Aus den Beratungen: Innere Motive für die Pflege

Beratung_MartinWenn man pflegende Angehörige nach den Motiven für die Betreuung fragt, haben sie sehr unterschiedliche Antworten: „Es ist ja eine Verpflichtung für die Mutter zu sorgen!“, „Wir haben es im Rahmen der Partnerschaft einander versprochen!“, „Es steht im Übergabevertrag!“, „Er tut mir so leid, ich kann gar nicht anders!“, „Ich gebe etwas zurück, was ich erhalten habe!“, Ich bekomme dafür das Pflegegeld und bin versichert!“, „Weil ich sie liebe!“, usw.

Manchmal liegen die Motive gar nicht so klar auf dem Tisch, sondern sind überlagert oder versteckt. Wie wichtig es sein kann, genauer auf die inneren Motive, auf das was einem zuinnerst wirklich bewegt und antreibt, zu schauen, zeigt ein aktuelles Beispiel aus der Beratung:

Eine Frau klagt, dass die Betreuung der Schwiegermutter sie zunehmend belastet und auslaugt. Sie erzählt, dass sie sich sehr um sie bemüht (sie widmet ihr viel Zeit und Aufmerksamkeit), aber kaum Anerkennung dafür erhält. Als sie sich dann deswegen einmal bei der Schwiegermutter beschwert, erhält sie eine Antwort, die sie sehr kränkt:
„Die Betreuung steht ja im Übergabevertrag!“

Die Frau hätte gerne Anerkennung und Wertschätzung für ihren Einsatz, was aber die Schwiegermutter aus irgendeinem Grund nicht geben kann (Stolz, Scham, innere Abwehr auf Hilfe angewiesen zu sein, …). Bei genauerem Hinsehen, auch auf die Lebensgeschichte der Frau, stellt sich heraus, dass sich da etwas wiederholt, was sie von ihrer eigenen Mutterbeziehung her kennt: Sie musste als Kind immer um die Anerkennung der Mutter ringen. Ein Lob kam der Mutter nicht über die Lippen. Als sie erkennt, dass die alte Sehnsucht nach der Anerkennung durch die eigene Mutter hinter ihrem besonderen Bemühen um die Schwiegermutter steht, kann sie sich zurücknehmen und das Betreuungsverhältnis mehr als das sehen, was es ist: ein Deal in einem Übergabevertrag.

Das Beispiel zeigt deutlich, wie wichtig die Klärung der inneren Motivation für den Energiehaushalt in einer Betreuungsbeziehung ist. Das Gespräch darüber und das Offenlegen der Motive könnte Betreuende wie Betreuten sehr weiterbringen.

Text: Martin Eilmannsberger
Psychosoziale Beratung an der Servicestelle für pflegende Angehörige

Unterstützung und Beratung finden betreuende und pflegende Angehörige

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