Unterstützungsangebote für pflegende Angehörige: was gibt es, was wird gebraucht, welche Hindernisse treten bei der Inanspruchnahme auf?

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In Österreich reicht das Angebot an Unterstützungsangeboten für pflegende Angehörige von der stundenweisen Entlastung, über Gruppentreffen bzw. individueller Beratung bis hin zu Weiterbildungskursen. Gruppentreffen sind entweder mit oder ohne professioneller Leitung und haben oftmals unterschiedliche thematische Ausrichtungen: pflegende Ehemänner, Kinder die ihre Eltern pflegen, Trauer, etc. Treffpunkte in Oberösterreich

Weiterbildungskurse kann man unter anderem besuchen, um eine Einführung in die Aromatherapie, Tipps im Umgang mit Demenzkranken oder Informationen zur Patientenverfügung zu erhalten. Veranstaltungen in Oberösterreich

Individuelle Beratung kann rein zur Informationsvermittlung in Anspruch genommen oder aber auch zur psychosozialen Unterstützung genutzt werden. Beratung in Oberösterreich

Trotz des vorhandenen Angebots werden diese Dienstleistungen nicht ausreichend in Anspruch genommen. Die Gründe dafür sind vielschichtig – hier ein Auszug:

Zeit – Obwohl es hier schon zu deutlichen Verbesserungen in den letzten Jahren gekommen ist (z.B.: Inanspruchnahme von Beratung auch in den Abendstunden), ist das zeitliche „Freischaufeln“ immer noch eine Herausforderung für pflegende Angehörige.

Mobilität – Bei den meisten Unterstützungsangeboten müssen pflegende Angehörige in die Büroräumlichkeiten der anbietenden Organisation kommen. Oftmals gestaltet sich aber auch das (und vor allem in Kombination mit dem Zeitfaktor) als schwierig, weil die zu pflegende Person nicht alleine gelassen bzw. kein Ersatz für die Beaufsichtigung gefunden werden kann. Auch hier gibt es schon vereinzelt Angebote, die diese Umstände berücksichtigen und Besuche bei den pflegenden Angehörigen daheim anbieten. Beratung zuhause

Fehlende Information – Es wird versucht, die Information über verfügbare Unterstützungsangebote über verschiedenste Kanäle zu verbreiten. Am effektivsten funktionieren dabei Mundpropaganda durch Bekannte und Verwandte, aber auch durch Hausärzte, Heimhilfen, Physiotherapeuten, etc. Eine immer wichtiger werdende Rolle nimmt dabei auch das Internet als erste Anlaufstelle für die Informationssuche ein. Trotzdem bleibt die Herausforderung, die passende Information an die betroffenen Personen zum richtigen Zeitpunkt zu bringen.

Scham – Pflegender Angehöriger zu sein bzw. jemanden zu pflegen ist in unserer Gesellschaft leider immer noch ein Thema, über das man nicht (gerne) spricht. Man schämt sich mit Fremden über seine Probleme zu reden und Hilfe anzunehmen. Dabei kann eine außenstehende Person, die die (Pflege)situation als Unbeteiligter betrachtet und einschätzt, viele hilfreiche Tipps geben.

Aber wie können diese Hürden bei der Inanspruchnahme beseitigt werden und sich die Zukunft der Unterstützungsangebote für pflegende Angehörige in Österreich gestalten?

  • Angebote der stundenweisen Entlastung erhöhen und tageszeitlich erweitern, um pflegenden Angehörigen auch abendliche Aktivitäten zu ermöglichen.
  • Mehr „Kombinationen von Dienstleistungen“: Pflegende Angehörige besuchen beispielsweise einen Weiterbildungskurs und gleichzeitig wird sich auch um die pflegebedürftige Person von Seiten der anbietenden Organisation gekümmert. Entlastung bei Demenz
  • (Teilweise) Kostenübernahme bzw. entsprechende Fördertöpfe anbieten. Entlastung bei Demenz
  • Motivation von Freiwilligen für den Bereich der Unterstützungsarbeit.
  • Zentralen Anlaufpunkt anbieten, wo jegliche Belange aus dem Bereich der familiären Pflege angesprochen werden können und eine entsprechende Informations- bzw. Weitervermittlung an passende Stellen erfolgt.
  • Gesamtes Unterstützungsangebot regelmäßig mit den Bedürfnissen der pflegenden Angehörigen abgleichen bzw. bei Bedarf anpassen.
  • Potential von Computer und Internet bei der Unterstützung von pflegenden Angehörigen nutzen. Online-Beratung

 

Sie wünschen sich andere Unterstützungsangebote?

