Zum Muttertag

Rose with rose petalsDu bist nicht mehr Mutter!

Mit Dir, Mutter, das war immer so vertraut, so nah. Auf Dich konnte ich zählen, an Deinen Schultern meine Sorgen lassen. Und nun habe ich niemanden mehr. Keinen Ratschlag, kein „da helfe ich Dir“, kein „das wird schon wieder“. Du fehlst mir so Mutter!

Du bist nicht mehr „Mutter“. Du bist nicht mehr stark, weder geduldig noch hilfsbereit oder gütig. Genau das Gegenteil bist Du: schwach, ungerecht, machst nichts als Arbeit und gebärdest Dich unleidig. Dass es soweit kommen musste, Mutter, warum hast Du das zugelassen? Hast Du – Dir und mir – das nicht ersparen können?

Muss jetzt wirklich ich die Mutter sein? Immer nur Mutter? Und Du die Tochter? Das Kind? Ja, das muss ich wohl, und keiner sagt mir, wie das geht. Keiner fragt, wie es in mir aussieht, wie ich mich fühle. Und keiner ahnt meine Mutlosigkeit, wenn ich alle Entscheidungen treffe. Keiner hat eine Vorstellung von meiner Verzweifelung, wenn ich Dein Vormund sein muss, und das in allen simplen Angelegenheiten. Und keiner vermutet meine abgrundtiefe Traurigkeit, wenn ich Dich bade wie eine Mutter ihr Kind, wenn ich Dich anziehe wie eine Mutter ihr Kind und wenn ich dich füttere wie eine Mutter ihr Kind. Du wirst mit jedem Tag mehr zu meinem Kind. Doch ich liebe dich weiter wie meine Mutter, nicht wie mein Kind. Und das liebe Mutter, das macht es für uns beide so schwer.

(Aus: Daniela Flemming, Mutbuch für pflegende Angehörige)

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