Brief an meine verstorbene Schwester

spring-276014_1920Allerliebste Schwester!

Nun hast du es geschafft und hast all die Mühe und das Leid hinter dir gelassen. Diese heimtückische Krankheit die dich immer hilfloser und zuletzt auch sprachlos gemacht hat, war sehr schlimm, und hat auch uns, die wir um dich bemüht waren, sehr zugesetzt.

Ich bin sehr dankbar, dass ich für dich da sein durfte, miteinander haben wir einiges durch gestanden. So wie du die Krankheit angenommen hast, war für mich bewundernswert.

Wir konnten über alles reden, als es noch möglich war, über dein gutes Leben, das du zu schätzen wusstest, und auch über das Ende, wie es sein könnte.

Die Krankheit hat uns sehr zusammen geschweißt, und als dein Zustand immer schlechter wurde, bekamen wir einen Platz auf der Palliativstation bei den Schwestern. Die Angst die du hattest vorm Ersticken war dann weg.

Du wolltest nicht alleine sterben, und so wie du es dir gewünscht hast, waren wir bei dir, und haben dich auf dem letzten Weg begleitet.

Vielleicht ist es dir leichter gefallen zu gehen —
weil wir bei dir waren,
aber auch weil du darauf vertraut hast,
dass du auf der anderen Seite schon erwartet wirst,
von Menschen die vorausgegangen sind, und die dich sehr lieben
und von einem liebenden Gott.

Vielleicht feiert ihr schon ein Fest – so wie es Martin Gutl schreibt.

Liebe Erika ich freue mich, dass du erlöst bist.
Und ich bin sehr, sehr traurig, weil ich dich jetzt schon sehr vermisse.

In inniger Verbundenheit

deine Schwester Annemarie

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Vielen Dank an unsere ehrenamtlich Blogschreiberin, dass wir diese berührenden Zeilen mit Ihnen teilen dürfen.

 

Tagebucheintrag: Meine Schwester hat endlich eingewilligt ins Heim zu gehen!

Vielen Dank für diesen Mut machenden Erfahrungsbericht einer anonymen Schreiberin, die ihre Schwester begleitet.

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Meine Schwester hat eine unheilbare Krankheit (ALS). Sie wohnt alleine in ihrem Haus, und wird seit fast einem Jahr von der 24 Stunden Pflege betreut.
Ihr Gesundheitszustand wird immer schlechter und wir haben ständig Probleme mit den Betreuerinnen. Wir, das sind ihre Söhne mit Familie, ihre Freundinnen, ich und meine andere Schwester, die wir alle mithelfen damit sie im Haus sein kann.

Ich habe schon einige Male das Thema Heim angesprochen, aber sie möchte im Haus bleiben. Probieren wir noch eine andere Agentur, bittet sie. Wir sind einverstanden und vereinbaren mit ihr eine zeitgleiche Anmeldung im Seniorenheim. Nach ereignisreichen Wochen (Probleme mit den Betreuerinnen), wir waren alle schon ziemlich am Ende unserer Kräfte, bittet sie mich nachzufragen ob ein Platz frei ist im Heim. 14 Tage mussten wir warten, dann war es so weit. Mit vielen persönlichen Dingen haben wir das Zimmer für sie hergerichtet. Der Abschied vom Haus war verständlicherweise sehr schmerzlich, auch für mich war es schwer sie ins Heim zu bringen.

Sie hat ein Zimmer bekommen mit einem besonders schönen Ausblick. Die erste Konsequenz war, sie musste in der Nacht keine Windelhose mehr tragen, die zu Hause notwendig war, weil die Betreuerinnen höchstens 2 mal in der Nacht aufgestanden sind.

Ich hatte etwas Bauchweh und war gespannt wie sie die Übersiedlung annehmen wird. Ich war sehr erleichtert, als sie mir sagte: „Es geht mir besser als daheim, ich darf in der Nacht ohne schlechtem Gewissen läuten, so oft ich jemanden brauche.“
In weiterer Folge hat sie jetzt viel mehr Kontakte, viel mehr Besuche als zu Hause. Auch Besucher der anderen Bewohner gingen ihr zu und freuten sich sie zu sehen, weil sie vielen bekannt war. Mit dem Rollstuhl ausfahren ist jetzt sehr einfach. Zu Hause brauchten wir den Treppensteiger, und dann konnten wir 200 Meter hin und her fahren, weil ihr Haus auf einem Berg steht.
Meine Schwester erzählt jedem der sie fragt, es geht mir besser als daheim, vielleicht hätte ich doch schon früher gehen sollen.

Und wir können jetzt die Zeit, die wir bei ihr sind, auf ihre persönlichen Wünsche eingehen. Im Haus gab es immer Vieles zu tun, einkaufen Medikamente besorgen,…. Es war ihr auch sehr wichtig, dass Haus und Garten halbwegs in Ordnung waren, und oft blieb wenig Zeit für sie!

Es ist nicht immer so, das nur daheim das Beste ist!

Allerheiligen: Abschiedsbrief der Enkeltöchter und einige Worte des verstorbenen Opas!

