Beitrag von Dr. Kirschner zum Thema DEMENZ

„Wenn das Gedächtnis verloren geht“
Unser Gedächtnis ist – wie wir aus eigener Erfahrung wissen – am besten zwischen dem 18. bis 30. Lebensjahr. Mit zunehmendem Alter steigt auch unsere Vergesslichkeit. Dies ist ein physiologischer Prozess. Bei der „natürlichen“ Vergesslichkeit werden 3 Formen unterschieden, die noch nicht als Demenz bezeichnet werden:

  • Altersbedingte Gedächtnisbeeinträchtigung (AAMI): die Gedächtnisprobleme sind physiologisch durch den natürlichen Alterungsprozess bedingt
  • Aufmerksamkeits-Defizit Störung (ADD): die Gedächtnisschwierigkeiten sind durch Einspeicherungsprobleme im Rahmen einer verminderten Aufmerksamkeit bedingt
  • Mild Cognitive Impairment (MCI): bei der „milden kognitiven Beeinträchtigung“ wird eine subjektive Vergesslichkeit empfunden, die aber testpsychologisch oder medizinisch nicht nachweisbar ist

Das wesentliche Merkmal einer Demenzerkrankung ist der Verlust der geistigen Leistungsfähigkeit (Kognition), aber auch eine Verhaltensänderung wie Impulsivität und mangelnde Flexibilität (Sturheit). Es werden vier Demenzformen unterschieden:

  • Mb. Alzheimer: Der Beginn ist schleichend, betroffen sind alle kognitiven Funktionen und verschlechtert sich im Zeitverlauf langsam
  • Fronto-Temporale Demenz: Gedächtnis ist nicht betroffen, sondern das Sozialverhalten (Aggression), das Urteilsvermögen und die kognitive Flexibilität
  • Demenz durch Lewy Bodies: Diese Demenzform muss diagnostisch zum Mb. Parkinson abgegrenzt werden, da beide Erkrankungen im fortgeschrittenen Stadium dieselben Symptome aufweisen wie Tremor, Bradykinese, Rigidität, fluktuierende Kognition etc. aufweisen
  • Vaskuläre Demenz: Die vaskuläre Demenz beginnt im Gegensatz zur Alzheimer Demenz plötzlich meist im Rahmen eines Schlaganfalls. Häufig verbunden mit den kognitiven Beeinträchtigungen sind Lähmungen und Taubheitsgefühle. Bei entsprechender neurologischer Rehabilitation können die kognitiven Fähigkeiten wieder verbessert werden

Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Demenzform und verläuft in 7 Stadien:

  1. Keine kognitiven Leistungseinbußen
  2. Zweifelhafte kognitive Leistungseinbußen: subjektive Gedächtnisprobleme, die objektiv noch nicht nachvollziehbar sind
  3. Geringe kognitive Leistungseinbußen: Gedächtnisprobleme, örtl. Desorientierung an fremden Orten, Konzentrationsdefizit, Familienangehörige nehmen Defizite wahr, während der Patient beginnt Defizite zu leugnen
  4. Mäßige kognitive Leistungseinbußen: Gedächtnisprobleme (eigener Lebenslauf, kurz zurückliegende Ereignisse), örtl. Desorientierung an bekannten Orten, Probleme im Umgang mit Geld, Konzentrationsdefizit, Unfähigkeit komplexe Aufgaben durchzuführen, Verleugnung von Defiziten
  5. Mittelschwerekognitive Leistungseinbußen: Pat. benötigt Hilfe (Haushaltsführung), örtl. + zeitl. Desorientierung, Schwierigkeiten bei situationsgerechter Kleidung, Namen naher Familienangehöriger wie Enkelkinder oder relevante Aspekte seines Lebens werden nicht mehr erinnert. Ehepartner und Kinder werden noch erkannt und der Proband benötigt noch keine Hilfe beim Essen und beim Toilettengang
  6. Schwere kognitive Leistungseinbußen: Name des Ehepartners und der Kinder werden vergessen, Zählfähigkeit ist verringert (10-1), Tag-Nacht-Rhythmus ist gestört, Persönlichkeitsveränderungen, Verfolgungsgedanken (Diebstahl, Spiegelbild), Zwangssymptome, Angstsymptome, aggressives Verhalten
  7. Sehr schwere kognitive Leistungseinbußen: Sprachverlust, für Toilettengang und Essen benötigt der Patient fremde Hilfe, Gehirnsteuerung für Körper scheint beeinträchtigt

Neben der Demenz können auch andere Erkrankungen wie Diabetes, Vitamin-B-Mangel, Schilddrüsenerkrankungen und insbesondere die Depression zu Gedächtnisproblemen führen. Die Gedächtniseinbußen im Rahmen der Depression wurden früher als „Pseudo-Demenz“ bezeichnet.

Depression – Symptome

  • Tageszeitliche Stimmungsschwankungen meist morgens schlechter (Morgentief)
  • Freudlosigkeit / Interessenslosigkeit
  • Schlafstörungen
  • Verminderter Appetit
  • Leichte Erschöpfbarkeit
  • Psychomotorische Unruhe
  • Hoffnungslosigkeit, Gefühl der Wertlosigkeit, Versagensängste
  • Unentschlossenheit
  • leichte Reizbarkeit
  • Suizidgedanken

Durch eine antidepressive Therapie verbessern sich die kognitiven Leistungen

Umgang mit Demenz-Kranken

  1. Info über Erkrankung einholen. Je besser man über die Krankheit bzw. über den Verlauf Bescheid weiß umso kompetenter ist der Umgang mit dem Erkrankten
  2. Kranken so annehmen, wie er ist
  3. Gewohnheiten des Kranken beibehalten
  4. Gleichbleibender Tagesablauf (Rituale)
  5. dem Erkrankten nicht alle Aufgaben abnehmen;
  6. Ruhe und Gelassenheit bei Forderungen, Ängstlichkeit, Anhänglichkeit, Verleugnen
  7. Schlechte sprachliche Verständigung: besonderen Wert auf Blicke, Gesten und Berührungen legen
  8. Unstimmigkeiten werden vom Erkrankten vergessen
  9. Menschl. Würde und Selbstachtung bewahren
  10. Sich selbst nicht vergessen

Text: verfasst und zur Verfügung gestellt von Dr. Johann Kirschner, Grödig;
als Psychologe befasst mit Demenz-Diagnostik; Ehrenamtlicher Seniorenansprechpartner im Seniorenwohnheim Gröding; Referent im Bildungshaus Schloss Puchberg zum Thema „Wenn das Gedächtnis verloren geht“

VERANSTALTUNGSTIPP mit Dr. Kirschner
Ein Tag zum Thema Demenz: „Wenn das Gedächtnis verloren geht“
Samstag, 2. Februar 2013,  09.15 – 16.30 Uhr
Bildungshaus Schloss Puchberg, Puchberg 1, 4600 Wels

Mehr Infos und Anmeldung unter: https://pflegendeangehoerige.wordpress.com/2013/01/24/wenn-das-gedachtnis-verloren-geht-mit-dr-kirschner/

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