Ostern – Auferstehung heißt, die Hoffnung lebt!

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Selten wird uns Menschen unsere Begrenztheit so stark vor Augen geführt wie jetzt in dieser Krise. Das Thema Tod bekommt in der Gesellschaft derzeit eine beängstigende Präsenz und konfrontiert damit auch jeden Einzelnen mit seiner Endlichkeit hier auf Erden.

Durch diese unbekannte und sich rasch verbreitende Krankheit gibt es Grenzerfahrungen in den unterschiedlichsten Kontexten. Es sind dies Zeiten von Angst und Verunsicherung.

Ver – tröstungen helfen nicht, sie sind nicht tröstlich!

Aber die Erinnerung an die Botschaft von Ostern darf uns eine Stütze sein und eine Antwort auf die Frage nach dem Leiden:

„Es gibt Ungeheuerlichkeiten im Leben des Einzelnen und der Menschheitsgeschichte, die uns unweigerlich in die Verzweiflung trieben, würden wir nicht aufgefangen von jener Hoffnung, die in der Osternacht explosionsartig ausbricht: Jesus lebt, er ist auferstanden! Der schändliche Tod am Kreuz ist nicht das letzte Wort. Es gibt durch Leiden, Tod und Verzweiflung hindurch einen Neuanfang.“…. „Auferstehung besagt nämlich: Unser nicht auszutilgender Wunsch nach Glück, unsere unstillbare Sehnsucht nach Gerechtigkeit, Freiheit und Liebe wird nicht im Nichts verhallen, sondern von Gottes Unendlichkeit aufgefangen werden.“

Auferstehung beginnt jetzt, mitten im Leben, wenn wir uns die Hoffnung bewahren, wenn wir einander beistehen, wenn wir einander trösten, wenn wir die Freude und den Schmerz teilen, wenn wir achtsam mit uns und unserem Nächsten umgehen.

„Zu dieser Auferstehung mitten im Leben – hier und heute – brauchen wir viel Mut. Wenn wir diese Auferstehung mitten im Leben trotz Rückschlägen immer wieder versuchen, dann können wir den Rest getrost Gott überlassen.“

Textzitate aus: Johannes B. Brantschen; „Warum lässt der gute Gott uns leiden?“

Mag. Martin Eilmannsberger, Psychosoziale Beratung der Servicestelle Pflegende Angehörige

 

Ausnahmezustand

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Der Glaube gibt uns die Kraft,

tapfer zu tragen, was wir nicht

ändern können,

Enttäuschungen und Sorgen

gelassen auf uns zu nehmen,

ohne je die Hoffnung zu

verlieren.

MARTIN LUTHER KING

 

 

Foto: Kreiner-Hofinger

Die letzten Sonntage waren Sonntage wie schon lange nicht mehr. Kein Messbesuch, kein Familientreffen mit großem Aufkochen, einfach nur Ruhe. Ungewöhnlich, aber ertragbar. Mein Mann und ich fallen in die Kategorie der Risikogruppe, also heißt es zu Hause bleiben. Am meisten fehlt uns der direkte Kontakt zu unseren Kindern und den drei kleinen Enkelkindern, die keine Ahnung haben was da passiert.

Die regelmäßigen Besuche bei meinem Bruder im Pflegeheim fallen auch schon seit längerem aus. Die strengen Besuchsverbote sind vollkommen richtig und wichtig, aber es fehlt einfach was, im geregelten Wochenalltag. Laut Telefon nimmt mein Bruder die Situation mit Gelassenheit, das beruhigt einigermaßen. Ich habe nach außen nur Kontakte über Telefon und andere Medien, zu Nachbarn über den Gartenzaun und spazieren gehe ich alleine.

Was macht dieses Virus grad mit uns?? Wie geht es all den Menschen da draußen die auf fremde Hilfe angewiesen sind?? Hoffentlich gibt es in Ihrem Umfeld Menschen, die trotz aller Widrigkeiten bereit sind zu helfen.

