Pflegende Angehörige und Demenz – Gedanken aus dem Buch „Die Alzheimerlüge“

Wie geht es Angehörigen, die ihre dementen Partner betreuen?

Dr. Michael Nehls geht in seinem Buch “Die Alzheimerlüge“ auf die Situation der pflegenden Partner ein.

In einer Studie, die sich über 15 Jahre erstreckte, wurde festgestellt, dass das relative Risiko während der Pflege eines Menschen mit Demenz selbst dement zu werden, sich im Durchschnitt um das Sechsfache erhöht!

Auf der Suche nach den Ursachen für diese extreme Risikoerhöhung wurden die Daten der Studie durch einen Psychologen und seiner Mitarbeiter an der Universität in Seattle nochmals analysiert: Es sind die katastrophalen Veränderungen, wenn der Partner zum Pfleger wird; Veränderungen in allen Bereichen menschlicher Bedürfnisse.
Und entsprechend der Verhaltenstheorie von Dr. Nehls, zur Alzheimer-Entstehung, reichen diese aus, nicht nur um die Krankheit zu verursachen, sondern auch, um das erhöhte Risiko zu erklären.

Mangel an Zeit:
Angehörige opfern sich auf, aus Selbstlosigkeit wird Selbstverlust.
Sress, Schlafmangel oder gestörter Schlaf sind die Folgen.

Mangel an Lebenssinn:
Erfolgserlebnisse sind eine Seltenheit, es ist schlimm den langjährigen Lebenspartner zu zuschauen wie er verfällt. Auf Grund der engen vertrauensvollen Bindung wird die Demenz des Partners als besonders dramatisch erlebt. Auch kommt selten ein Wort des Dankes.

Mangel an guter Ernährung:
Die Essgewohnheiten verändern sich aus Zeitnot. Pflegende nehmen vermehrt industriell gefertigte Fertignahrung zu sich. Auch Frustessen ist angesagt.

Mangel an Bewegung:
Da Alleinpflegende einen „Rund-um-die Uhr“-Betreuungsjob haben, können sie sportlich nicht so aktiv sein als Menschen gleichen Alters.

Mangel an einem intakten Umfeld:
Pflegende sind oft sozial isoliert und fühlen sich auch so!

Um sich zu schützen, muss der pflegende Partner akzeptieren, dass er als Pfleger arbeitet, und somit einem anerkannten Beruf nachgeht. Wie alle anderen Berufstätigen hat er/sie ein Recht auf ein Eigenleben und auf geregelte Pausen!

Text: Annemarie Aichinger, ehrenamtliche Mitarbeiterin der Servicestelle für pflegende Angehörige

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s