Dann machen Sie bei der wissenschaftlichen Studie zum Thema „Unterstützungsangebote für pflegende Angehörige“ Frau Hensely-Schinkinger durch die Beantwortung des Fragebogens mit! Die Daten werden selbstverständlich vertraulich behandelt: Teilnahme wissenschaftliche Studie Unterstützungsangebote

 

Weiterführende Literatur bei Interesse:

Barbabella, F., Lamura, G., Schmidt, A. E. (2013). „Potenzial und Verbreitung von IKT zur Unterstützung pflegender Angehöriger“, Soziale Sicherheit CHSS, Schweiz.

Hensely-Schinkinger, S. (2015) “Support Services for Informal Caregivers: First Results of Expert Interviews with Providers in the City of Vienna”, In 13th AAATE Conference, 9-12 September, Budapest, Hungary.

Hensely-Schinkinger, S. (2016) “Support Services for Informal Caregivers: Survey with Providers in Austria”, In 15th International Conference on Computers Helping People with Special Needs, 13-15 July, University of Linz, Austria.

Lamura, G., Mnich, E., Wojszel, B., Nolan, M., Krevers, B., Mestheneos, L., Döhner, H. (2006) „Erfahrungen von pflegenden Angehörigen älterer Menschen in Europa bei der Inanspruchnahme von Unterstützungsleistungen“, Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie 39, 429-442.

Lopez-Hartmann, M., Wens, J., Verhoeven, V., Remmen, R. (2012) „The effect of caregiver support interventions for informal caregivers of community-dwelling frail elderly: a systematic review“, International journal of integrated care, 12(5).

Pochobradsky, E., Bergmann, F., Brix-Samoylenko, H., Erfkamp, H., Laub, R. (2005) „Situation pflegender Angehöriger“, Österreichisches Bundesinstitut für Gesundheitswesen (ÖBIG), Vienna.

Schalek, K., Boschert, S. (2013) „Wissenswertes für pflegende Angehörige“, Caritas Österreich, Vienna.

Schneider, U., Trukeschitz, B., Mühlmann, R., Jung, R., Ponocny, I., Katzlinger, M., Österle, A. (2009) „Wiener Studie zur informellen Pflege und Betreuung älterer Menschen 2008 (Vienna Informal Carer Study – VIC2008)“, Forschungsinstitut für Altersökonomie der Wirtschaftsuniversität, Vienna.

Stewart, J. (2012) „ICT’s for informal care givers“, Gerontechnology 11(2): 392.

Winkler, I., Kilian, R., Matschinger, H., Angermeyer, M.C. (2006) „Lebensqualität älterer pflegender Angehöriger von Demenzkranken“, Zeitschrift für Geronotpsychologie & -psychiatrie 19, 17-24.

 

„Das Lachen ist der Hoffnung letzte Waffe …“: Erfahrungsberichte+Texte

In einer Gesprächsgruppe für betreuende und pflegende Angehörige ist das Behalten von Humor und Hoffnung- trotz schwerer Erkrankung ihrer Angehörigen“  Thema. Gedanken, die in ähnlicher Form wahrscheinlich viele betreuende und pflegende Angehörige kennen:

Frau A., pflegende Angehörige ihres an Demenz-erkrankten Gatten äußert folgende Schwierigkeit in ihrem Alltag: „An manchen Tagen ist das Befinden meines Mannes besser, die Symptome weniger stark ausgeprägt. Ich bin dann erleichtert und hoffe darauf, dass es öfter solche Tage gibt, aber darf ich überhaupt hoffen, wenn mein Mann an einer sich verschlechternden Krankheit, wie einer Demenz leidet?“ Außerdem ertappe ich mich öfters dabei, dass ich mich maßregle, wenn ich kurze Momente der Freude empfinde, weil ich doch keine Freude empfinden sollte, wenn es meinem Mann so schlecht geht“.

Frau R., betreuende Angehörige ihrer Mutter ergänzt: „das kenne ich. Ich empfinde fast so etwas wie ein schlechtes Gewissen, wenn ich Spaß empfinde und mich wohl fühle. Aber muss ich wirklich mit meiner Mutter mitleiden, darf ich nicht trotz alledem schöne Dinge erleben und genießen?“

Frau T., pflegende Angehörige ihres pflegebedürftigen Gatten, fasst zusammen: „Das kenne ich auch. Ich fühle mich so verbunden mit meinem Mann, wie darf ich überhaupt froh sein und Freude empfinden, wenn er so leidet“

Zu diesem Thema möchte ich Ihnen heute einen Text vorstellen, der die Bedeutsamkeit der Hoffnung als Grundhaltung im Leben und in der Betreuung herausstreicht.

