Mein „Pflegemarathon“

Foto Christine

Christine Gallistl, Treffpunkt-Leiterin und langjährige Pflegende Angehörige

Treffpunkte für pflegende Angehörige – Orte zum Austausch und zur gegenseitigen Stärkung

Mein erster Pflegefall war mein Schwiegervater, der im Jahr 2005 an Lungenkrebs erkrankte und zwei Jahre bis zum Tod von meiner Schwiegermutter und mir betreut wurde.

Im Jahr 2006 erkrankte meine Pflegemutter und kam nach einem längeren Spitalsaufenthalt ebenfalls zu uns in Haus. Diese Pflege war sehr intensiv, dauerte eineinhalb Jahre und kostete enorm viel Kraft. Auch sie starb bei uns zu Hause.
Zeitgleich erkrankte auch meine Schwiegermutter an der Lunge. Das war eine schwere Zeit, ich hatte zwei Patienten und funktionierte nur noch.

Bis vor kurzem pflegte ich meine Schwiegermutter, sie starb an Krebs. Jeden Tag schwand ein Teil ihrer Selbständigkeit, sie war bettlägerig und rund um die Uhr zu betreuen. Auch diese Pflege fordert meine ganze Energie. Das eigene Leben wird nach hinten gestellt.

Wir wurden von verschiedenen Einrichtungen unterstützt: Caritas Hospiz,  Rotes Kreuz – Altenpflege und Heimhilfe. Bei den Treffpunkten für pflegende Angehörige kann ich Kraft tanken.

Treffpunkt für pflegende und betreuende Angehörige
Den Treffpunkt für pflegende Angehörige besuche ich seit 9 Jahren, als mein Schwiegervater an Krebs erkrankte. Ich fühlte mich gleich wohl in der Runde. Was es heißt, einen Angehörigen zupflegen, versteht nur, wer selbst in dieser besonderen Situation ist.

Information, Erfahrungsaustausch, Hilfe für die Seele
Diese Einrichtung ist enorm wichtig zum Erfahrungsaustausch, sich Informationen und Tipps zu holen, man lernt viel aus der Praxis voneinander. Bei den monatlichen Treffpunkten kann man sich fallen lassen, bei Gesprächen das Herz ausschütten, andere Teilnehmer aufbauen und neue Kraft tanken. Es hat einfach alles Platz in der angenehmen Atmosphäre – wir lachen, weinen und fühlen mit den Anderen mit, wenn sie ihre Erlebnisse in der Pflege erzählen. Ohne diese Treffen würde mir etwas fehlen, man geht erleichtert nach Hause.

Leitung des Treffpunktes für pflegende und betreuende Angehörige
Mit meiner Kollegin Renate Kneidinger leite ich seit 2013 den Treffpunkt für pflegende und betreuende Angehörige in Helfenberg.
Derzeit begleiten wir eine Gruppe von 8 – 10 Personen und treffen uns von September bis Juni einmal im Monat. Gerne organisieren wir für unsere Teilnehmer Informationsabende mit Fachreferenten, Kurse und Seminare. Wir geben neue Informationen von verschiedenen Einrichtungen betreffend Unterstützung und Entlastung in der Pflege weiter.  Besonders weisen wir auch darauf hin, dass wir unsere Seele pflegen müssen. Auszeiten – wie die Erholungstage der Caritas oder die Maßnahme „ANNA“ von der GKK können wir sehr empfehlen. Wir wollen Anlaufstelle für Menschen in einer ganz besonderen Situation sein. Der Schwerpunkt unserer Treffen sind die Gespräche in angenehmer und vertraulicher Atmosphäre. Jede Teilnehmerin (meistens ist die Pflege „weiblich“) kann ihre Erfahrungen und Sorgen in der Pflege mitteilen, wir geben Ratschläge, trösten und bauen wieder auf, wenn alles zu viel wird. Es tut einfach der Seele gut, wenn man sein Herz ausschütten kann und verstanden wird.

Text: Christine Gallistl, wohnhaft in der Gemeinde Schönegg im schönen Mühlviertel
Seit neun Jahren intensive Pflege von Angehörigen.

Mehr zu den Treffpunkt-Angeboten (Gesprächsgruppen für Pflegende Angehörige) in Oberösterreich erfahren Sie unter www.pflegende-angehoerige.or.at/treffpunkte/

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