Hilfe bekommen, auch im Alter von 70+ online!

Ein Beitrag aus unserer Online-Beratung.

 „Mein Name ist Veronika P.* und ich bin 71 Jahre alt. Mein Mann Rudolf ist 77 Jahre alt und leidet an Alzheimer im Anfangsstadium. Wir sind seit 40 Jahren verheiratet und waren eigentlich immer ein eingespieltes Team. Doch nun vergisst er sehr oft, was er gerade getan hat. Er kann sich nur schwer auf Gespräche konzentrieren. Es fällt ihm immer schwerer neue Informationen zu behalten und Personen zu erkennen.

Nun muss ich meinen Mann mehrmals täglich daran erinnern, seine Medikamente zu nehmen. Ich helfe ihm, seine Brille zu suchen und begleite ihn bei jedem Gang vor die Tür. Jetzt muss ich mich allein um den Haushalt, Bankangelegenheiten und Versicherungen kümmern. Unser Zusammenleben hat sich sehr verändert.Diese Situation belastet uns doch beide sehr. Rudolf ist es äußerst unangenehm, dass er immer öfter Hilfe benötigt.

Ich muss zugeben, dass auch ich mich zunehmend überfordert fühle. Ich denke, dass wir auf Dauer mehr Hilfe benötigen. Dazu kommt die Angst vor der Zukunft. Wir haben zwar einen Sohn, der uns ab und zu besucht und sich bemüht mich zu entlasten, aber er hat selbst eine Familie und eine Arbeit. Ich würde mich sehr freuen, einige Anregungen von Ihnen zu erhalten.
Mit freundlichen Grüßen, Veronika P.“

*Name von Redaktion geändert

Heinz Häubl, Online-Berater der Servicestelle Pflegende Angehörige hat auf das Anliegen von Frau Veronika P. formuliert:

„Sehr geehrte Frau P.*!
 
Die Situation, die Sie als pflegende Partnerin Ihres erkrankten Mannes schildern, ist markant für viele betagte Paare in unseren Breiten.
Mit der Formulierung ‚unser Zusammenleben hat sich sehr verändert‘ haben Sie die
laufende Veränderung auf Ihrem gemeinsamen Weg ins hohe Alter treffend zum Ausdruck gebracht. Wir Menschen sind im Alter angewiesen, uns auf den Weg nach begleitenden Ressourcen zu machen, um den Alltag und neue Herausforderungen bewältigen zu können.

Die Zeit, die vor Ihnen liegt, soll gut bewältigt werden und möglichst mit schönen Momenten erlebt werden können. Darf ich Ihnen nun an Hand von Fragen, ein paar Anregungen für weiterführende Überlegungen geben?

Frage 1:
„Wer – aus Ihrem Freundes- und Bekanntenkreis – würde Sie in diesem langen Prozess der Veränderungen begleiten können und wollen? Wer käme als BegleiterIn für Sie persönlich in Frage?“
Eine oder zwei Personen, denen Sie vertrauen können und Ihnen auch die Freiheit lassen, Ihren Weg so gehen zu können, wie Sie ihn als Expertin für die Pflege Ihres Mannes gerade richtig halten.
Konkret z.B.: für den Fall, dass Sie nicht sattelfest in Bankangelegenheiten sind –
wen würden Sie gerne als Bestärkung zu einer Beratung bei der Bank mitnehmen wollen?

Frage 2:
„Welche Ressource braucht Ihr erkrankter Mann, sich nicht ob seiner Erkrankung schämen zu brauchen. Was oder wen könnte er brauchen, um möglichst neugierig zu bleiben, wie sich seine Welt zu verändern beginnt, ohne Angst haben zu müssen“.
Sie beide sollen so begleitet sein, dass Sie sicher sein können, nicht allein vor anscheinend Unlösbarem zu stehen. Darum: Welche guten Freunde sind greifbar und könnten zu Besuch kommen – und an Ihrem Mann als Person Interesse zu zeigen? Die Angst vor der Zukunft soll wieder der Zuversicht Raum geben.
Die Erkrankung von Rudolf mit ihm selbst und dem Freund gelegentlich anzusprechen, kann alle frei machen, da etwas aus dem Verborgenen hervortreten kann.

