Sehnsucht nach Urlaub, aber …

Die Sehnsucht nach Pause, nach Urlaub ist groß. Oft zeigen sich schon starke körperliche Erschöpfungsanzeichen, die einen immer mehr in Richtung Auszeit drängen. Oft ist das eigene Verantwortungsgefühl oder die Angst es könnte in der Zeit etwas mit meinem zu Pflegenden passieren, noch viel größer. Nach jahrelanger Pflege haben viele auch irgendwie verlernt sich selbst etwas Gutes zu tun. „Zeit für mich ist doch egoistisch und ich bin gequält von Schuldgefühlen, wenn ich nur an ein paar Tage Auszeit denke.“

Fischen

Ein guter Bekannter, der schon jahrelang seine Frau pflegt erzählt mir:

Auf meine Frage wie es ihnen geht, sagt er: „Stell dir vor, ich hätte jetzt mit meinem Sohn für zwei Wochen nach Dänemark fahre können zum Fischen, aber meine Frau ist nicht bereit für diese Zeit ins Heim zur Kurzeitpflege zu gehen! Alles reden hat nichts genützt.“

„Manchmal fahre ich nach dem Essen zum Fischen zur Aist, und sie ruft mich nach einer Stunde oder spätestens eineinhalb Stunden an, ich soll nach Hause kommen, was ich dann auch tu, ich bring es nicht zusammen sie warten zu lassen!“

„Jetzt warte ich auf meinen Urenkel (wir stehen vor der Schule) er ist so gerne bei mir und macht mir sehr viel Freude! Meine Enkelin hat gesagt: „Opa nächstes Jahr fährst du, ganz gleich was ist!“ Schön wärs, wir werden ja sehen!“

Eine andere Bekannte, die ihren Mann pflegt erzählt mir:

„Mein Mann kommt jetzt für 4 Wochen nach Wilhering zur REHA und in dieser Zeit fahre ich für ein paar Tage zu meiner Tochter nach Deutschland, ich freue mich schon sehr darauf!“

Als ich sie wieder treffe, frage ich sie, wie es in Deutschland war?

Ihre Antwort war: “ Ich war nicht in Deutschland, ich bin jeden Tag zu meinen Mann gefahren, und da hat eine Schwester zu mir gesagt, wenn ich nicht da bin, ist mein Mann sehr unruhig. Also bin ich weiterhin jeden Tag zu ihm gefahren, habe ihn zu den Therapien begleitet und ihm Mittag Essen eingegeben!!!! Ich hatte sehr gehofft, dass sich sein Zustand bessert, leider war das nicht der Fall!“

Abstand vom Alltag gibt neue Kraft. Bleiben Sie dran und teilen Sie ihren Angehörigen offen ihr Bedürfnis nach Zeit für sich alleine mit und erlauben Sie es sich selbst. Wir bieten die Erholungstage an um betreuenden Angehörigen dieses Kraft tanken zu ermöglichen und unterstützen Sie gerne bei der Organisation.

Vielen lieben Dank an unsere ehrenamtliche Blogschreiberin Annemarie A. für diesen Beitrag.

Tagebucheintrag: Vergessliche Urgroßmutter und Urenkelin

Vielen lieben Dank für diesen erfrischenden Erfahrungsbericht einer anonymen Schreiberin. Es ist schön zu lesen, wie sich Jung und Alt annähern und gemeinsam lachen und es völlig egal ist, dass die Uroma Sachen vergisst.

Senirenehepaar

Meine Großmutter lebt zu Hause, ist dement und körperlich eingeschränkt. Mein Großvater und eine Haushaltshilfe, die kocht und putzt, betreuen sie.