Liebe Pflegende Angehörige, wahrscheinlich würdet ihr gerade in dieser schwierigen Zeit noch mehr Unterstützung brauchen, nehmt alles was ihr kriegen könnt an. Auch wenn es nur das Bedürfnis nach einem Gespräch ist, es gibt auch telefonisch die Möglichkeit Sorgen und Ängste zu teilen. Lasst euch nicht von der Angst leiten, Vorsicht—Hausverstand und ein bisschen Gottvertrauen sind jetzt gefragt. Ich wünsche allen Pflegenden Angehörigen Kraft und Stärke, um diese Krise gut durchzustehen.

Wir danken Hedwig für diesen Beitrag, eine unserer ehrenamtlichen BLOG – Schreiberinnen.

Pflegende Angehörige brauchen Unterstützung!

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Foto: Caritas – Servicestelle Pflegende Angehörige

Im Homeoffice zu arbeiten und die ruhige Zeit für sich nutzen – das versuchen nun viele Menschen in der aktuellen Situation. Während viele die gewonnenen Zeitfenster für längst aufgeschobene Arbeiten oder zur Entschleunigung nutzen, sieht die Situation für betreuende und pflegende Angehörige völlig anders aus. Denn Homeoffice in der Pflege funktioniert leider nicht und viele betreuende und pflegende Angehörige sind geforderter denn je. Was sich nun in vollster Deutlichkeit zeigt: Pflegende Angehörige sind Systemerhalter Nummer 1 und sie verdienen jene fehlende Wertschätzung und Unterstützung, die seit Jahren gefordert wird, mehr denn je.

Der Verzicht auf soziale Kontakte ist für viele pflegende Angehörige Usus

Die derzeit geltenden Regeln zur Einschränkung des sozialen Lebens bedeuten für viele und vor allem jahrelang pflegende Angehörige keine große Umstellung, denn sie sind es gewohnt, eigene Bedürfnisse einzuschränken und soziale Kontakte auf ein Minimum zurückfahren zu müssen. Nun trifft es aber auch Angehörige, die bislang noch wenig in die Betreuung und Pflege eingebunden waren oder in einer anderen Form und Intensität, da der mobile Dienst oder die 24-Stunden-Betreuerin hier unterstützt haben. Was aber nun in vielen Familien passiert ist, dass diese Unterstützungsangebote wegfallen und die Verantwortung wieder bei den Familien liegt. Dass das zu Überforderung, Stress und massiven Ängsten führen kann, ist mehr als verständlich.

Pflege passiert nun vielerorts in Eigenregie

Die geltenden Ausgangsbeschränkungen und die Angst vor einer Infektion haben auch zur Folge, dass das Unterstützernetz auch innerhalb der Familien dünner wird. Hat vor der Krise vielleicht noch der Nachbar mitgeholfen, oder hat die Schwester in der Betreuung unterstützt und Fahrten zum Arzt oder Frisör übernommen, fallen auch diese Hilfsdienste weg. Man versucht das Infektionsrisiko so gering als möglich zu halten und das hat einen großen Preis: die Betreuung und Pflege lastet oft zur Gänze auf einer Person.

Die Angst vor einer Ansteckung ist groß

Viele Angehörige sind auch verunsichert, da sich die Empfehlungen der Bundesregierung – man solle den Kontakt mit Risikopatienten weitestgehend vermeiden – mit der aktuellen Realität widerspricht. Denn gerade jetzt, wo externe Unterstützungsangebote wegfallen oder reduziert werden, muss das gesamte soziale Netz für die Betreuung und Pflege aktiviert werden. Die große Angst, man könne als Angehörige/r potentieller TrägerIn sein und Angehörige gefährden, ist aber da. Man ist hin und hergerissen wie man sich nun richtig verhalten soll. Doch eine 100%ige Sicherheit dazu gibt es nicht. Sich an allgemeine Hygienemaßnahmen zu halten ist hier oft die einzige Möglichkeit.