Mit dem Blick der Hoffnung

Hoffnung kann ein Gefühl sein – das leider oft genau dann verschwindet, wenn es mir schlecht geht.

Hoffnung ist aber auch eine Grundhaltung, für die ich mich bewusst entscheiden kann.

Es liegt an mir, worauf ich meinen Blick richte: nur auf Frustrierendes, Beängstigendes oder auch – besonders – auf  Gelingendes – Ermutigendes.

Es lohnt sich Hoffnungszeichen im eigenen Leben wahrzunehmen, ja zu sammeln – als Sonnenstrahlen für die Seele.

Hoffnung richtet auf, schenkt neue Perspektiven, weitet das Herz.

Gottes Zusage: „ Ich bin da, wo du bist“, schenkt mir Hoffnungdie mich auch in schweren Zeiten trägt und hält.

Sr. M. Huberta Rohrmoser, Marienschwester vom Karmel

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Foto: privat

 

Hoffnung, Humor und Freude haben in der Betreuung und Pflege von Angehörigen mit allen Herausforderungen aber auch Erfahrungen Berechtigung. Das Gefühl von Hoffnung und Humor sollte nicht verloren gehen- es sollte sogar gefördert werden. Denn:

 Wo Lachen und Hoffnung verschwunden sind, da hat der Mensch aufgehört, Mensch zu sein.“ (Harvey Cox)

 

Treffpunkte für pflegende Angehörige: ein Platz zum Austauschen, Auftanken und Wissen aneignen

Pflegende Angehörige gelangen mit der übernommenen Betreuungsaufgabe oft bis an die Grenzen ihrer Kraft. Es ist daher gerade in einer Pflegesituation wichtig, auch auf die eigene Befindlichkeit zu achten.

In den Treffpunkten geben GruppenleiterInnen Informationen und Tipps, die im Betreuungsalltag entlasten und unterstützen. Wichtig wird auch der Erfahrungsaustausch und das Verständnis der Angehörigen untereinander erlebt sowie das Zusammengehörigkeitsgefühl und die gegenseitige Ermutigung, die wie Nahrung für die Seele ist. Unter der Leitung kompetenter TreffpunktleiterInnen finden in vielen Orten Oberösterreichs einmal im Monat Treffpunkte der Caritas für pflegende Angehörige statt.

serie_volksblatt_treffpunktNähere Informationen zu unseren Treffpunkten und den Terminen in Ihrer Nähe finden Sie unter: www.caritas-linz.at/hilfe-angebote/service-fuer-pflegende-angehoerige/treffpunkte/

„Mama, wie hältst du das aus?“

20141130_094930HAAG. Wenn ein 87-jähriger Mann nachts nach seiner Mutter ruft, wenn der schwer an Demenz Erkrankte im Haus herumgeistert, wenn der Tagesablauf komplett nach seinen Bedürfnissen ausgerichtet wird und es keine Privatsphäre mehr gibt  – wie hält man das als pflegender Angehöriger aus?

Solche und ähnliche Situationen kennt Elfi Stichlberger bestens. Sie leitet gemeinsam mit ihrer Kollegin Barbara Arminger seit Jänner 2012 den Caritas-Treffpunkt für pflegende Angehörige in Haag. Einmal im Monat treffen sich hier Menschen, um über ihre Lebenssituation zu sprechen, sich auszutauschen, Tipps zu holen, gemeinsam zu lachen und manchmal auch zu weinen.

Eine Teilnehmerin – sie möchte anonym bleiben – pflegt seit fünf Jahren ihren an Demenz erkrankten Schwiegervater. Gerade als ihre Kinder die Ausbildung abgeschlossen hatten und sich die Kinderbetreuungszeit dem Ende zu neigte, wurde aus dem „Besuchsopa“ von einem Tag auf den anderen ein „Dauergast“. Es war eine Umstellung für die ganze Familie, doch die Hauptlast trug und trägt die Schwiegertochter. Mittlerweile ist sie selbst Großmutter. „Leider habe ich für meine Enkel viel zu wenig Zeit“, sagt sie nachdenklich. „Meine Kinder nehmen Rücksicht, weil sie wissen, wie kräfteraubend die Pflege ist, doch die Zeit mit den Kleinen kann ich nie wieder aufholen.“

Auch kann der 87-Jährige nicht mehr alleine gelassen werden. „Man weiß nie, was ihm einfällt. Manchmal möchte er Most holen, oder er spaziert einfach zur Tür hinaus und findet nicht mehr zurück, “ so die Schwiegertochter. Dazu kommt, dass durch die Demenz keine Gespräche mehr möglich sind. Besonders für ihren Mann ist es schwer, wenn der eigene Vater fragt: „Wer bist denn du?“.

