Meine Mutter leidet an Demenz. Sie fährt noch selbst mit dem Auto. Darf sie das?

Auf solche oder ähnliche Fragen beginnt meine Antwort immer mit „kummt drauf an“…
Wenn sie nur vergisst, wo der Schlüssel oder das Handy liegt, ist das Autofahren sicher kein Problem. Wenn es nur darum geht, dass sie sich manchmal verfährt oder die Strecke nicht mehr kennt, ist es auch noch keins….

Wenn sie aber in der Reaktion verzögert ist, Verkehrsregeln nicht mehr weiß, körperlich und/oder geistig nicht mehr wirklich sicher unterwegs ist, dann wird das Fahren zum Problem bzw. ist es schlichtweg verboten!

Dabei geht es ja nicht nur darum, ob die Mutter wieder nach Hause kommt. Es geht auch darum, dass sie sich nicht selbst gefährden soll, aber auch niemand anderen gefährden darf. Dies ist in den §§ 58 u. 59 der StVO genau geregelt:
www.jusline.at/58_Lenker_von_Fahrzeugen_StVO.html
www.jusline.at/59_Verbot_des_Lenkens_von_Fahrzeugen_StVO.html

Die meisten Patienten mit Demenz nehmen außerdem regelmäßig Medikamente ein.
Hände weg vom Steuer – wenn Medikamente die Fahrtüchtigkeit beeinflussen!!!

Dass Alkohol und Autofahren nicht zusammen passen, wissen die meisten von uns. Aber vielen ist kaum bekannt, dass Medikamente die Fahrtüchtigkeit ebenfalls negativ beeinträchtigen können. Dabei geht es nicht nur um Medikamente, deren Wirkung sozusagen auf der Hand liegt, wie etwa Schlaf- oder Beruhigungsmittel oder starke Schmerzmittel. Auch Appetitzügler, Mittel gegen Allergien, Hustenblocker, Diabetesmedikamente, Mittel gegen Reiseübelkeit oder Medikamente, die zur Augenuntersuchung angewendet werden, können die Fahrfähigkeit stark herabsetzen. Andererseits gibt es natürlich auch die Fälle, in denen Medikamente erst dazu beitragen, dass Personen in der Lage sind, ein Auto zu fahren.

Schweizer Verkehrsexperten schätzen, dass rund 20 Prozent aller tödlichen Straßenverkehrsunfälle in Zusammenhang mit Alkoholgenuss stehen. Aber es sind sogar 25 Prozent der tödlichen Verkehrsunfälle, bei denen Medikamente die Fahrtüchtigkeit beeinflusst haben.

Was für Folgen kann die Einnahme von Medikamenten für Autofahrer haben?

Ob ein Medikament die Verkehrstüchtigkeit beeinflusst, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Wichtige Kriterien sind Alter, Geschlecht, Körperbau und Gewicht des Patienten. Entscheidend sind zudem die Grunderkrankung sowie die Dosierung und Einnahme weiterer Medikamente. Grundsätzlich gilt: Wer Medikamente einnimmt und nach dem Lesen des Beipackzettels nicht sicher ist, ob er noch optimal reagieren kann, sollte die Hände vom Lenkrad lassen. Denn die Rechtsprechung ist eindeutig: Wer Medikamente einnimmt und sich danach ans Steuer setzt, ohne den Hinweis auf mögliche Beeinträchtigungen der Fahrtüchtigkeit zu beachten, handelt unverantwortlich und damit grob fahrlässig.

Dies rechtfertigt nicht nur einen Regress der Haftpflichtversicherung, sondern ist auch strafbar.

Sollten Sie jetzt nicht wissen, ob Fahrtauglichkeit gegeben ist oder nicht, fragen Sie am besten Ihren Hausarzt.

Text: Mag.a Christine Brunnhuber, Juristin

Die Servicestelle für pflegende Angehörige stellt Menschen mit persönlicher Betreuungs- und Pflegeverpflichtung zuhause ein rechtliches Beratungsangebot zur Verfügung.

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