Wir bedanken uns, dass wir folgenden berührenden Abschiedsbrief mit Ihnen teilen dürfen. Es ist sehr bewegend solche Zeilen lesen zu dürfen.

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Traurig und bedrückt tasten wir nach dem Sinn.

Zweifel an Gott und Fragen nach dem Leid drängen sich auf.
Du musstest sterben.
Doch sind wir dankbar für die Zeit mit dir, lieber Opa!
Du hast dein Mäderlhaus geliebt und warst immer für uns da.
Als wir Kinder waren hast du uns Puppenkästen gezimmert
und das Planschbecken aufgebaut.
Wir waren gemeinsam wandern, sind auf Jägerstände geklettert
und haben Tiere beobachtet – du hast uns so viel gelernt, stets acht gegeben,
dass uns nichts passiert und es uns an nichts fehlt!
Bei unserer Ausbildung und der Berufswahl hast du uns unterstützt,
bei allen unseren Vorhaben, Auslandsreisen, Krisen und Glücksmomenten warst du ganz nah, hattest ein offenes Ohr und prägende Worte.
Die Liebe, die du uns geschenkt hast, tragen wir in uns und geben sie weiter an deine Urenkel, deren Seelen du noch kennen lernen konntest und die du jetzt als Schutzengel begleitest.
Wir werden von dir erzählen und in ihnen werden deine Werte weiterleben.

Wie ein Stück aus unseren Herzen geben wir dich unfreiwillig her,
doch du behältst einen besonderen Platz darin.
Wir werden dich vermissen, die abendlichen Gespräche mit dir
bei einem Gläschen guten Wein, das Grillen im Garten,
deine festen Umarmungen, deine achtsamen Blicke beim
rückwärts Rausfahren aus der Einfahrt, dein ausdauerndes Winken,…..

Trotz aller Not und Verzweiflung bleibt uns eine Hoffnung:
Bei Gott bist du geborgen, er bekennt sich zu dir und steht zu dir.
Im Glauben daran, dass es dir gut geht, dass die Krankheit dir
keine Fessel mehr ist,
bist du jetzt frei wie ein Vogel-
du kannst abheben und in den Himmel fliegen.
Das macht uns den Abschied ein bisschen leichter.

Lieber Opa, wir haben dich lieb!

Deine Enkeltöchter mit ihren Babys (ein Ungeborenes und ein 3 Monate altes Baby, dass er auch nicht mehr gesehen hat, weil es im Ausland war)

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Dieser Opa wusste, dass es zu Ende geht und in einem der letzten Gespräche sagte er: „Ich hab so ein schönes Leben gehabt und habe keine Angst vorm Sterben. Mit unseren Glauben sind wir auf der sicheren Seite.“
Nach einer längeren Stille die Frage: „Möchtest du uns noch etwas sagen?“
Er: „Alles ist gut, ich bin so glücklich!“

Tagebucheintrag: Respekt und achtsames Hinhören

Vielen herzlichen Dank an unsere ehrenamtliche Blogschreiberin RosA für diesen berührenden Erfahrungsbericht. Sie hat ihren Vater 2 Jahre lang begleitet und durfte bis zum Ende an seiner Seite sein.

Senirenehepaar

Die 2-jährige Begleitung meines Vaters hat mich folgendes gelehrt:

Respekt und achtsames Hinhören sind 2 Grundpfeiler für lebbare (ich spreche nicht von gelungener!)
Begleitung; und das gilt für beide Seiten.

In unzähligen nonverbalen „Badezimmergesprächen“ war die ANGST ein deutlich spürbares und mitunter auch verbalisiertes Thema.
Als mein Vater mir bei seinem letzten Krankenhausaufenthalt auf meine Frage: “Und, Papa, hast du noch Angst?“, mit einem klaren NEIN antwortete, wusste ich:
Jetzt ist es soweit. Jetzt ist ER bereit, zu gehen.
2 Tage später hat er sich mit einem Lächeln im Gesicht verabschiedet.

Hospiz – Wie kann ich damit umgehen, wenn kranke und alte Menschen nichts von einer Begleitung Ihrer letzten Lebensphase wissen wollen??

hospice-1821429_1920Du möchtest nein sagen,

wenn der Mensch dich verlassen muss,

dem dein ganzes Herz gehört.

Nein, bitte nicht. Du möchtest sagen,

bleib doch, ich liebe dich.

Er aber braucht dein ja, um gehen zu können,

um in die Geborgenheit zu finden,

nach der seine Seele sich sehnt.

IRMGARD ERATH

hospice händeWie können pflegende Angehörige damit umgehen, wenn Kranke und Alte
Menschen nichts von einer Begleitung Ihrer letzten Lebensphase wissen
wollen??

Natürlich kann man nicht mit der Tür ins Haus fallen – wie man so schön
sagt – aber pflegende Angehörige dürfen oder sollen auch Ihre Wünsche
offenlegen, auch wenn es um die Begleitung der letzten Lebensphase geht.
Wenn der letzte Gang nicht angesprochen wird, bleiben sehr viele
wichtige Dinge im Raum stehen, der pflegende Angehörige bleibt dann meist
alleine mit seinen vielen unbeantworteten Fragen zurück. Deshalb darf er
sich nicht scheuen, zumindest für sich selbst Hilfe zu holen. Kranke und
alte Menschen kann man nicht zwingen solch Hilfe anzunehmen.

