Erinnerungen einer pflegenden Angehörigen

tontopfWas ich alles noch nicht wusste als ich mich entschloss,
meinen Schwiegervater zu pflegen:
Ich wusste nicht,
dass ich um Hilfe bitten und Hilfe annehmen musste.
Ich wusste nicht,
dass ich ganz allmählich mit Hilfe der Schwester in den Pflegedienst eingeführt worden bin.
Ich wusste nicht,
dass ich meinen Schwiegervater anfassen kann, was mir anfangs sehr schwer fiel.
Ich wusste nicht,
dass ich froh bin, meinen Schwiegervater pflegen zu können.
Ich wusste nicht,
dass ich meine Ekelgefühle überwinden kann.
Ich wusste nicht,
dass es mich belastet wenn er keinen Wunsch äußert und
ich ihm alles von den Augen ablesen muss.
Ich wusste nicht,
dass ich mir vergebens wünsche, er würde ein wenig Dankbarkeit zeigen.
Ich wusste nicht,
dass ich hinter jedem Nicht – Mithelfen, z.B. beim Betten, ein Nicht – Wollen
vermute und nicht ein Nicht – Können.
Ich wusste nicht,
dass ich oft darunter leide, dass ich meinen Schwiegervater zwar pflegen,
aber nicht liebevoll pflegen kann.
Ich wusste nicht,
dass mein Mann und meine Kinder mir so viel abnehmen,
wenn ich sie darum bitte.
Ich wusste nicht,
dass unsere engsten Verwandten zwar wissen, wie es bei uns aussieht, aber uns
nie ihre Hilfe anbieten.
Ich wusste nicht,
dass meine Gefühle zwischen Trauer und Freude, Mitleid und Hass,
Dankbarkeit und Zorn hin und her pendeln würden.
(gefunden unter http://www.ostalbkreis.de/sixcms/media.php/91/vortrag_dolzer.pdf)

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