Was ist, wenn ich es nicht (mehr) schaffe?

Manche Angehörige fragen sich vielleicht, wie lange sie die Pflege ohne professionelle Hilfe noch aufrechterhalten können oder überhaupt leisten können. Andere wiederum machen sich Sorgen darüber, wer die Betreuung und Pflege zu Hause übernimmt, sollten sie selber erkranken. Viele haben Angst, etwas falsch zu machen. Auch nehmen Konflikte zu, da nicht nur Angehörigen, sondern auch pflegebedürftigen Menschen die Decke auf den Kopf zu fallen droht.

Wichtig ist es, hier mit seinen Sorgen und Ängsten nicht alleine zu bleiben und in den Austausch zu gehen. Sprechen Sie mit uns!

In einem kostenlosen telefonischen Gespräch können Sie uns Ihre Ängste und Sorgen mitteilen. Wir können zwar die Situation nicht ändern, aber ein Gespräch und jemanden zu haben der zuhört, kann die Situation entschärfen – das zeigt unsere jahrelange Erfahrung.

Die kostenlose Online-Beratung der Caritas Servicestelle Pflegende Angehörige bietet die Möglichkeit, sich Stress und Sorgen von der Seele zu schreiben.

Die Caritas-MitarbeiterInnen sind in ganz Oberösterreich für Sie da!

Am Standort Freistadt: Nadine Tscholl-Jagersberger: Mo-Do 8-12 Uhr, Tel.: 0676 / 8776 2438

An den Standorten Grieskirchen und Linz: Martin Eilmannsberger: Mo-Fr 8-12 Uhr, Tel.: 0676 / 8776 2441

An den Standorten Ried und Braunau: Christine Wally-Biebl: Mo-Fr 9-12 Uhr, Tel.: 0676 / 8776 2439

Am Standort Rohrbach: Ute Maria Winkler: Mo-Fr 8-12 Uhr, Tel.: 0676 / 8776 2443

Am Standort Steyr: Sabine Eiblwimmer: Mo: 8-13:30 Uhr, Di-Do: 8-13 Uhr, Tel.: 0676 / 8776 2442

An den Standorten Vöcklabruck und Linz: Helene Kreiner-Hofinger: Mo-Fr 8-12 Uhr, Tel.: 0676 / 8776 2448

verfasst von Stefanie Weigerstorfer BA, Leitung der Caritas Servicestelle Pflegende Angehörige

Telefonische Beratung

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Foto: pixabay

Aufgrund der Schutzmaßnahmen wegen des Corona-Virus sind alle Veranstaltungen bis Anfang April abgesagt!

Die Servicestellen Pflegende Angehörige sind ab Montag, 16.3. nur mehr telefonisch erreichbar.

Da diese Zeit besonders auch für pflegende und betreuende Angehörige eine große Herausforderung darstellt und ein Beratungsgespräch hier unterstützen kann, bieten wir unsere psychosozialen Beratungen auch telefonisch und online an.

Die Telefonnummer sind:

Servicestelle Pflegende Angehörige Linz: 0676 /8776 2441 oder 0676 / 8776 2448

Servicestelle Pflegende Angehörige Braunau und Ried i.I.: 0676 / 8776 2439

Servicestelle Pflegende Angehörige Freistadt und Hagenberg: 0676 / 8776 2438

Servicestelle Pflegende Angehörige Grieskirchen: 0676 / 8776 2441

Servicestelle Pflegende Angehörige Rohrbach: 0676 / 8776 2443

Servicestelle Pflegende Angehörige Steyr: 0676 / 8776 2442

Servicestelle Pflegende Angehörige Vöcklabruck: 0676 / 8776 2448

Online-Beratung: https://www.caritas-linz.at/hilfe-angebote/service-fuer-pflegende-angehoerige/beratungsangebote/online-beratung/

 

Um einen Heimplatz zu bekommen braucht man Pflegestufe 4 – am Beispiel von Frau W. wollen wir schildern wie belastend es für einen alten Menschen sein kann, darauf zu warten seinen guten Platz zu bekommen.

