„Der Start ins neue Jahr“ – Aus dem Tagebuch einer pflegenden Angehörigen

Fotolia_47287990_XSÄußerst ungewöhnlich für unsere Verhältnisse ist der Jahreswechsel diesmal verlaufen: ohne weiteren Krankenhausaufenthalt, ohne weitere Herz- und Kreislaufprobleme trotz milder Temperaturen, bis dato kein Stäubchen Schnee vorm Haus (der mir heuer auch gar nicht abgeht, wenn ich so ans Autofahren denke), ein schon seit kurz vor Weihnachten blühender Strauch im Garten und vielen Gelegenheiten zur Bewegung im Freien. Meine Mutter fährt mittlerweile selbst wieder regelmäßig mit dem Gehwagerl aus, wenn auch nur für kurze Zeit.

Ein jeder dieser frühlingshaften Tage ist ein Geschenk. Besonders die Zeit, die im Vorjahr für die Schneeräumung erforderlich war, kann ich diesmal auch selber bewusst zum Auftanken nützen, für mich (und meine eigene Familie) verwenden, mit oft zurückgestellten Hobbys füllen. Auf dem Balkon sitzen und lesen, Musik hören, spazieren Gehen, für das eine oder andere Kleidungsstück aus dem Katalog versuchen einen Schnitt in eigener Größe zu zeichnen (vielleicht schafft es ja ein Stück davon wirklich, auch genäht zu werden – wer weiß?), ja sogar wieder eine Veranstaltung besuchen.

Auch meine Mutter hat zu Weihnachten ein Buch bekommen (”Und ich schaffe es doch!” von Horst Conen), das sie mittlerweile schon halb ausgelesen hat. Auf geistige Nahrung hat sie immer schon großen Wert gelegt. Vielleicht unterstützt es sie dabei, verschiedene Ereignisse auch aus ihrer Kindheit zuzuordnen, zu verstehen und sich davon unabhängig zu machen was ihr weiteres eigenes (wenn auch zeitweise noch so “behindertes”) Leben betrifft.

Wir denken mittlerweile wieder an einen Besuch beim Augenarzt, an die Kontrolluntersuchung, die seit Mitte November aus bekannten Gründen offen ist. Das eine Auge macht noch immer etwas Probleme. Eine noch immer vorhandene Angst, wieder von der Praxis weg im Krankenhaus zu landen, lässt den Hörer wie von Geisterhand bei jedem Versuch, einen Termin zu vereinbaren, wieder auf den Apparat zurücksinken. Wir werden wohl noch ein paar Tage vergehen lassen, bis sich der Patienenansturm nach den ersten Arbeitstagen etwas gelegt hat. Eine relativ rasche Ermüdung muss neuerdings fix mit ins Kalkül gezogen werden.

Irgendwie läuft im Moment alles ab wie in einem Film. Ich kann es kaum fassen und bin überaus dankbar, dass einmal eine Zeitlang daheim “nicht dauernd etwas los ist”. Sozusagen wirklich ein Jahres-”Wechsel”? In diesem Sinne wünsche ich allen ein
g u t e s neues Jahr und viel Kraft und so viel Geborgenheit und Auftankmöglichkeiten wie nur möglich – wo immer Sie sie finden mögen. Auch Mut zum Annehmen, zum Be-Sprechen mit kompetenten Stellen, auch zum Verzeihen und abschließen können, für jene, bei denen es “dicker” angelaufen ist.

Romana, Tagebuchschreiberin und pflegende Angehörige

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