘ mehr dazu“.

Es wurde ein fast „übermütiger“ und fröhlicher Nachmittag bei Kaffee und Kuchen, mit vielen Gschichtl’n aus dem Leben der beiden. Das war „Unterhaltung“ pur, nicht nur die beiden Freundinnen, sondern auch für die Angehörigen. Dass sich so manche Frage und Antwort wiederholte, gehörte dazu. Auch Resl wird daheim in ihrer Wohnung im Familienverband betreut, mittlerweile auch unter Beiziehung fremder Hilfe. Erst als wir uns wieder verabschiedeten und Resl noch „vor die Tür“ zum Auto mitgehen wollte, zeigten sich erneut die Anforderungen an das „Steh- und Gehvermögen“ auf beiden Seiten.
Auf dem Heimweg habe ich so überlegt, ob ich bei alleiniger Betreuung zusätzlich die Kraft für so einen Ausflug aufgebracht hätte.

Ich wünsche allen Betreuenden und Pflegenden ebenfalls manch schöne Erlebnisse zwischendurch!“

Romana, Tagebuchschreiberin und pflegende Angehörige
04.05.2009

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