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„Hier hab ich jetzt meinen guten Platz bis ich abberufen werde, es fehlt mir nichts. Das Personal ist freundlich, auch meine Kinder und Enkelkinder kümmern sich um mich. Obwohl die körperlichen Gebrechen mehr werden, bin ich sehr zufrieden.“

 

Foto: pixabay

Frau W. wohnte allein in einem Haus im Bezirk Perg, war zu diesem Zeitpunkt 87 Jahre alt und es war ihr Wunsch solange wie möglich in ihrem Haus zu wohnen.

Im Herbst 2018 stürzte sie jedoch mehrmals und kam ins Krankenhaus. Sie konnte leider nicht mehr gehen und im Krankenhaus hieß es dann sie sei ein Pflegefall. Sie wollte in ein Heim, aber da Frau W. nur Pflegestufe 1 hatte, sagte man ihr, auch wenn gleich angesucht wird, was vom KH auch übernommen wurde, hat sie keine Chance Pflegestufe 4 zu bekommen.

Von Pflegestufe 1 auf 4 geht nicht! Wohin aber mit ihr?

Frau W. hat zwei Töchter, eine wohnt in Wels und eine in Linz.

Ihre Tochter in Wels hat sich bereit erklärt die Mutter zu sich zu nehmen.

Die Wohnung ist sehr klein, so dass die Mutter ihren Rollator nicht nutzen konnte und sich nur mit Hilfe von Krücken fortbewegen konnte.

Zum Duschen fuhren sie ins Haus der Mutter, das 50 Kilometer entfernt ist.

Es stand für beide fest, das war keine Lösung auf Dauer.

Im Februar suchte die Tochter im Heimatort der Mutter um Kurzzeitpflege an und sie konnte ab Mitte Juni für 2 Monate dort bleiben. In dieser Zeit verschlechterte sich der Zustand von Frau W. und sie bekam an den Extremitäten ein unkontrolliertes Reißen, welches ihr ziemlich zu schaffen machte. Das Heim organisierte, dass Frau W. zu einer Neurologin kam, und suchte um Erhöhung der Pflegestufe an. Frau W. wäre gerne im Heim geblieben, aber sie musste wieder nach Wels zu ihrer Tochter und war sehr deprimiert. Ende August kam eine Ärztin zur Begutachtung für die Pflegegeldeinstufung.

Die Tochter musste sich im November 2019 einer Operation unterziehen, also hat sie die Mutter wieder zur Kurzzeitpflege angemeldet. Frau W. hat im November die Kurzzeitpflege angetreten und konnte dann auf einen Dauerpflegeplatz übernommen werden. Sie musste noch für 9 Tage die Kurzzeitpflege bezahlen, aber sie sagte:

„Ich war nur froh, endlich einen Platz zu bekommen. Es war für mich eine sehr schwierige Zeit mit meinen fast 89 Jahren keinen geeigneten Wohnraum zu haben. Eine 24-Stundenpflege kam für mich nicht in Frage, bei Bekannten habe ich da sehr viel Negatives miterlebt. Hier hab ich jetzt meinen guten Platz bis ich abberufen werde, es fehlt mir nichts. Das Personal ist freundlich, auch meine Kinder und Enkelkinder kümmern sich um mich. Obwohl die körperlichen Gebrechen mehr werden, bin ich sehr zufrieden.“

Wir bedanken uns bei unserer ehrenamtlichen BLOG- Schreiberin Annemarie für diesen Beitrag.

