Patientenverfügung – eine Entlastung für die Angehörigen

1939742_513182805452954_1662707199661352465_o„Mein Mann wollte nie über den Tod oder das Sterben reden. Das Thema hat er immer weggeschoben. Und jetzt soll ich entscheiden, welche Behandlung er in der letzten Phase seines Lebens erhalten soll: noch eine Antibiotikabehandlung? Künstliche Ernährung? ….  Fragen kann man ihn nicht mehr, die Demenz ist sehr weit fortgeschritten. Er tut mir leid, aber gleichzeitig bin ich wütend auf ihn! Wie immer ich entscheide, ich hab das Gefühl, es wird falsch sein!“

Jeder wünscht sich ein menschenwürdiges Sterben: schmerzfrei, apparatelos, begleitet und schnell vorbei.

Aber – entsprechend der gesellschaftlichen Tendenz – wird der Tod als Teil des Lebens beiseite geschoben und verdrängt. Ein Reden darüber fällt vielen Menschen sehr schwer. Dabei wäre es angesichts der medizinischen Möglichkeiten äußerst wichtig, sich mit Fragen auseinanderzusetzen wie:

  • Welche medizinischen Maßnahmen sollen bei mir noch angewandt werden, etwa wie lange sollte ich noch Antibiotikabehandlung erhalten?
  • Kommt eine künstliche Ernährung in Frage?
  • Wie sieht eine gute Schmerztherapie aus?
  • Wer soll meine Interessen vertreten, wenn ich es nicht mehr kann?
  • ….

Rechtzeitiges Formulieren der eigenen Bedürfnisse kann ein individuell würdiges Sterben sichern, entlastet aber auch das Angehörigensystem und erleichtert ihnen die Begleitung.

Nicht selten bekomme ich in der Beratung familiäre Konflikte bezüglich der Behandlung des Betroffenen mit. Wie eingangs am Beispiel sichtbar geworden, ist die große Not, Entscheidungen treffen zu müssen, letztendlich immer eine Überforderung.
Die Auseinandersetzung mit und das Reden über das Sterben verleiht dem Leben und den Beziehungen zu den nahen Menschen Tiefe und kann es enorm bereichern. Der Tod ist Teil unseres Lebens und verleiht ihm seine Einmaligkeit.

Eine Patientenverfügung bietet die Gelegenheit, die Ergebnisse der persönlichen Auseinandersetzung im Gespräch mit einem Arzt zu verschriftlichen. Ob eine beachtliche oder verbindliche Patientenverfügung angedacht wird ist dann zu entscheiden.

Weiterführender Link:
https://www.help.gv.at/Portal.Node/hlpd/public/content/36/Seite.360200.html

Text: Mag. Martin Eilmannsberger, Berater der Servicestelle Pflegende Angehörige, Theologe und Sozialarbeiter

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