Ich besuche meine Großmutter gerne mit meiner 4 jährigen Tochter. Beim Begrüßen sagt meine Großmutter liebevoll: „Ich bin deine Urlioma, brauchst dich nicht fürchten. Komm her, ich bin deine Urli und schauen wir uns ein Buch an.“ Währenddessen flüstere ich ihr den Namen meiner Tochter zu, da sie ihn nicht mehr weiß. Und sie strahlt über das ganze Gesicht, wenn meine Tochter nach kurzem Zögern zu ihr geht und sich aufs Bett setzt. Ich genieße es den beiden beim gemeinsamen Blödeln zu zusehen. Meistens ist das Buch nicht wichtig und sie machen Fingerspiele und Singen gemeinsam. Es ist schön zu sehen, welch Freude meine Großmutter hat, wenn sie alte Kinderlieder gemeinsam mit ihrer Urenkelin singen kann. Beim Verabschieden ist sie dann jedes Mal total glücklich, wenn sie einen Kuss auf die Wange bekommt.

Noten mit Vögel

Was ist ihre Geschichte? Schreiben Sie ein Mail an johanna.messmer@caritas-linz.at und wenn Sie wünschen, veröffentlichen wir Ihre ganz persönliche Geschichte in einem der nächsten Blogbeiträge anonym.

Tagebucheintrag: Was ist Ihre Geschichte?

Schreiben Sie uns Ihre Alltagsgeschichte, ganz egal ob lustig oder schwer. Es tut gut etwas zu teilen und sich von der Seele zu schreiben. Wir schätzen es sehr, wenn wir durch das Erzählen von Erfahrungen voneinander lernen können

Senirenehepaar

Stellen Sie sich folgende Fragen:

  • Was bewegt mich zurzeit?
  • Was ist das Schönste an der Pflege?
  • Was ist das das Schwerste? 
  • Was hat sich in der Beziehung geändert?
  • Wie war es als mein/e Liebste/r ins Pflegeheim gekommen ist?
  • Wie geht es mir im Laufe eines Tages?
  • Für was bin ich besonders dankbar?
  • Welchen Ausflug haben wir gemeinsam gemacht?
  • In welchen Situationen fühle ich mich alleine und bräuchte Unterstützung?
  • Welche Hilfe von außen hat mir geholfen?
  • ……..

Schreiben Sie ein Mail an johanna.messmer@caritas-linz.at und wenn Sie wünschen, veröffentlichen wir Ihre ganz persönliche Geschichte in einem der nächsten Blogbeiträge anonym.

 

 

 

Danke-Brief: PAULA veränderte mein Leben

Dieser Brief hat uns vor kurzem erreicht. Es ist schön und berührend zu lesen,  wie sich eine ausweglose Situation, in der die Mutter dement ist, verändert hat. Vielen herzlichen Dank für das Teilen mit uns und anderen pflegenden Angehörigen.

Hier ist der Link zur ganzen Geschichte: DANKBRIEF

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Was hat Ihnen in ihrer ausweglosen Situation geholfen? (Freunde, ein Kurs, Beratungen, ein Buch,…..) Schreiben Sie uns Ihre Geschichte und wenn gewünscht veröffentlichen wir sie gerne anonymisiert.

Manchmal kann eine Geschichte dazu Beitragen, dass sich viele Köpfe in eine Richtung drehen und sich was verändert. So wie in diesem Sonnenblumenfeld, die Blütenköpfe der Sonne folgen, wünsche ich mir, dass sich in der Pflege die Köpfe in Richtung Liebe und Verständnis ausrichten.

Sonnenblumenfeld

Hier finden sie die nächsten PAULA – Kurs – Termine für Angehörige von Demenzbetroffenen.

 

Ich habe es ihr doch versprochen…

Seerose

 Eine 55- jährige Frau schilderte vor kurzem folgenden inneren Konflikt:

„Als vor ein paar Jahren mein Vater ganz überraschend an einem Herzinfarkt verstarb, ist für meine Mutter eine Welt zusammengebrochen. Er hat sich um alles gekümmert, war eigentlich auch immer der fittere der beiden. Sie hat sich in allem auf ihn verlassen. Dann hat sie sich sehr an mich gehängt. Sie hat dann in der Folge ganz viel meine Nähe gesucht, was leicht war, weil wir in einem Haus wohnen. Da ich alleine bin und meine beiden Kinder schon erwachsen sind, habe ich das auch zugelassen, sie hat mir ziemlich leid getan. Und eines Tages hat sie mir das Versprechen abgerungen, dass ich sie nicht ins Heim abschiebe. Sie ist immer gebrechlicher geworden und jetzt hat sie sich beim letzten der vielen Stürze den Oberschenkelhals gebrochen. Im Krankenhaus haben sie mir geraten einen Heimplatz oder eine 24 Stundenbetreuung zu suchen. Für eine 24 Stundenbetreuung reicht das Geld nicht. Ich kann sie nicht betreuen, weil ich noch ein paar Jahre arbeiten muss. Ich habe große Angst und ein schlechtes Gewissen, wenn ich daran denke, ihr sagen zu müssen, dass sie ins Heim muss.“


