„Manchmal fühle ich mich wie in einem Hamsterrad!“

DSC_0166 (2)So brachte es vor kurzem Frau F., die ihren demenzbetroffenen Partner betreut, in einem Beratungsgespräch auf den Punkt.

„Gestern habe ich Stunden damit verbracht mit ihm irgendetwas zu suchen: die Schlüssel, die Brille, die Fernbedienung…  Der ganze Tagesablauf wird von der Krankheit bestimmt, es ist nichts mehr planbar, ich bin nur mehr am reagieren und komme zu gar nichts, schon gar nicht zu dem, was mir persönlich wichtig wäre.“

Viele pflegende Angehörige formulieren dieses Gefühl der Ohnmacht und Hilflosigkeit und die daraus entstehende Unzufriedenheit und Aggression. Das Gefühl, nicht mehr über sein eigenes Leben bestimmen zu können und diese Ungewissheit, was die nächste Stunde, die nächsten Tage bringen, kostet sehr viel Kraft.

Frau F. wird ihrem Mann auf sein drängendes Bitten das nächste Mal antworten. „Ich bin gerade so beschäftigt, ich helfe dir, wenn ich hier fertig bin. Du kannst ja mal suchen.“  Sie kann Strategien entwickeln, um nicht zum Spielball seiner spontanen Bedürfnisse und seiner Vergesslichkeit zu werden. Kommunikationsansätze, wie sie etwa P.A.U.L.A. (Kursreihe zum Thema Demenz, Infos unter www.pflegende-angehoerige.or.at) vermittelt, können hier sehr hilfreich sein.

Grundsätzlich gilt: nicht alle geäußerten Bedürfnisse können erfüllt werden, überzogene Erwartungen dürfen nicht erfüllt werden – da braucht es auch das klare „Nein“.
Für pflegende Angehörige ist es wichtig, eine passive, reagierende Haltung zu verändern und das Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen. Es ist gefährlich zu denken: Was an Zeit und Energie von der Betreuung und Pflege übrig bleibt, gehört mir und meinen Interessen und Bedürfnissen.
Zuerst muss festgelegt sein: Was brauche ich unbedingt, dass es mir gut geht: Ausgleich und Bewegung, Kontakte mit Freunden, Auszeiten und Ruhezeiten oder Hobbies.
Wer diese Anregungen beachtet, läuft weniger Gefahr Gefühlen der Ohnmacht und Hilflosigkeit ausgeliefert zu sein.

Text: Mag. Martin Eilmannsberger
(Berater der Servicestelle Pflegende Angehörige, Theologe und Sozialarbeiter)

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