„Der G`wissenswurm“ – Aus dem Tagebuch einer pflegenden Angehörigen

Fotolia_47287990_XSDer G`wissenswurm ist seit unserer Goldenen Hochzeit oft, sehr oft, mein „stiller Begleiter“. Weil Mutter unserem schönen Fest nicht beiwohnen konnte, plagt mich schlechtes Gewissen besonders dann, wenn ich bei ihr bin.

Dann tauchen in der Erinnerung Zeiten auf, an denen wir miteinander gelacht – oder doch mal auch – geweint haben. Je älter ich werde, desto stärker empfinde ich die Bindung, die zwischen uns beiden besteht. Dabei spielt die räumliche Trennung keine Rolle. Dass ich für Mutter eine ihrer Schwestern bin (letztes Mal war ich eine total fiktive), ist in diesem Zusammenhang ebenfalls kein Thema für mich. Kurz gesagt: Sie fehlte einfach. Ich befehle mir dann selber, endlich erwachsen zu werden.

Umgekehrt – wie schön ist es doch, noch eine Mutter zu haben. Natürlich akzeptiere ich die Realität ihres Gesundheits- und Geisteszustandes.
Mittlerweile stellen sich des öfteren auch leichte Sprachstörungen ein. Und doch: Kürzlich erzählte sie mir von den „Jugendsünden“ ihres Vaters. Da war ich aber paff! So ist jeder Besuchstag mit Überraschungen gewürzt und wir beide lachen zum Großteil über die gleichen Dinge.

Weil ich über mein kleines Dilemma schreiben durfte, ist mir wieder wohler zu Mute.

Ilse, Tagebuchschreiberin und betreuende Angehörige

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