Gelassenheit

Gelassenheit_Schafgupferlsee_Helene

Foto: Kreiner-Hofinger

„Ich möchte gerne gelassener sein“, höre ich in meinen Beratungsgesprächen mit pflegenden Angehörigen immer wieder. Ein sehr verständlicher Wunsch und doch nicht ganz einfach. Es braucht Zeit und Übung, um in herausfordernden Situationen bei mir zu bleiben, um wahrnehmen zu können, was ich in dieser Situation brauche, was ich zu tun habe oder vielleicht auch lassen muss.

In der Zeitschrift „Welt der Frauen“ Ausgabe 5/2019 gibt es einen Beitrag von Petra Klikovits mit einem Text von Schwester Teresa Hieslmayr zum Thema „Üben Sie sich in Gelassenheit?“

Wir bekamen die Zusage, diesen Beitrag hier auf unserem BLOG veröffentlichen zu dürfen und vielleicht ist auch für Sie einer der „Wege“ geeignet, um sich in Gelassenheit zu üben.

Helene Kreiner-Hofinger

(Psychosoziale Beratung Servicestelle pflegende Angehörige Vöcklabruck und Linz)

 

Üben Sie sich in Gelassenheit?

„Gelassenheit gründet immer auf der Erfahrung, gehalten zu werden“, sagt Schwester Teresa Hieslmayr. Diese Haltung müsse erarbeitet werden. Hier beschreibt sie vier Wege, die helfen, auch in herausfordernden Situationen innere Ruhe zu bewahren.

Weg 1: In Ruhe das Gute tun

Jede und jeder von uns kennt das: den Ärger, wenn jemand unfair behandelt oder ausgenützt wird, die Ohnmacht, wenn wir gegen Ungerechtigkeiten nichts ausrichten können. Wir müssen mit unserer Aufmerksamkeit nicht daran hängen bleiben, sondern können unsere Gedanken auf die vielen guten Dinge lenken, die wir bewirken können. Auch uns selbst tut es gut, Gutes zu tun. Halten Sie sich vor Augen, dass Sie durch Ihren persönlichen Einsatz die Welt ein Stück menschlicher machen. Indem Sie in Ruhe das Gute tun, werden auch Sie innerlich ruhig. Tun Sie daher das Notwendige, das gerade vor Ihnen liegt. Tun Sie, was Ihren Fähigkeiten und Möglichkeiten entspricht. Tun Sie nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Weg 2: Last abgeben

Gelassenheit hat etwas mit „Seinlassen“ zu tun. Diese Erfahrung des „Seinlassens“ können Sie auch mit Ihrem Körper machen – in fast allen Lebenslagen. Jetzt gerade sitzen Sie vielleicht in einem Sessel. Lehnen Sie sich bewusst zurück und richten Sie Ihre Wahrnehmung auf Ihren Körper. Spüren Sie, wie Sie die Last Ihres Körpers an die Lehne und die Sitzfläche abgeben. Lassen Sie auch Arme und Hände mit deren gesamten Gewicht im Schoß ruhen. Verweilen Sie so einen Moment. Dann gehen Sie mit der Aufmerksamkeit zu Ihrem Rücken und überprüfen Sie, ob Sie sich tatsächlich alles Gewicht von der Sessellehne abnehmen lassen. Wenn nicht, richten Sie sich kurz auf, sodass Ihr Rücken frei ist. Spüren Sie, wie Sie nun Ihren Rücken selbst halten, spüren Sie die Kraft, die Sie dafür brauchen. Nun lehnen Sie sich wieder zurück und nehmen Sie wahr, wie Sie Ihr Gewicht an die Lehne abgeben, wie Sie sich entlasten. Was verändert sich dadurch?

