„Ein kleines Wunder“ – Aus dem Tagebuch einer pflegenden Angehörigen

„Zwei Jahre betreute ich Frau M. Ich half ihr beim Baden und bei der Körperpflege. Sie ist bereits 93 Jahre und war bis Dezember 05 noch sehr selbstständig. Doch dann verschlechterte sich ihr Allgemeinzustand drastisch. Sie bekam starke Schmerzen im Bauchbereich und wurde in das Krankenhaus eingeliefert. Dort stellte man Nierensteine fest. Sie wurde sofort operiert, wobei auch ein Stück des Darmes entfernt werden musste. Die Ärzte teilten den Angehörigen mit, dass ihre Mutter nun Pflege rund um die Uhr benötigt und dass die Pflege zu Hause kaum mehr zu bewältigen ist.

So kam Frau M. im Februar 2006 in ein Pflegeheim. Dort verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand immer mehr. Sie hatte mit ihrem Leben abgeschlossen, sprach kaum mehr und verweigerte das Essen. Nach weiteren zwei Monaten war sie so weit abgemagert, dass man sich entschloss sie wiederum ins Krankenhaus zu geben um eine Sonde zu setzen. Dazu wurden die Angehörigen ins Krankenhaus gebeten um die Einwilligung zu unterschreiben. Doch ihr Sohn sagte: „Nein, wenn meine Mutter nicht mehr essen will, hole ich sie heim! Sie soll in Würde sterben!“

So rief der Sohn von Frau M. Anfang Mai bei mir an und bat mich um Unterstützung in der Pflege. Wir organisierten sofort ein Pflegebett und alle Dinge, die wir zu Hause brauchten. Als ich das erste Mal zu Frau M. kam, glaubte ich, dass das sicher nur eine Betreuung für eine Woche werde. Doch ich täuschte mich. Mit jedem Tag, den ich zu ihr kam, ging es ihr besser. Sie fing langsam an zu essen und zu reden. Man glaubt schon fast an Wunder, wenn man sie sieht. Mit roten Backen und mit einem Lachen im Gesicht werde ich täglich begrüßt. “Zuhause ist es am Schönsten!”, sagt sie zu mir immer wieder. Mittlerweile wird sie mit dem Rollstuhl in den Garten geschoben und nimmt wieder am Familienleben teil.“

Elfi, Tagebuchschreiberin und pflegende Angehörige

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