„Sich wieder Zeit nehmen“ – Aus dem Tagebuch einer pflegenden Angehörigen

Fotolia_47287990_XSJa, gelingt eine Auszeit tatsächlich? Natürlich hat man die Situation von daheim im Hinterkopf. Umso mehr versuche ich, für meinen Teil, das bestmögliche für mich persönlich herauszuholen, so manches bewusster zu erleben, sich wieder Zeit zu nehmen, z.B. auch für die Teilnahme an Gesprächen in der Pflegegruppe.

Man bekommt zu seinem Selbstschutz irgendwann ein Gefühl dafür, was einem gut tut und vor allem, wann man seine Grenzen erreicht hat und Handlungsbedarf da ist. Bei mir war’s diesen (langen) Winter soweit, dass mir vor lauter Schneeschaufeln die Energie tatsächlich ausging. In der Not entschied ich, z.B. mich nicht mehr so zu ärgern oder zu kränken (im Beruf etwa oder zu enttäuschten Erwartungen), sondern es mit (fast frecher) Gelassenheit hinzunehmen und es mit Humor und sachlich anzugehen. Nicht lachen! Klappt sicher nicht immer, aber immer öfter. Da musste ich sehr wohl meine Grenzen auch akzeptieren (bin ja kein Wunderwuzi sondern ein Mensch, wenn auch ein kleiner, auch mit seinen Schwächen, die man oft nicht wahrhaben will).

Ich arbeite noch immer daran. Es ist noch viel zu tun, doch ist es mein Strohhalm geworden neben der Partnerschaft, ohne die es bei mir auch nicht zu schaffen wäre. Und es geht mittlerweile ganz gut so. Und es betrübt mich weniger, wenn der Partner auch seine Freiheit braucht zum Sporteln (kommt auch schon mal ausgerechnet bzw. witterungsbedingt dann vor, wenn ich nicht so gut drauf bin und es gut täte mit jemandem zu reden). Ich kann eher loslassen oder Geduld haben, beim Partner genauso wie bei den mittlerweile erwachsenen Kindern.

Was mich betrifft, muss ich auch zugeben, dass ich durch meinen Beruf ja auch Abwechslung und Freude habe und ich von der Belastung her sicherlich weit weg bin von jenen Pflegenden, die rund um die Uhr eingespannt sind und für die eine Auszeit weit mehr Gewicht und Notwendigkeit hat, da kann ich nicht wirklich mitreden. Dort werden wirklich Höchstleistungen vollbracht und zu diesen kann ich nur sagen: Hut ab! Und viel Kraft und Gelegenheit zum Kraft tanken für die Zukunft.

Liebe Grüsse, Romana
(Tagebuchschreiberin und pflegende Angehörige)

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