Beispiel: Hr.G. ein starker, lebensbejahender Mann. Mit 63J. Diagnose
Krebs. Für ihn war ganz klar kämpfen um die Gesundheit wieder
herzustellen. Etwas anderes kam nicht in Frage und die Familie durfte auch
nicht daran zweifeln. Gesprochen wurde nicht viel, aber der Kampf gegen
die Krankheit ging zu Lasten aller. Nach drei Jahren ständiger Sorgen und
Ängste der Angehörigen und schlimmen Zeiten für Hr.G.,war der letzte Weg
spürbar. In Panik ließ er seine Familie, Freunde und Bekannte holen. Hr.G.
wollte das tun, was er schon immer tun wollte, sich verabschieden und danke
sagen. Seine Familie blieb traurig zurück.

Auch wenn man das Wort ,,TOD “ nicht ausspricht – er hat unmittelbar
mit dem Leben zu tun und lässt sich von niemandem abschütteln. Darum ist
es umso wichtiger, sich immer wieder damit auseinanderzusetzten und auch
darüber zu sprechen. Ängste, Sorgen und Wünsche sollen von beiden Seiten angesprochen werden. Hilfe von außen wie Hospizbewegung oder Palliativcare kann sehr hilfreich sein, auch für die pflegenden Angehörigen.

HOSPIZ heißt Herberge -bedingungslose Gastfreundschaft in schwierigen
Lebensumständen. Orte der Labung, der Pflege, der Begegnung, des Durchganges, der Ankunft und der Abreise. Das Ziel ist bestmögliche Lebensqualität für beide Seiten .

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Hospizbewegung OÖ
4020 Linz Steingasse 25
0699 17347024
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Vielen herzlichen Dank an unsere Blogschreiberin Hedwig K. für diesen nachdenklich machenden Blogbeitrag  zum Thema Tod und Sterben.

 

 

Filmtipp zum Thema Sterben

Kerze_TrauerDiese berührende Dokumentation bietet für Angehörige eine Hilfestellung zum Thema Sterben und Sterbebegleitung. Das Filmprojekt des Sozialhilfeverbandes Schärding unterstützt sensibel und informativ Menschen auf ihrem Weg des Loslassens.
Der Film beinhaltet ganz intime Erfahrungsberichte und behandelt Fragen wie „Wann beginnt ein Sterbeprozess?“.

Sie werden hier zum Film „Wenn die Zeit zu Ende geht … und noch Leben bleibt“ weitergeleitet.

Die Servicestelle wünscht Ihnen viel Kraft auf ihrem Weg.

Tagebucheintrag: Meine singende Mutter

Danke für diesen berührenden Erfahrungsbericht eines anonymen Schreibers mit seiner Mutter, die er inbrünstig singend im Pflegeheim vorfand.

Senirenehepaar

Weil mein Bruder unsere Mutter auf Grund ihrer starken Demenz nicht mehr daheim betreuen konnte, gab es keine andere Möglichkeit mehr als das Pflegeheim.

Wir wollten Ihr Gutes tun und haben die Zahlungen für ein Einbettzimmer unterstützt, weil wir dachten, dass sie sich das verdient hatte. Die Pflegedienstleitung meinte nach einer gewissen Zeit allerdings, dass unser Mutter eine äußerst sozial orientierte Frau sei und wegen der Ansprache ein Doppelzimmer für sie besser sei. Da Fachfrauen das besser beurteilen können als wir, haben wir natürlich zugestimmt und unsere Meinung revidiert.

 Als ich sie dann einmal so gegen 14.00 Uhr besuchte, lag sie nach dem Mittagschlaf noch im Bett. Der Mittagschlaf war ihr immer heilig, auch als wir noch Kinder waren. Gemeinsam mit ihrer Zimmerkollegin sang sie mit lauter Stimme und großer Inbrunst: „Großer Gott wir loben Dich!“ Zunächst war ich erschrocken, verunsichert und fühlte mich nicht ganz wohl. Als ich die beiden Damen so anschaute, wurde mir klar, dass sie mit voller Überzeugung ein Loblied sangen. Wem ging es nun schlecht? Meiner Mutter oder mir? Sicher nicht meiner Mutter, sonst würde sie nicht so inbrünstig singen. Sie ließ sich auch nicht durch mich unterbrechen.

Ich setzte mich einfach zu ihr und sang mit. Ich weiß nun nicht, ob das richtig war oder nicht, aber ihre Augen waren sehr wach und sie schien glücklich. Natürlich erkannte sie mich nicht, aber ich schien auch nicht zu stören.

 singende Engel

Was ist ihre Geschichte? Schreiben Sie ein Mail an johanna.messmer@caritas-linz.at und wenn Sie wünschen, veröffentlichen wir Ihre ganz persönliche Geschichte in einem der nächsten Blogbeiträge anonym.