Krankenhaus-Medizin als Fürsorge für den Menschen

Senior and young holding hands„Du bedeutest uns etwas. Es ist gut, dass Du lebst.“
Krankenhaus-Medizin als Fürsorge für den Menschen

Wer sich zu Behandlung und Therapie ins Krankenhaus begibt, steht im Normalfall auf „schwachen Beinen“. Die PatientIn ist froh, wenn sie auf kompetentes Personal trifft, das darauf hört, was gesagt werden will. Sie möchte wahrgenommen und mit Aufmerksamkeit bedacht werden.
Ärzte und Pflegepersonal sind täglich gefordert, im medizinischen und pflegerischen Ablauf und in der Begegnung mit PatientInnen sehr präsent und kompetent „bei der Sache“ zu sein.

Die Entdeckung, dass durch die laufende Verteuerung der Medizin, der Bereich der Begegnung unter Druck gerät, scheint im Zuge von Rationalisierungen plausibel zu sein.

So warnte nun der Medizin-Ethiker Giovanni Maio vor industriellem Denken in Spitälern.
Er ist bioethischer Berater der Deutschen Bischofskonferenz und kritisierte in einem Vortrag an der Katholisch-Theologischen Privatuniversität Linz Kostendruck in Richtung eines „Durchschleusen von kranken Körpern“ (09.02.2015, Auszüge aus der Website kathweb.at)
Wenn „industrielles Denken“ in Spitäler einkehrt, bedeute dies, dass der Kostendruck der Krankenhausträger auf die Ärzte abgewälzt wird.
Maio plädierte in seinem Vortrag zum Thema „Medizin im Spannungsfeld von ärztlichem Heilen, Machbarkeit und Ökonomie“ für mehr Zeit und Aufmerksamkeit für Patienten.

Bei Spitalsreformen sei oft davon ausgegangen worden, die Medizin könne genauso wie industrielle Prozesse strukturiert werden. „Leider der falsche Ansatz“, meinte Maio. Seiner Ansicht nach erfahren junge Mediziner mitunter bei Dienstantritt in einem Spital, dass Sorgfalt als potentielle Verschwendung gelte. Belohnt werde der, der möglichst viele Patienten durchschleuse. „Junge Ärzte kommen mit guten Dispositionen – und sehen sich mit dem Vorwurf konfrontiert, den Betrieb aufzuhalten. So wird Medizin reduziert auf den Vollzug.“ Maio sprach wörtlich von einem „Salonfähig-Werden der inneren Teilnahmslosigkeit“. Leidtragende seien die Patienten, für die nicht mehr genug Zeit aufgewendet werden könne.

Ärzte bräuchten Zeit – und Autonomie, um über diese zu verfügen: „Die Heilkräfte wissen selbst am besten, was gut für den Menschen ist.“ Zu forcieren sei eine „Medizin des Sprechens“, in der Ärzte ihre dialogische Kompetenz einsetzen, um Verunsicherung beim Patienten zu vermeiden.

Vertrauen im Verhältnis von Patient und Arzt basiere auf mehr als auf Sachkenntnis, unterstrich Maio. Letztlich könne man als Mediziner nur helfen, wenn man Kranken gegenüber Wertschätzung zum Ausdruck bringt.

Dieser Text stammt von der Webseite http://www.kathweb.at/site/nachrichten/database/67788.html des Internetauftritts der Katholischen Presseagentur Österreich.

Ein herzliches Danke an Heinz Häubl (Sozialarbeiter, Psychotherapeut, Supervisor, Online-Berater der Servicestelle Pflegende Angehörige) für diesen Text!

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