Weg 3: Die Natur wahrnehmen

Die Natur trägt ihre Gelassenheit immer schon in sich. Sie überlässt sich ganz dem unvorhersehbaren Prozess von Werden und Vergehen. Stellen Sie sich ans Fenster und schauen Sie hinaus: in die Wolken oder in die verzweigten Äste eines Baumes. Nützen Sie mindestens einmal am Tag die Gelegenheit und lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit auf die Natur. Haben Sie die Möglichkeit, sich zwischen einem Spaziergang oder Kinobesuch zu entscheiden, wählen Sie öfter den Spaziergang! Indem Sie die Natur bewusst wahrnehmen, überträgt sich deren Gelassenheit auf Sie. Aber auch wenn Sie nur das Muster auf dem Blatt Ihrer Zimmerpflanze betrachten oder in die Sichel des Mondes über Ihnen blicken, werden Sie etwas von der Ruhe in sich bemerken, die der Natur innewohnt.

Weg 4: Beten

Der gesamte Kosmos funktioniert nach einer undurchschaubaren Ordnung. Bis hin zu den kleinsten Teilchen fügt sich alles auf unbegreifliche Weise ineinander. Diese Welt und unser Leben liegen letztlich nicht in unserer Hand, aber wir können und dürfen annehmen, dass es eine gute, vielleicht sogar gütige Hand ist, die hinter alldem steckt. Beten heißt, sich dieser guten Hand anzuvertrauen. Suchen Sie sich dazu einen ruhigen Ort. Es kann hilfreich sein, die Augen zu schließen und die Hände im Schoß ruhen zu lassen. Rufen Sie sich ins Gedächtnis, dass Sie, obwohl Sie es vielleicht gerne möchten, viele Probleme in dieser Welt nicht lösen können, auch nicht lösen müssen! Tun Sie das immer wieder, bis es Ihnen in Fleisch und Blut übergeht. Dann wird sich langsam auch in Ihnen etwas lösen.

Sr. Teresa Hieslmayr (43) ist Dominikanerin im Kloster Kirchberg am Wechsel. Die Psychotherapeutin und geistliche Begleiterin hat Germanistik und katholische Theologie studiert und ist seit vielen Jahren in der Caritas tätig. „Regelmäßige Meditations- und Gebetszeiten helfen dabei, gelassener zu werden“, sagt sie.

erschienen in Welt der Frauen 5/19 von Petra Klikovits (www.welt-der-frauen.at)

 

 

 

 

 

Winterstarre


tree-1959267_1920

Zweifelsohne – die Temperaturen sinken, die Kälte greift um sich…wir spüren es deutlich.

Doch denke ich dabei nicht vordergründig an die kalte Jahreszeit.

Vielmehr beschäftigt mich der Mensch: seine Gesinnung, seine Hoffnung, sein Tun oder eben NICHT-TUN….seine menschliche (Winter) Starre.

Das Klima heizt sich mehr und mehr auf; auch im zwischenmenschlichen Bereich.

Um es klar und deutlich auszusprechen: das Klima unter der Bevölkerung heizt sich auf und gleichzeitig kühlt es mehr und mehr ab.

Die Anonymität nimmt zu, die Fremdenfreundlichkeit steigt.

Das Verantwortungsgefühl betreffend „Ressourzenschonen“ hat durchaus noch Luft nach oben.

Damit will ich sagen, einladen: jeder von uns ist in seinen Möglichkeiten gefragt, Ja! gefordert, seinen Beitrag zu leisten. Sich –wie auch immer- einzubringen und zu engagieren; hinzuschauen und nicht weg zu schauen.

Verantwortung zu übernehmen aus ACHTUNG, WERTSCHÄTZUNG, RESPEKT und – wenn sie so wollen – aus LIEBE zu uns und dieser unserer Welt

Einen guten Start ins neue Jahr ihre RosA.

