Damit aufwachsen, dass die Oma Demenz hat

„Unsere Oma spielt Puppen“

748769544a „Geh, Martin, des woas i doch eh“, schimpfte unsere Oma oftmals ihren Sohn, unseren Papa, wenn wir bei ihr zu Besuch waren. Damals bestätigte bereits ein ärztlicher Befund ihre Demenz. Ihr Wunsch nach Selbstständigkeit und Stolz ließen ihr jedoch nicht zu, diese Krankheit und unsere Unterstützung zu akzeptieren. Wir, als Enkelkinder, trauten uns aber nicht, ihre Vergesslichkeit offen anzusprechen und sie dabei vielleicht zu verletzen. So ergaben sich neben Momenten, in denen Oma uns mit ihrer Lebenserfahrung die Welt erklärte, auch solche, in denen wir nicht wussten, wie wir mit ihr umgehen sollten.

Bald war die Demenz so weit fortgeschritten, dass wir sie – aus Sorge und wegen zu großer örtlicher Entfernung – ins Pflegeheim übersiedelten. Ihre sich dort entwickelnde Teilnahmslosigkeit war für uns sehr irritierend, doch ihre gelegentlichen „Ausbüchsversuche“ ließen uns unsere spaßige Oma aus Kindheitstagen wiedererkennen. Jetzt, nach mehr als zwei Jahren mit gesundheitlichen Hochs und Tiefs, nachdem sich sowohl die Medikamentendosis als auch ihre Sturheit gegenüber der Krankheit dezimiert haben, hat sich ein angenehmes und sogar harmonisches Beisammensein mit ihr entwickelt.

Barbara Wintereder mit ihren 4 Enkelkindern

Barbara Wintereder mit ihren 4 Enkelkindern

Beim Puppen spielen, Füttern und Herumchauffieren im Rollstuhl haben sich im Vergleich zu früher zwar die Rollen getauscht, doch es fühlt sich gut an. Denn wir genießen es, unsere Oma glücklich zu sehen.

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