 

Erholungstage Schlierbach 2020

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Fotos: Mayr

Wer pflegebedürftige Angehörige versorgt, leistet wertvolle, gleichzeitig aber auch kräftezehrende Arbeit. Tag und Nacht stehen Angehörige ihren pflegebedürftigen Menschen zur Seite. Oftmals fehlt den pflegenden Angehörigen die nötige Zeit und Selbstsorge, um sich um die eigenen Anliegen, Bedürfnisse, Wünsche und Gefühle zu kümmern. Selten fragt wer, wie es ihnen in der Betreuungssituation geht.

Umso größer ist die Freude auf bevorstehende Urlaube oder Erholungstage. Es erfordert Mut, Kraft und Selbstbewusstsein, um sich aus dieser Situation hinaus zu wagen. Manches Mal bedarf es auch eines Anstoßes durch die Familie oder durch Freunde, um sich zu erlauben ein paar Tage Auszeit zu nehmen. Um vom Pflegealltag weg zu gehen, ist vorab noch eine sorgfältige Planung nötig, um den Pflegebedürftigen zurückzulassen und gut versorgt zu wissen.

So schaffte es eine Gruppe pflegender Angehöriger in den Semesterferien bei den Caritas Erholungstagen in Schlierbach dabei zu sein. Wir haben die pflegenden Angehörigen begleitet und versucht mit den Teilnehmerinnen richtig durchzuatmen, bereichernde Gespräche zu führen, die Natur zu erwandern, neue Energien zu tanken, zu lachen, zu genießen und durch vielfältige andere Anregungen wieder Kraft zu schöpfen und positive Gedanken zu formulieren.
Es ist uns gut gelungen und wir wünschen den Teilnehmerinnen, dass sie den Herausforderungen zu Hause wieder mit neuer Kraft und Energie entgegentreten können.

Gelassenheit

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Foto: Kreiner-Hofinger

„Ich möchte gerne gelassener sein“, höre ich in meinen Beratungsgesprächen mit pflegenden Angehörigen immer wieder. Ein sehr verständlicher Wunsch und doch nicht ganz einfach. Es braucht Zeit und Übung, um in herausfordernden Situationen bei mir zu bleiben, um wahrnehmen zu können, was ich in dieser Situation brauche, was ich zu tun habe oder vielleicht auch lassen muss.

In der Zeitschrift „Welt der Frauen“ Ausgabe 5/2019 gibt es einen Beitrag von Petra Klikovits mit einem Text von Schwester Teresa Hieslmayr zum Thema „Üben Sie sich in Gelassenheit?“

Wir bekamen die Zusage, diesen Beitrag hier auf unserem BLOG veröffentlichen zu dürfen und vielleicht ist auch für Sie einer der „Wege“ geeignet, um sich in Gelassenheit zu üben.

Helene Kreiner-Hofinger

(Psychosoziale Beratung Servicestelle pflegende Angehörige Vöcklabruck und Linz)

 

Üben Sie sich in Gelassenheit?

„Gelassenheit gründet immer auf der Erfahrung, gehalten zu werden“, sagt Schwester Teresa Hieslmayr. Diese Haltung müsse erarbeitet werden. Hier beschreibt sie vier Wege, die helfen, auch in herausfordernden Situationen innere Ruhe zu bewahren.

Weg 1: In Ruhe das Gute tun

Jede und jeder von uns kennt das: den Ärger, wenn jemand unfair behandelt oder ausgenützt wird, die Ohnmacht, wenn wir gegen Ungerechtigkeiten nichts ausrichten können. Wir müssen mit unserer Aufmerksamkeit nicht daran hängen bleiben, sondern können unsere Gedanken auf die vielen guten Dinge lenken, die wir bewirken können. Auch uns selbst tut es gut, Gutes zu tun. Halten Sie sich vor Augen, dass Sie durch Ihren persönlichen Einsatz die Welt ein Stück menschlicher machen. Indem Sie in Ruhe das Gute tun, werden auch Sie innerlich ruhig. Tun Sie daher das Notwendige, das gerade vor Ihnen liegt. Tun Sie, was Ihren Fähigkeiten und Möglichkeiten entspricht. Tun Sie nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Weg 2: Last abgeben