Das Glück

gift-844330_1920

Da zerrten ein paar Engelchen hoch in den Lüften an einem Paket herum. Paket?
Das war ein Riesending.
Größer als im Normalfalle ein Kleiderschrank.
Für diesen ganz bestimmt nicht alltäglichen Lufttransport wären natürlich mehr Kräfte erforderlich gewesen, mehr von diesen geflügelten.
Aber man weiß ja genau, wie das so läuft.

Einer sagt: „Die sind sich nur gegenseitig im Wege!“ Und zuletzt kommt dann noch einer mit dem Personalmangel im Himmel.
„ Was ist den da drin?“ fragte ich neugierig. Sicher mich ging das nichts an. Aber es kam eben so über mich.
Vorerst bekam ich ohnehin keine Antwort.
Nebenbei dachte ich, die Engelchen sehen aus wie die von Leonardo da Vinci und könnten bereits für einen Auftritt als Weihnachtsengelchen geschult sein.

Eines von ihnen musste nach einer Weile niesen.
Klar das feuchtkalte Wetter und das Temperaturgerangel am Nullpunkt.
Dann nur das dünne Hemdchen am Leib.
Ein Engelchen nieste zur Gesellschaft mit. Und schon war es passiert.
Das Paket entglitt. Völlig Führerlos sauste es zur Erde hinunter.
Zu sehen war gerade noch, wie es auf den Abwärtswege auseinander brach.
Die lieben Engelchen begannen zu weinen.
Gern hätte ich ihnen geholfen, zugeredet, etwas Tröstliches gesagt. Aber ich wusste ja nicht, was sie verloren hatten.

Bis dann eines der himmlischen Wesen verriet, im Paket sei für alle Menschen das Glück gewesen, für jeden Einzelnen das ersehnte Glück.
Jetzt liegt also das Glück für jeden von uns herum.
Irgendwo in der Landschaft.
Eigentlich könnte es einen ja beruhigen.
Leider aber ist der Fall nicht ganz einfach.
Jetzt muss jeder selber sein Glück suchen!

lights-1088141_1920

Die Servicestelle Pflegende Angehörige wünscht Ihnen fröhliche und besinnliche Weihnachten.

Nun tragt eurer Güte hellen Schein………………

hands-1926414_1920

Güte ist ein warmes, helles Licht.

Sie verbreitet Wärme und Erbarmen,

Angenommensein und Verständnis,

Geborgenheit und Weisheit.

Der gütige Mensch fragt und rechnet nicht,

sondern er ist gut um der Liebe willen

und weil er vom Guten erfühlt ist.

„Wer seine Seele als gut erfährt,

der glaubt an das Gute im anderen Menschen.

Weil er das Gute im anderen sieht,

wird er ihn auch gut behandeln.

Er lockt durch sein gütiges Verhalten den guten Kern im anderen hervor.“

V .Anselm Grün

Adventgedanken

christmas-cookies-2975570_1920

pixabay.com

Sonntag ist schon der dritte Advent!
So spät schon, oh Gott wie die Zeit doch rennt.
Ich muss noch backen und Geschenke kaufen,
wie jedes Jahr ist es zum Haare raufen.

Dabei habe ich mir fest vorgenommen –
mehr Ruhe, lass keine Hektik aufkommen!
Moment, ich muss öffnen, es klingelt an der Tür,
mein Nachbar steht mit einem Blumenstrauß vor mir.

Er wünscht mir schon jetzt ein frohes Fest,
weil er über Weihnachten die Stadt verlässt.
Mit einmal wird mir ums Herz ganz warm
und ich nehme den Nachbarn in den Arm,
drücke ihn an mich und sage leise Danke
– danke für deine Gabe.
Und spüre dabei die Ruhe, die ich in mir habe!

Advent, besinnliche Zeit, ich hab sie gespürt,
durch einen Menschen, der mich gerührt.