Ihr Freundeskreis ist in den letzten Jahren sehr klein geworden, weil die Zeit zur Pflege der Freundschaft fehlt und es die Situation meist auch nur schwer zulässt. „Niemand, der nicht in dieser Situation steckt, kann nachempfinden, was das bedeutet“, weiß Elfriede Stichlberger aus Erfahrung. „Zu Hause gibt es kein ungestörtes Treffen, weil der Schwiegervater natürlich immer da ist, und aus dem Haus zu gehen bedeutet jede Menge Organisation. Da muss man öfter Einladungen absagen, und irgendwann fragt dich keiner mehr“, bestätigt die Schwiegertochter.

Wie sie es trotzdem schafft? Mit Unterstützung – durch Tagesbetreuung, mobile Pflegedienste und die Caritas-Treffpunkte für pflegende Angehörige. „Diese Treffpunkte haben mir am meisten geholfen. Mich hat ja niemand verstanden, nicht einmal mein Mann. Es hieß immer: ‚Er ist ja eh so brav, stell dich nicht so an. ‘ Beim Treffpunkt endlich wurde ich verstanden – und ich habe hier einen neuen Freundeskreis dazugewonnen.“ Dass sie ihr Leben durch den Opa umstellen und gewissermaßen entschleunigen musste, empfindet sie aus einer anderen Perspektive als sehr wertvoll. „Ich war zuvor immer in Eile, doch damit kommt man bei einem Demenzkranken nicht weit“, erzählt sie.

Informationen zu weiteren Treffpunkten und Angeboten für pflegende Angehörige
der Caritas Servicestelle Pflegende Angehörige finden Sie unter:
www.pflegende-angehoerige.or.at

Einladung zum Vortrag “Angehörige pflegen und gesund bleiben”

bernhardEin Vortrag für betreuende und pflegende Angehörige sowie für Interessierte

Termin: Mittwoch, 9. September 2015,18:30 Uhr
Ort: Tageszentrum Dornach/Auhof, Sombartstraße 1-5, 4040 Linz

Referent: Dr. Bernhard Lang, 30 Jahre Landarzt im Mühlviertel; seit 15 Jahren Leiter eines Stammtisches für pflegende Angehörige; Biobauer; Märchenerzähler in Ausbildung

Die Pflege von Angehörigen kann für Körper, Geist und Seele eine große Belastung darstellen. Dies hat Dr. Bernhard Lang durch persönliche Erfahrung in der Familie selbst erlebt, und er kennt es aus seiner Tätigkeit als Hausarzt und Stammtischleiter für pflegende Angehörige.

Nach dem Vortrag gibt es die Möglichkeit, mit Dr. Lang persönlich ins Gespräch zu kommen und die Treffpunktleiterin vom Treffpunkt für pflegende Angehörige im Tageszentrum Dornach/Auhof, Julia Wiesenhofer, kennen zu lernen.

Eintritt frei, freiwillige Spenden erbeten!

Information:
Servicestelle für pflegende Angehörige
Betlehemstraße 56-58, 4020 Linz
Tel.: 0676 / 8776 2447
julia.wiesenhofer@caritas-linz.at

Einladung zum Vortrag „Angehörige pflegen und gesund bleiben“

bernhardEin Vortrag für betreuende und pflegende Angehörige sowie für Interessierte

Termin: Mittwoch, 9. September 2015,
18:30 Uhr
Ort: Tageszentrum Dornach/Auhof, Sombartstraße 1-5, 4040 Linz

Referent: Dr. Bernhard Lang, 30 Jahre Landarzt im Mühlviertel; seit 15 Jahren Leiter eines Stammtisches für pflegende Angehörige; Biobauer; Märchenerzähler in Ausbildung

Die Pflege von Angehörigen kann für Körper, Geist und Seele eine große Belastung darstellen. Dies hat Dr. Bernhard Lang durch persönliche Erfahrung in der Familie selbst erlebt, und er kennt es aus seiner Tätigkeit als Hausarzt und Stammtischleiter für pflegende Angehörige.

Nach dem Vortrag gibt es die Möglichkeit, mit Dr. Lang persönlich ins Gespräch zu kommen und die Treffpunktleiterin vom Treffpunkt für pflegende Angehörige im Tageszentrum Dornach/Auhof, Julia Wiesenhofer, kennen zu lernen.

