Sondenernährung, ja oder nein? (Teil II)

Senior and young holding hands Aus der Online-Beratung.
Franziska Gaigg, Dipl. Gesundheits- und Krankenschwester und ehrenamtliche Mitarbeiterin der Servicestelle für Pflegende Angehörige formuliert für eine verzagte Mail-Schreiberin:

„Liebe Frau Ulli, Ihrer Anfrage nach befinden Sie sich, aber auch Ihre Mutter in einer sehr schwierigen und seelisch belastenden Situation. Ihre kurze Schilderung hat mich sehr bewegt, da ich in meiner beruflichen Tätigkeit als Krankenschwester oft damit konfrontiert wurde, aber auch in meinem persönlichen Umfeld zu dem Thema der künstlichen Ernährung eine Entscheidung treffen musste.
 
Vorrangig ist immer, ob Ihre Mutter noch die Möglichkeit hat eine eigene Entscheidung zu treffen. Eine Ernährungssonde darf niemals gegen den Willen des Betroffenen gelegt werden. Der Wille Ihrer Mutter ist aber möglicherweise nicht deckungsgleich mit dem was Sie in der gleichen Situation wollten.
Auf Grund Ihrer Schilderung und in Anbetracht der dramatischen Krankengeschichte gehe ich aber davon aus, dass Ihre Mutter nicht mehr in der Bewusstseinslage ist eine Entscheidung zu treffen.
 
Wenn Sie “stellvertretend” die Entscheidung treffen müssen kann das sehr schwer und belastend sein. Versuchen Sie sich zu erinnern, ob ihre Mutter in Zeiten in denen es ihr noch besser ging, Aussagen darüber gemacht hat ob sie in einer Situation wie dieser eine Sonden Ernährung gewollt hätte. Wie ist sie grundsätzlich zu lebensverlängernden Maßnahmen gestanden? Haben vorausgegangene Gespräche zum Thema Tod mit anderen Personen in der Familie oder mit Vertrauenspersonen stattgefunden? Wie war die Haltung Ihrer Mutter zu Krankheit und Betreuung am Lebensende? Hat Ihre Mutter eine Patientenverfügung gemacht oder mit jemanden darüber gesprochen?
 
Eine eingehende Besprechung und Beratung mit den behandelnden Ärzten über den Nutzen, Vorteile oder Nachteile einer Ernährungssonde bei Ihrer Mutter ist unumgänglich und kann Ihnen eine kleine Hilfe sein, wenn Sie die Entscheidung treffen müssen.
 
An vorderster Stelle für die Entscheidung steht aber:  Was dient nach Ihrer Meinung dem Wohl Ihrer Mutter am meisten?
 
Die große Sorge von Betroffenen dass sie Ihre Angehörigen nicht verhungern oder verdursten lassen können ist meistens unbegründet, da besonders wenn eine Krebsdiagnose oder wenn Bewusstseinsstörungen vorliegen das Hunger- und Durstgefühl nicht mehr vorhanden ist.
 
Zu Ihrer Fragestellung bzgl. ethischen/moralischen Alternative zu lebensverlängernden Maßnahmen, insbesondere künstliche Magensonde liegt die ethische Begründung bei den Ärzten unter Abwägung der Vor-und Nachteile einer Sonde. Die moralische Betrachtung ist eine sehr persönliche, die leider oft als Druck anlastet und Schuldgefühle zurücklässt. Die Entscheidung sollte aber keine Schuldgefühle zurücklassen und wenn im Sinne Ihrer Mutter gehandelt wird, ist es die richtige Entscheidung.
 
Ich hoffe ich konnte Ihnen mit meinem Beitrag Ihre Anfrage ausreichend beantworten. Sollten aber noch Fragen offen geblieben sein, werde ich Ihnen gerne antworten.
 
Alles Gute und viel Kraft in dieser schweren Zeit.“

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