Kränkungen heilen und Frieden finden

yellow-roses-2859077_1920Sicherlich kennen Sie das aus Ihrem Leben: Da gibt es Ereignisse, die mehr oder weniger lang zurückliegen, und dennoch tauchen sie immer wieder einmal auf, beschäftigen … Oder da wären noch Kränkungen – vielleicht unbeabsichtigt geschehen … Und dennoch schmerzen sie noch immer (ein bisschen). Noch gar nicht zu reden von so manchen heftigen Verletzungen, die es im Leben auch gegeben hat.

Kränkungen und Verletzungen sind eine unausweichliche Realität im Leben und entstehen in vielen Fällen völlig unbeabsichtigt – weil jemand oder wir selbst in diesem Augenblick nicht jene Ressourcen zur Verfügung hatten, die uns und anderen gutgetan hätten. So hat das Ereignis in den seltensten Fällen mit Schuld zu tun!

Auch wenn es nicht um Schuld geht, geht es letztlich darum, uns selbst und der / dem anderen zu verzeihen. Wie aber mit jemandem in Frieden kommen, wo vielleicht schon beim Denken an die Person all der Ärger … wieder hochkommt? „Schwamm drüber!“ oder „Zeit heilt Wunden“ sind leider keine Lösungen.
Gibt es einen Weg, mit solchen oder ähnlichen Situationen gleichsam Frieden zu schließen?

Was kränkt macht krank.
Geht man auf die Wortwurzel von „kränken“ zurück, so bedeutet dies: zunichtemachen, erniedrigen, …. Und allein damit wird klar, warum uns Kränkungen so weh tun können – es wird an unserer Würde gekratzt!

Was heilt?
Wenn immer es zumindest schon anfanghaft gelingt, uns selbst gut zu sein, unseren Selbstwert zu nähren – gleichsam wieder zu unserer Würde zurück zu finden, ist schon ein großer Schritt gelungen. Und letztlich haben wir alle eine unantastbare Würde von Gott her zugesprochen bekommen – sie dürfen wir verteidigen, hüten, nähren …

Wenn da nicht diese Gefühle wären!
Manche Gefühle kommen (bei uns) gar nicht gut an – Wut, Schmerz, Frust, Trauer, Hass, Scham, Stolz … und vielfach wurden wir auch so erzogen, dass wir diese Emotionen lieber verstecken. Dabei wollen auch sie uns helfen und zu einem guten Leben ermutigen!

Die Erfahrung, dass ich etwas plötzlich auszusprechen wage, weil sich in mir eben eine ordentliche Wut angestaut hat, diese Erfahrung kennen Sie vielleicht. Da will uns die Wut Mut machen, für unsere Grenzen zu sorgen, die verletzt worden sind; oder unsere Würde zu verteidigen … Ja, es ist wohl ein sehr ungewohnter Blickwinkel auf die Wut!

Doch wenn es gelingt, Gefühle aus dieser Perspektive zu betrachten, dass sie uns helfen wollen, dann kann sich so manches Ungeahnte und Ermutigende zeigen und selbst diese Gefühle geben uns Kraft.

Darf ich Sie noch zu einem Gedanken einladen?
Ich kenne die Erfahrung recht gut, dass ich mir im Nachhinein denke: Warum nur habe ich das nicht anders gemacht?! Wie konnte ich das nur sagen?! …

Wie wirkt da der Gedanke für Sie: In diesem konkreten Moment habe ich mein Bestmögliches gegeben! Ja, vielleicht hätte ich auch nur 10 min später anders agiert … aber vielleicht hatte ich eben diese 10 min später wieder mehr Boden unter den Füßen oder etwas bessere Nerven, es ist mir gelungen durchzuatmen und ein klitzekleines Bisschen mehr Abstand zu gewinnen – und ich hätte schon anders …!!

Stellen Sie sich vor: der Mensch, der Sie verletzt hat, hat in dem Moment sein Bestes gegeben … – damit bleibt weiter unbestritten, dass es Ihnen weh getan hat, aber verändert dieser Gedanke nicht schon ein wenig?
Es macht manchmal einen Unterschied, ob ich annehme, der Andere sei mir absichtlich auf die Zehen getreten oder es ist ihm dummerweise passiert.

Wozu soll dies oder jenes nur gut sein?
Diese Frage lässt sich nur im Nachhinein – wenn überhaupt – beantworten. Und dennoch sind wir Menschen zutiefst auf Sinn angelegt! Wenn es gelingt, irgendwann etwas (und sei es noch so klein und unscheinbar) Positives abgewinnen, so tut das im Tiefsten der Seele gut.
Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden …

Zu vergeben, ändert nicht unsere Vergangenheit – die war so, wie sie war, sie kann aber heilen und damit verändert es unsere Zukunft – die Art und Weise, wie wir künftig unser Leben gestalten können. Doch nicht immer ist es angesagt, zu vergeben – es gibt einige wenige Situationen, in denen es falsch wäre zu vergeben, weil wir uns dadurch nur noch mehr verletzen würden.

Das ändert aber nichts daran, dass vergeben – uns selbst und anderen – zutiefst heilsam ist – in unserer Seele, aber ebenso auf der körperlichen Ebene!

In diesem Sinne wünsche ich uns allen, dass wir immer wieder Frieden in uns finden und es gelingt, Kränkungen zu heilen.

Veronika Santer

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