Folgende Fragen und Überlegungen können hilfreich sein:

  • Die Dame hatte alle Verantwortung bezüglich der nächsten Zukunft der Mutter zu sich genommen, obwohl die Mutter noch ganz klar ist. Demnach muss die Mutter die Entscheidung treffen, was geschehen soll und nicht die Tochter. Mit der Mutter die notwendige Pflege und die nächsten Schritte zu überlegen, könnte zuerst ein Arzt, Mitarbeiterinnen der Pflege oder die Sozialarbeiterin übernehmen. Die Tochter kann der Mutter beistehen, muss aber auch die Grenze klar formulieren: „Ich kann nicht rund um die Uhr für dich da sein. Wenn ich jetzt zu arbeiten aufhören, sind die Abschläge zu groß!“ Sie muss der Mutter die Frage stellen: „Mama, wie soll es jetzt weitergehen?“
  • Den Betroffenen Menschen fällt es oft schwer sich der eigenen Gebrechlichkeit und den schwindenden Kräften zu stellen und sich vielleicht auch mit dem Abschied aus dem Leben zu konfrontieren. Die Übersiedelung in ein Heim führt die Hilfebedürftigkeit oft drastisch vor Augen, der man am liebsten ausweichen möchte.
  • Die Übersiedelung ins Heim ist nicht gleichbedeutend mit dem Ende der Beziehung. Die Tochter kann die Mutter nach wie vor unterstützen und für sie da sein – vielleicht sogar in freierer Weise.
  • Für die Tochter könnte es gut sein, der Mutter zu sagen, wie es ihr geht: dass sie auch traurig ist, zu sehen, wie es der Mutter geht, dass sie auch ratlos ist, wie es weitergehen kann, dass sie einen Konflikt hat zwischen Unterstützung der Mutter und Sorge um ihre eigene Zukunft (Sie verdient nicht so viel und ein frühzeitiges Ausscheiden aus dem Berufsleben würde sie in eine finanzielle Notlage bringen). Dies ist wichtig, weil die Mutter aufgrund des Beschäftigt-Seins mit ihrer Situation, das Wohl und auch die Sorgen der Tochter nicht sehen kann: Keine liebende Mutter will, dass die eigene Tochter in eine existentielle Notlage gerät und leidet. Auch das Versprechen kann hier Thema sein: Wie kam es zustande, was wurde darunter verstanden, wie weit reicht es, ist es erfüllbar?
  • So sehr auch die Tochter von der Traurigkeit, vielleicht auch Verzweiflung der Mutter betroffen ist, so ist auch klar, dass sie ihre Mutter den Weg der Bewältigung und Trauer gehen lassen muss und ihr diese letzte Lebensaufgabe nicht abnehmen kann.
  • Ein Blick auf die gemeinsame Beziehungsgeschichte und auf die bisherigen Bewältigungsstrategien der Mutter bei Herausforderungen und schwierigen Situation kann hilfreich sein: die Mutter hat die Verantwortung gerne an den Vater abgegeben, sie war eine sehr herzliche Frau, hat aber vor Problemen den Kopf eher in den Sand gesteckt.

 

 

 

BUCHTIPP: Sterbebegleitung

 

Sterbebegleitung meiner krebskanken Mutter

Im Buch  „Noch einmal schwimmen“ beschreibt die Autorin Monika Keck die Begleitung ihrer Mutter bis zum Tod warmherzig und authentisch.