Frage 3:
„Was wäre Ihr Sohn zeitlich und aufgrund der Entfernung, samt seiner Familie und seiner Arbeit – ohne Überforderung – in der Lage und bereit, sinnvollerweise zu übernehmen?“
Ich denke an Erledigungen mit Versicherungen etc.
Zusatzfrage an Sie: „Was würden Sie sich von ihm erhoffen (und ihm sagen wollen)?“
 
Die Überforderung, die Sie zum Ausdruck bringen, ist sehr verständlich, weil es im Normalfall ein Hineinschnuppern ist, in ein neues und umfangreiches Feld von neuen Dingen, die abgestimmt, beraten, Zeit gegönnt und entschieden sein sollen.
In Ihrem Gemeindeamt sollten Sie in Erfahrung bringen können, welche Stelle über die gesamte Palette an Hilfestellungen im mobilen, teilstationären und stationären Bereich von Ihnen und Ihrem Mann genützt werden können.
Welche Fachkraft kann Sie vor Ort, d.h. zu Hause, gemeinsam mit ihrem Mann beraten?

Scheuen Sie sich nicht, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Es wird die Zukunft mit sich bringen, dass Sie zunehmend Expertin für Sie als Paar und für sich selbst sein werden.

Kenntnis über die Erkrankung von Rudolf erlangen. Es ist hilfreich, über Alzheimer Bescheid zu wissen; Sie können dann neue Verhaltensweisen Ihres Mannes leichter einordnen und es wird schließlich weniger Überraschungen geben. Literatur ist o.k., wenn Sie gerne lesen. Sonst empfiehlt sich eher ein Treffen mit Freunden, die auch etwas mehr wissen, als dies gemeinhin der Fall ist. Selbsthilfegruppen und Gruppen für pflegende Angehörige können auch in Ihrer Nähe existieren.

Wenn möglich, sehen Sie sich weniger als Erledigerin – Einkauf, Körperpflege, Mahlzeiten… sondern als Expertin für das, was für Sie beide hilfreich ist;
konkret: woher bekommen wir welche Dienstleistung, was brauchen wir im Alltag, wer kann uns Humor und Freude ins Haus bringen, sodass Sie beide trotz allem Neuen zufrieden sein können?

Expertin für sich selbst bleiben: als privat Pflegende ist Freiraum ein wesentlicher Bestandteil, um lange Zeiträume tätig sein zu können. Was wäre für Sie eine konkrete Möglichkeit, von daheim wegzukommen? Einfach anderen Leuten zu begegnen, aus dem Thema Krankheit vorübergehend aussteigen und ganz etwas anderes zu machen, während für Ihren Mann gut gesorgt ist.

Was ich Ihnen wünsche: verlieren Sie nicht aus den Augen, was Ihnen die Zeit mit Rudolf bedeutet und wie sich die gemeinsame Zeit – trotz aller Umstellungen und Neuerungen – verschönern lässt.“

Ein herzliches Danke  an Heinz Häubl (Sozialarbeiter, Psychotherapeut, Supervisor, Online-Berater der Servicestelle Pflegende Angehörige) für diesen Beitrag.

Wenn auch Sie etwas beschäftigt oder belastet, dann schreiben Sie uns.
Wir nehmen uns Zeit für Ihr Anliegen.

Unsere ONLINE Beratung

  • ist vertraulich
  • bietet Orientierung und Information
  • bietet eine richtungsweisende Klärung von Situationen
  • wird von einem multiprofessionellem Team durchgeführt

Ihre Angaben werden streng vertraulich behandelt und können ausschließlich von unserem Team gelesen werden. Innerhalb von 48 Stunden erhalten Sie Antwort.

Zur Online-Beratung für Pflegende Angehörige: http://www.pflegende-angehoerige.or.at/beratungsangebote/online-beratung/online-beratung/

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