„…trotzdem Ja zum Leben sagen“

Blätter im Wald umrahmen die Sonne…trotzdem Ja zum Leben sagen.

Es gibt Situationen in unserem Leben, wo wir meinen es geht nicht mehr weiter – wenn ein geliebter Mensch stirbt oder bei anderen leidvollen Ereignissen und Erfahrungen. Solche Menschen sagen dann oft:“ Es ist alles nichts mehr, ich habe vom Leben nichts mehr zu erwarten“. Sie sehen keinen Weg mehr, haben kein Ziel.

Viktor Frankl schreibt in seinem Buch “Trotzdem ja zum Leben sagen“, dass er im KZ mit einer anderen Lebenssicht und Lebenseinstellung überlebt hat. Er schreibt: „Wir müssen lernen, dass es eigentlich nie und nimmer darauf ankommt, was wir vom Leben noch zu erwarten haben, vielmehr lediglich darauf, was das Leben von uns erwartet!“

Das kann für mich heißen, die Aufgabe zu erfüllen, die das Leben mir gerade stellt. Diese Forderung –  und mit ihr der Sinn des Daseins – wechselt von Mensch zu Mensch und von Augenblick zu Augenblick. Wenn nun das Schicksal dem Menschen ein Leid auferlegt, wird er auch in diesem Leid eine Aufgabe, und ebenfalls eine ganz einmalige Aufgabe, sehen müssen. Darin aber wie er selbst, der von diesem Schicksal Betroffene, dieses Leid trägt, darin liegt auch die einmalige Möglichkeit zu einer einzigartigen Leistung.

Frankl schreibt: „Für uns im Konzentrationslager […] waren solche Gedanken das Einzige, was uns noch helfen konnte! Denn diese Gedanken waren es, die uns auch dann nicht verzweifeln ließen, wenn wir keine Chance mehr sahen, mit dem Leben davonzukommen.“ (Viktor Frankl geb.1905 – Wien – gest. September 1997; Vater verhungert, Mutter vergast und Bruder starb, auch seine Frau ist umgekommen, nur seine Schwester ist nach Australien entkommen)

Diese Sichtweise kann für Pflegende Angehörige insofern hilfreich sein, als sie uns auffordert, die Aufgabe zu erfüllen, die jetzt gerade gestellt ist – nämlich die Pflege zu übernehmen. Andrerseits aber auch zu sehen, was es an Schönem und Freudvollem in unserem Leben gibt, weil das Leben auch das von uns erwartet – nämlich dass die Pflege nicht das ganze Leben bestimmt. Es gilt auch, das Leben zu genießen. Trotzdem! Es ist ganz sicher eine schwierige, aber – wie Frankl schreibt – auch einzigartige Leistung!

Text: Annemarie Aichinger, Ehrenamtliche Mitarbeiterin,
Pensionierte Altenfachbetreuerin und Altenheimseelsorgerin

Teile des Textes aus dem Behelf „Lebensringe“, Pastoralamt d. Dioezese Linz. Erstellt v. Stefan Schlager!

Ein Gedanke zu „„…trotzdem Ja zum Leben sagen“

  1. Ein wirklich tiefsinniger Text, danke. Einen Angehörigen zu pflegen muss nicht unbedingt bedeuten, dass man vom Leben „abgeschnitten“ ist. Wichtig ist, sich frühzeitig kleine „Zeitinseln“ zu schaffen und für persönliche Freiräume zu sorgen. Auch Urlaub oder Kur sind möglich. Spezielle Pflegedienste für die 24h Pflege bieten die häusliche Pflege als Urlaubsvertretung für „Pflegende Angehörige“ an. Einen Überblick finden Sie unter http://www.verhinderungspflege-zuhause.de

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s