Das Buch ist zugleich Erzählung und Ratgeber. Die gesamte Gefühlspalette von Trauer und Verzweiflung bis hinzu Freude und Hoffnung wird erlebbar.

Das Buch behandelt die Begleitung ihrer Mutter vom Beginn der Krebsdiagnose und der Entscheidung sie palliativ zu Hause zu versorgen bis zum Tod und der Zeit danach. Zwischen den ganz persönlichen Erzählungen gibt es viele konkrete Hilfestellungen und Tipps, die pflegende Angehörige während der Sterbebegleitung zu Hause bestärken und Ängste vor der Auseinandersetzung mit dem Thema Tod nehmen sollen.

Ich kann das Buch für alle die in einer ähnlichen Situation stecken oder beruflich damit zu tun haben wärmstens empfehlen. Das Buch ist gut verständlich und flüssig zu lesen. Die Tipps sind verbunden mit ihren eigenen Erfahrungen und lassen die Hilfestellungen lebendig und nachvollziehbar werden. Es ist  ein berührender und wertvoller Ratgeber für pflegende Angehörige, die diese mutige Entscheidung getroffen haben und ihre Liebsten zu Hause pflegen.

 

Pflegeheim – Was spricht dafür?

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Grundsätzlich ist die Entscheidung für einen Heimplatz meistens keine leichtfertige, außer der zu Betreuende entscheidet selbst. Aus Erfahrung weiß man, dass das nur selten passiert. Klar ist, die meisten möchte so lange als möglich in den eigenen vier Wänden bleiben. So lange es verantwortbar ist, sollte das auch geschehen. Meist ist dann eine Erkrankung oder ein Unfall der entscheidende Auslöser für die große Frage: Pflegeheim oder eine andere Form der rund um Betreuung.

Für pflegende Angehörige geht es auch um Verantwortung. Sie müssen sich fragen: „Will ich die Pflege übernehmen? Kann ich das aus physischen und psychischen Gründen und hab ich die Zeit und die Ressourcen ??“ Nicht jeder kann und will Pflege übernehmen, daraus kann niemandem ein Vorwurf gemacht werden.

Die Vorteile einer Pflege im Heim liegen klar auf der Hand Betreuung rund um die Uhr, Verpflegung, Gefahren sind verringert, Gemeinschaft wer will.

Fallbeispiel
Hr. A. 70 Jahre alt, lebt seit dem Tod der Mutter alleine in seinem alten Haus. Eigeninitiative war noch nie seine Stärke, außerdem fehlte das Kurzzeitgedächtnis immer mehr und der Alkohol tat das übrige dazu. Drei seiner Schwestern übernahmen die Betreuung und Organisation seines Lebens. Hr. A. lehnte anfangs eine Betreuungshilfe ab. Das ging nicht lange gut. Das Rote Kreuz wurde für die Körperpflege und Essen auf Räder organisiert. Da seine Geschwister im Umkreis von 10 km wohnten, waren die Nachbarn sehr wichtig. Immer wieder hat Hr. A. alle gegen einander ausgespielt, das war keine schöne Zeit. 10 Jahre ging das ganz gut. Nach einer schweren Erkrankung von Hr. A. war an alleine wohnen nicht mehr zu denken. Auch Hr. A. äußerte Bedenken und Ängste gegenüber den Geschwistern und Ärzten. Noch im Krankenhaus wurde mit dem Einverständnis von Hr. A. ein Heimantrag gestellt. Hr. A. lebt nun seit einem Jahr in einem Pflegeheim ganz in der Nähe seiner Geschwister .Nach anfänglichen Problemen ist es jetzt sein zu Hause. Für alle Beteiligten ist jetzt Ruhe eingekehrt-und das ist gut so.

Wir sind nicht nur Verantwortlich für das, was man tut ,sondern auch für das was man nicht tut. – wahrscheinlich Molière (1622- 1673)

Ein großes Dankeschön an unsere ehrenamtliche Blogschreiberin Hedwig Koller für diesen bereichernden Blogbeitrag.

Was denken sie persönlich über die Pflege und Betreuung im Heim, kommentieren sie und lassen sie andere an ihren Gedanken teilhaben?