Eintritt frei, freiwillige Spenden erbeten!

Information:
Servicestelle für pflegende Angehörige
Betlehemstraße 56-58, 4020 Linz
Tel.: 0676 / 8776 2447
julia.wiesenhofer@caritas-linz.at

Mein „Pflegemarathon“

Foto Christine

Christine Gallistl, Treffpunkt-Leiterin und langjährige Pflegende Angehörige

Treffpunkte für pflegende Angehörige – Orte zum Austausch und zur gegenseitigen Stärkung

Mein erster Pflegefall war mein Schwiegervater, der im Jahr 2005 an Lungenkrebs erkrankte und zwei Jahre bis zum Tod von meiner Schwiegermutter und mir betreut wurde.

Im Jahr 2006 erkrankte meine Pflegemutter und kam nach einem längeren Spitalsaufenthalt ebenfalls zu uns in Haus. Diese Pflege war sehr intensiv, dauerte eineinhalb Jahre und kostete enorm viel Kraft. Auch sie starb bei uns zu Hause.
Zeitgleich erkrankte auch meine Schwiegermutter an der Lunge. Das war eine schwere Zeit, ich hatte zwei Patienten und funktionierte nur noch.

Bis vor kurzem pflegte ich meine Schwiegermutter, sie starb an Krebs. Jeden Tag schwand ein Teil ihrer Selbständigkeit, sie war bettlägerig und rund um die Uhr zu betreuen. Auch diese Pflege fordert meine ganze Energie. Das eigene Leben wird nach hinten gestellt.

Wir wurden von verschiedenen Einrichtungen unterstützt: Caritas Hospiz,  Rotes Kreuz – Altenpflege und Heimhilfe. Bei den Treffpunkten für pflegende Angehörige kann ich Kraft tanken.

Treffpunkt für pflegende und betreuende Angehörige
Den Treffpunkt für pflegende Angehörige besuche ich seit 9 Jahren, als mein Schwiegervater an Krebs erkrankte. Ich fühlte mich gleich wohl in der Runde. Was es heißt, einen Angehörigen zupflegen, versteht nur, wer selbst in dieser besonderen Situation ist.

Information, Erfahrungsaustausch, Hilfe für die Seele
Diese Einrichtung ist enorm wichtig zum Erfahrungsaustausch, sich Informationen und Tipps zu holen, man lernt viel aus der Praxis voneinander. Bei den monatlichen Treffpunkten kann man sich fallen lassen, bei Gesprächen das Herz ausschütten, andere Teilnehmer aufbauen und neue Kraft tanken. Es hat einfach alles Platz in der angenehmen Atmosphäre – wir lachen, weinen und fühlen mit den Anderen mit, wenn sie ihre Erlebnisse in der Pflege erzählen. Ohne diese Treffen würde mir etwas fehlen, man geht erleichtert nach Hause.

Leitung des Treffpunktes für pflegende und betreuende Angehörige
Mit meiner Kollegin Renate Kneidinger leite ich seit 2013 den Treffpunkt für pflegende und betreuende Angehörige in Helfenberg.
Derzeit begleiten wir eine Gruppe von 8 – 10 Personen und treffen uns von September bis Juni einmal im Monat. Gerne organisieren wir für unsere Teilnehmer Informationsabende mit Fachreferenten, Kurse und Seminare. Wir geben neue Informationen von verschiedenen Einrichtungen betreffend Unterstützung und Entlastung in der Pflege weiter.  Besonders weisen wir auch darauf hin, dass wir unsere Seele pflegen müssen. Auszeiten – wie die Erholungstage der Caritas oder die Maßnahme „ANNA“ von der GKK können wir sehr empfehlen. Wir wollen Anlaufstelle für Menschen in einer ganz besonderen Situation sein. Der Schwerpunkt unserer Treffen sind die Gespräche in angenehmer und vertraulicher Atmosphäre. Jede Teilnehmerin (meistens ist die Pflege „weiblich“) kann ihre Erfahrungen und Sorgen in der Pflege mitteilen, wir geben Ratschläge, trösten und bauen wieder auf, wenn alles zu viel wird. Es tut einfach der Seele gut, wenn man sein Herz ausschütten kann und verstanden wird.

Text: Christine Gallistl, wohnhaft in der Gemeinde Schönegg im schönen Mühlviertel
Seit neun Jahren intensive Pflege von Angehörigen.

Mehr zu den Treffpunkt-Angeboten (Gesprächsgruppen für Pflegende Angehörige) in Oberösterreich erfahren Sie unter www.pflegende-angehoerige.or.at/treffpunkte/