Übersiedelung ins Heim: ein besonderer Punkt des Abschiedes

DSC_0028Eine Tochter erzählt in der Beratung: „Seit der Übersiedelung meiner Mutter ins Heim reagiert meine Mutter bei den Besuchen sehr reserviert: Sie spricht kaum mit mir, antwortet nur sehr zögerlich auf meine Fragen. Einmal hat sie gesagt, dass sie nach Hause will. Ich sagte ihr, dass das nicht mehr geht.

Seither spüre ich die Vorwürfe in ihren Blicken: „Du bist schuld, dass es mir nicht gut geht, warum tust du mir das an!“ Ich fühle mich dann schuldig und hilflos – und manchmal bin ich wütend auf sie.
Dabei hat es keine andere Möglichkeit gegeben: Die Schwindelanfälle waren immer mehr geworden und nach Sturz und Bruch des Oberschenkelhalses brauchte die Mutter Betreuung rund um die Uhr. Überleitungspflege und Ärzte haben der Mutter gesagt, dass sie nicht mehr alleine zu Hause bleiben kann. Nur sehr widerwillig hat die Mutter dann der Übersiedelung ins Heim zugestimmt.

Die Mutter befindet sich in einem herausfordernden Trauerprozess: Sie hat viel zu verabschieden: selbständiges Wohnen und den Platz, wo sie 25 Jahre alleine gelebt hat, Gesundheit und ein ganzes Leben.
Sie kann nicht sagen: „Liebe Tochter! Ich bin so traurig über das, was ich verliere, dass meine Kräfte so nachlassen, dass ich mein selbständiges Leben verliere, dass ich so auf Hilfe angewiesen bin und dass ich mich vielleicht aus dem Leben und von dir verabschieden muss – und manchmal bin ich wütend auf alle und alles – nimm es nicht persönlich!“

Stattdessen gibt sie der Umgebung die Schuld und die Wut und die Traurigkeit richtet sich vor allem gegen die Tochter. Ihr ist nicht bewusst, wie sehr sie die Tochter kränkt, die sich so um die Mutter sorgt.

Ein Blick auf die Geschichte der Mutter offenbart, dass die Mutter – wie die Tochter  sagt –„ immer eine große Verdrängerin war“, dass sie sich wichtigen  Fragen auch ums Lebensende immer entzogen hat und die Tochter mit ihr über das Thema Sterben nicht reden konnte.
Im Blick auf das Leben der Mutter gelingt es der Tochter dann besser,  die Verantwortung  für das letzte Wegstück des Lebens der Mutter bei dieser zu lassen: „Liebe Mutter! Es ist dein Weg. Ich bin auch traurig und es fällt mir auch schwer. Ich kann nur da sein und dich begleiten. Die Trauer für dein Leben liegt in deiner Verantwortung.“

Text: Mag. Martin Eilmannsberger
Psychosoziale Beratung für pflegende Angehörige

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