BuchTIPP „Das Recht der Alten auf Eigensinn“

Schützendorf, Erich
„Das Recht der Alten auf Eigensinn“
Ein notwendiges Lesebuch für Angehörige und Pflegende
(Reinhardts Gerontologische Reihe; 13)

Erich Schützendofer sieht die Begegnung, die Kommunikation zwischen Pflegenden und alten Menschen von einem pädagogischen Blickwinkel.
Er will aufzeigen, dass Pflegende oft geneigt sind, alte Menschen zu erziehen. Das geschieht oft heimlich. Schützendorfer vergleicht immer wieder Gesprächsmuster, wie sie zwischen Kindern und Erwachsenen ablaufen mit denen Pflegender – alte Menschen. Als Motiv für diese Erziehung werde oft Liebe, Fürsorge, Verpflichtung, Rücksicht und Normen angeführt. In unserer Gesellschaft herrsche oft der Konsens, dass es sinnvoll und erlaubt sei, alte Menschen zu erziehen, um sie den Normen der Gesellschaft, d.h. in Richtung Nützlichkeit, Plan- und Berechenbarkeit anzupassen.

Schützendorfer behauptet, dass die Pfelgenden ebenso wenig Fähigkeit haben, sich von ihren Sichtweisen zu lösen wie der Gepflegte, in eine „andere Welt Ver-rückte“. In Anbetracht dessen, dass Pflegende oft diesen Prozess des Alterns und Sterbens nicht sehen wollen, werden alte Menchen auf alle möglichen Weisen aktiviert. Schützendorf plädiert daher für das Recht der Alten auf „Schrumpfung“ und meint damit das Recht, dass die Welt der alten Menschen kleiner, anders, eben ver-rückt werden darf.

Dass Welten des Leidens, der Angst der alten Menschen für Pflegende kaum zu ertragen sind, bewirkt, dass sie in Aktionismus flüchten, „keine Zeit haben“. Um diese Welten erträglich zu machen, gelte es, „Schleusen“ einzubauen, um die „Großen Erwachsenen“ wieder fähig zu machen, in die Welt der Kinder und der Alten einzutreten. (Kindheitsschleusen, Zeitschleusen, Duftschleusen, etc.)

Zum Abschluss zeigt Schützendorfer das sogenannte „Kompromißmodell“ auf. Er sagt: „Um Kompromisse schließen zu können, müssen wir gelernt haben, unsere Person und unsere Bedürfnisse ernst zu nehmen“, denn „In einer Pflegebeziehung haben Pflegende und Gepflegte grundsätzlich den gleichen Anspruch auf Unversehrtheit.“

Er betont, dass es keine Lösungen für den Umgang, die Beziehung zu alten Menschen gibt, nur ein langes Lernen.

Hier erfahren Sie mehr über das Buch „Das Recht der Alten auf Eigensinn“:
http://www.reinhardt-verlag.de/de/titel/6528/Das_Recht_der_Alten_auf_Eigensinn/978-3-497-01662-4/

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