Sondenernährung, ja oder nein? (Teil I)

Eine PEG-Sonde zu verwenden, braucht eine umfassende Beratung und Klärung. (PEG steht für perkutane endoskopische Gastrostomie und ist ein endoskopisch angelegter künstlicher Zugang von außen zum Magen.)
Aufgrund meiner Erlebnisse in der Praxis, in der mobilen Betreuung und im Altenheim, möchte ich meine Skepsis zum Ausdruck bringen. Der Einsatz einer PEG-Sonde soll nicht leichtfertig erfolgen.

Künstliche Ernährung um welchen Preis?
Ja, es ist eine schwierige Frage.
Was soll geschehen, wenn die PEG-Sonde‚ im Raum steht?
Haben Sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht?
Wenn Sie in die Lage kommen sollten und nicht mehr für sich selbst entscheiden könnten, wer wird für Sie entscheiden?
Oder was möchten Sie tun, wenn Sie für Ihre Eltern entscheiden müssten?
Wer entscheidet dem Recht nach? Ist der Wille des Patienten bekannt, wie sprechen sich die Angehörigen, wie die Ärzte aus?
Also: viele offene Fragen.

Meine persönlichen Erfahrungen mit der PEG Sonde in der mobilen Betreuung, im Seniorenheim und auch in der eigenen Familie waren sehr schmerzlich und lehrreich.
Eine Betroffene, der ohne eingehende Beratung eine PEG-Sonde gesetzt wurde, sagte zu mir: „Warum macht man so etwas, bitte nehmen Sie mich und tragen Sie mich in die Donau!“
Die Angehörigen äußerten sich auch verzweifelt: „Was haben wir nur unserer Mutter mit unserer Zustimmung zur Sonde angetan?!“
Eine Ärztin äußerte sich dagegen so: „Eine PEG-Sonde zu setzen, wird heute weltweit gemacht, es braucht also niemand zu verhungern.
Wollen Sie Ihre Mutter verhungern lassen?!“

Nun gibt es ganz sicher Situationen, in denen die Sonde gut und hilfreich ist und es wäre zu einfach, sie generell abzulehnen.

Wünschenswert wäre, sich vorweg schon zu informieren, und ausreichende Information zu gegebener Zeit zu bekommen, damit die Betroffenen und deren Angehörige sich entscheiden können.
Ganz selten ist diese Frage vorweg ausreichend geklärt, gerade auch bei älteren Menschen nicht.
Sprechen Sie Ihre Eltern an, fragen Sie sie: „Wie hättest du es gerne, wie soll ich für dich entscheiden, wenn du es nicht mehr können solltest?“
Eine gute Möglichkeit ist natürlich die Patientenverfügung, wo jede Person für sich festhalten kann, was sie im Falle der Handlungs-Unfähigkeit von den Heilberufen möchte und was sie nicht möchte!

Unzureichende Nahrungsaufnahme oder „Nahrungsverweigerung“ können Signale nach mehr oder besonderer Zuwendung sein.
In meiner 20-jährigen Arbeit mit alten, kranken und sterbenden Menschen habe ich die Erfahrung gemacht, „Nahrungsverweigerung“ kann auch heißen, „Ich möchte nicht mehr leben!“
Ich, für mich, möchte dann jedenfalls ernst genommen werden und nicht gegen meinen Willen mittels Sonde ernährt werden!

Text: Annemarie Aichinger
Pensionierte Altenfachbetreuerin und Altenheimseelsorgerin

Teil II zum Thema „Sondenernährung, ja oder nein?“ bringen wir in Kürze

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