Wir sagen euch an eine heilige Zeit …

christmas-1125147_1920

pixabay.com

Der Advent ist eine besondere Zeit im Lauf des Kirchenjahres. Mit seinen vielen Symbolen und Lichtern will er unsere Sinne ansprechen und die guten Kräfte unseres Herzens neu wecken.
So gesehen ist der Advent
keine trübe und traurige Zeit,
sondern eine Zeit der Zuversicht
und der gläubigen Hoffnung.
Denn es ist kein Trost
bei der Weisheit der Weisen
und bei der Macht der Mächtigen.
Denn der Herr kam nicht in die Welt,
damit die Menschen stärker und klüger,
sondern damit sie sanfter und gütiger würden.

Und darum sind es allein die Kräfte des Herzens,
die uns vielleicht noch einmal werden retten können.

v. Karl Heinrich Waggerl

Quellen der Kraft – in der Betreuung und Pflege: Teil 1

Kraftquellen, auch genannt Ressourcen, sind unheimlich wichtig, um in guten Zeiten genießen zu können und um in schweren Situation genug auftanken zu können, um gesund zu bleiben.

Doch gerade in  schwierigen Situationen weiß man oft nicht mehr was einem Kraft gibt oder hat zu große Schuldgefühle, seine/n Angehörige/n, für eine kurze Zeit alleine zu lassen und sich selbst etwas Gutes zu tun.

mountain-3185047_1920

Image by Simon Matzinger from Pixabay

Ich möchte Ihnen zur Abkühlung in der Sommerhitze eine Geschichte über die Schneeflocken erzählen, die zeigt, wie wichtig es ist, darauf zu achten, wenn unser Körper oder unsere Psyche eigentlich schon gar nicht mehr kann.

Wie viel wiegt eine Schneeflocke?
 Es war Winter. Überall schneite es. Eine Taube saß auf einem Asten und betrachtete das Schneetreiben. Plötzlich setzte sich eine kleine Meise  dazu.  „Guten Tag“, sagte die Meise
„Ich grüße dich,“ erwiderte die Taube. „Was gibt es Neues im Wals?“
„Nichts als Schnee“, sagte die Meise. „Da kommen mir die seltsamsten Gedanken. Was glaubst du, wie viel eine Schneeflocke wiegt?“
Die Taube überlegte und beobachtete dabei, wie die Schneeflocken langsam und leise zur Erde sanken. „Eine Schneeflocke wiegt…nicht mehr als ein Nichts“, meinte sie.
„Nein, das stimmt nicht. Denn höre einmal, was ich vor kurzem erlebt habe: Ich saß auf einem Ast, ganz dicht am Stamm, als es zu schneien begann. Es schneite so wie heute, langsam aber immerzu. Vor lauter Langeweile begann ich, die Schneeflocken zu zählen. Du musst wissen, ich bin sehr flink. Genau dreimillionensiebenhundertvierzigtausendneunhundertzweiundfünfzig Flocken zählte ich. Als die nächste Flocke niederfiel nicht mehr als ein Nichts – brach der Ast. Die Schneelast war ihm zu schwer geworden.“ Ja und dann  davon.
Verfasser Unbekannt  

Es ist so wichtig, nicht zu warten bis die eine Schneeflocke auf ihren Schultern landet, die sie zusammenbrechen lässt. Unsere Ressourcen können uns stärken und sind immens wichtig für den Erhalt ihrer Gesundheit.

Im nächsten Teil „Quelle der Kraft“ wird es darum gehen, ein Stück weit herauszufinden, was für Ressourcen sie haben bzw. früher hatten und Möglichkeiten zu finden, ihnen mehr Raum in ihrem Leben zu geben.

Wenn Sie sich beim Lesen der Geschichte dachten, dass Sie sich fast so fühlen, wie ein Ast, der bald abbricht, zögern Sie nicht und rufen Sie uns an.

Hier finden Sie alle Standorte in OÖ:
https://www.caritas-linz.at/hilfe-angebote/service-fuer-pflegende-angehoerige/servicestelle/standorte/