Gelassenheit hat etwas mit „Seinlassen“ zu tun. Diese Erfahrung des „Seinlassens“ können Sie auch mit Ihrem Körper machen – in fast allen Lebenslagen. Jetzt gerade sitzen Sie vielleicht in einem Sessel. Lehnen Sie sich bewusst zurück und richten Sie Ihre Wahrnehmung auf Ihren Körper. Spüren Sie, wie Sie die Last Ihres Körpers an die Lehne und die Sitzfläche abgeben. Lassen Sie auch Arme und Hände mit deren gesamten Gewicht im Schoß ruhen. Verweilen Sie so einen Moment. Dann gehen Sie mit der Aufmerksamkeit zu Ihrem Rücken und überprüfen Sie, ob Sie sich tatsächlich alles Gewicht von der Sessellehne abnehmen lassen. Wenn nicht, richten Sie sich kurz auf, sodass Ihr Rücken frei ist. Spüren Sie, wie Sie nun Ihren Rücken selbst halten, spüren Sie die Kraft, die Sie dafür brauchen. Nun lehnen Sie sich wieder zurück und nehmen Sie wahr, wie Sie Ihr Gewicht an die Lehne abgeben, wie Sie sich entlasten. Was verändert sich dadurch?

Weg 3: Die Natur wahrnehmen

Die Natur trägt ihre Gelassenheit immer schon in sich. Sie überlässt sich ganz dem unvorhersehbaren Prozess von Werden und Vergehen. Stellen Sie sich ans Fenster und schauen Sie hinaus: in die Wolken oder in die verzweigten Äste eines Baumes. Nützen Sie mindestens einmal am Tag die Gelegenheit und lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit auf die Natur. Haben Sie die Möglichkeit, sich zwischen einem Spaziergang oder Kinobesuch zu entscheiden, wählen Sie öfter den Spaziergang! Indem Sie die Natur bewusst wahrnehmen, überträgt sich deren Gelassenheit auf Sie. Aber auch wenn Sie nur das Muster auf dem Blatt Ihrer Zimmerpflanze betrachten oder in die Sichel des Mondes über Ihnen blicken, werden Sie etwas von der Ruhe in sich bemerken, die der Natur innewohnt.

Weg 4: Beten

Der gesamte Kosmos funktioniert nach einer undurchschaubaren Ordnung. Bis hin zu den kleinsten Teilchen fügt sich alles auf unbegreifliche Weise ineinander. Diese Welt und unser Leben liegen letztlich nicht in unserer Hand, aber wir können und dürfen annehmen, dass es eine gute, vielleicht sogar gütige Hand ist, die hinter alldem steckt. Beten heißt, sich dieser guten Hand anzuvertrauen. Suchen Sie sich dazu einen ruhigen Ort. Es kann hilfreich sein, die Augen zu schließen und die Hände im Schoß ruhen zu lassen. Rufen Sie sich ins Gedächtnis, dass Sie, obwohl Sie es vielleicht gerne möchten, viele Probleme in dieser Welt nicht lösen können, auch nicht lösen müssen! Tun Sie das immer wieder, bis es Ihnen in Fleisch und Blut übergeht. Dann wird sich langsam auch in Ihnen etwas lösen.

Sr. Teresa Hieslmayr (43) ist Dominikanerin im Kloster Kirchberg am Wechsel. Die Psychotherapeutin und geistliche Begleiterin hat Germanistik und katholische Theologie studiert und ist seit vielen Jahren in der Caritas tätig. „Regelmäßige Meditations- und Gebetszeiten helfen dabei, gelassener zu werden“, sagt sie.

erschienen in Welt der Frauen 5/19 von Petra Klikovits (www.welt-der-frauen.at)