„Das Lachen ist der Hoffnung letzte Waffe …“: Erfahrungsberichte+Texte

In einer Gesprächsgruppe für betreuende und pflegende Angehörige ist das Behalten von Humor und Hoffnung- trotz schwerer Erkrankung ihrer Angehörigen“  Thema. Gedanken, die in ähnlicher Form wahrscheinlich viele betreuende und pflegende Angehörige kennen:

Frau A., pflegende Angehörige ihres an Demenz-erkrankten Gatten äußert folgende Schwierigkeit in ihrem Alltag: „An manchen Tagen ist das Befinden meines Mannes besser, die Symptome weniger stark ausgeprägt. Ich bin dann erleichtert und hoffe darauf, dass es öfter solche Tage gibt, aber darf ich überhaupt hoffen, wenn mein Mann an einer sich verschlechternden Krankheit, wie einer Demenz leidet?“ Außerdem ertappe ich mich öfters dabei, dass ich mich maßregle, wenn ich kurze Momente der Freude empfinde, weil ich doch keine Freude empfinden sollte, wenn es meinem Mann so schlecht geht“.

Frau R., betreuende Angehörige ihrer Mutter ergänzt: „das kenne ich. Ich empfinde fast so etwas wie ein schlechtes Gewissen, wenn ich Spaß empfinde und mich wohl fühle. Aber muss ich wirklich mit meiner Mutter mitleiden, darf ich nicht trotz alledem schöne Dinge erleben und genießen?“

Frau T., pflegende Angehörige ihres pflegebedürftigen Gatten, fasst zusammen: „Das kenne ich auch. Ich fühle mich so verbunden mit meinem Mann, wie darf ich überhaupt froh sein und Freude empfinden, wenn er so leidet“

Zu diesem Thema möchte ich Ihnen heute einen Text vorstellen, der die Bedeutsamkeit der Hoffnung als Grundhaltung im Leben und in der Betreuung herausstreicht.

Mit dem Blick der Hoffnung

Hoffnung kann ein Gefühl sein – das leider oft genau dann verschwindet, wenn es mir schlecht geht.

Hoffnung ist aber auch eine Grundhaltung, für die ich mich bewusst entscheiden kann.

Es liegt an mir, worauf ich meinen Blick richte: nur auf Frustrierendes, Beängstigendes oder auch – besonders – auf  Gelingendes – Ermutigendes.

Es lohnt sich Hoffnungszeichen im eigenen Leben wahrzunehmen, ja zu sammeln – als Sonnenstrahlen für die Seele.

Hoffnung richtet auf, schenkt neue Perspektiven, weitet das Herz.

Gottes Zusage: „ Ich bin da, wo du bist“, schenkt mir Hoffnungdie mich auch in schweren Zeiten trägt und hält.

Sr. M. Huberta Rohrmoser, Marienschwester vom Karmel

bild-humor

Foto: privat

 

Hoffnung, Humor und Freude haben in der Betreuung und Pflege von Angehörigen mit allen Herausforderungen aber auch Erfahrungen Berechtigung. Das Gefühl von Hoffnung und Humor sollte nicht verloren gehen- es sollte sogar gefördert werden. Denn:

 Wo Lachen und Hoffnung verschwunden sind, da hat der Mensch aufgehört, Mensch zu sein.“ (Harvey Cox)

 

Treffpunkte für pflegende Angehörige: ein Platz zum Austauschen, Auftanken und Wissen aneignen

Pflegende Angehörige gelangen mit der übernommenen Betreuungsaufgabe oft bis an die Grenzen ihrer Kraft. Es ist daher gerade in einer Pflegesituation wichtig, auch auf die eigene Befindlichkeit zu achten.

In den Treffpunkten geben GruppenleiterInnen Informationen und Tipps, die im Betreuungsalltag entlasten und unterstützen. Wichtig wird auch der Erfahrungsaustausch und das Verständnis der Angehörigen untereinander erlebt sowie das Zusammengehörigkeitsgefühl und die gegenseitige Ermutigung, die wie Nahrung für die Seele ist. Unter der Leitung kompetenter TreffpunktleiterInnen finden in vielen Orten Oberösterreichs einmal im Monat Treffpunkte der Caritas für pflegende Angehörige statt.

serie_volksblatt_treffpunktNähere Informationen zu unseren Treffpunkten und den Terminen in Ihrer Nähe finden Sie unter: www.caritas-linz.at/hilfe-angebote/service-fuer-pflegende-angehoerige/treffpunkte/

„Mama, wie hältst du das aus?“

20141130_094930HAAG. Wenn ein 87-jähriger Mann nachts nach seiner Mutter ruft, wenn der schwer an Demenz Erkrankte im Haus herumgeistert, wenn der Tagesablauf komplett nach seinen Bedürfnissen ausgerichtet wird und es keine Privatsphäre mehr gibt  – wie hält man das als pflegender Angehöriger aus?

Solche und ähnliche Situationen kennt Elfi Stichlberger bestens. Sie leitet gemeinsam mit ihrer Kollegin Barbara Arminger seit Jänner 2012 den Caritas-Treffpunkt für pflegende Angehörige in Haag. Einmal im Monat treffen sich hier Menschen, um über ihre Lebenssituation zu sprechen, sich auszutauschen, Tipps zu holen, gemeinsam zu lachen und manchmal auch zu weinen.

Eine Teilnehmerin – sie möchte anonym bleiben – pflegt seit fünf Jahren ihren an Demenz erkrankten Schwiegervater. Gerade als ihre Kinder die Ausbildung abgeschlossen hatten und sich die Kinderbetreuungszeit dem Ende zu neigte, wurde aus dem „Besuchsopa“ von einem Tag auf den anderen ein „Dauergast“. Es war eine Umstellung für die ganze Familie, doch die Hauptlast trug und trägt die Schwiegertochter. Mittlerweile ist sie selbst Großmutter. „Leider habe ich für meine Enkel viel zu wenig Zeit“, sagt sie nachdenklich. „Meine Kinder nehmen Rücksicht, weil sie wissen, wie kräfteraubend die Pflege ist, doch die Zeit mit den Kleinen kann ich nie wieder aufholen.“

Auch kann der 87-Jährige nicht mehr alleine gelassen werden. „Man weiß nie, was ihm einfällt. Manchmal möchte er Most holen, oder er spaziert einfach zur Tür hinaus und findet nicht mehr zurück, “ so die Schwiegertochter. Dazu kommt, dass durch die Demenz keine Gespräche mehr möglich sind. Besonders für ihren Mann ist es schwer, wenn der eigene Vater fragt: „Wer bist denn du?“.

Ihr Freundeskreis ist in den letzten Jahren sehr klein geworden, weil die Zeit zur Pflege der Freundschaft fehlt und es die Situation meist auch nur schwer zulässt. „Niemand, der nicht in dieser Situation steckt, kann nachempfinden, was das bedeutet“, weiß Elfriede Stichlberger aus Erfahrung. „Zu Hause gibt es kein ungestörtes Treffen, weil der Schwiegervater natürlich immer da ist, und aus dem Haus zu gehen bedeutet jede Menge Organisation. Da muss man öfter Einladungen absagen, und irgendwann fragt dich keiner mehr“, bestätigt die Schwiegertochter.

Wie sie es trotzdem schafft? Mit Unterstützung – durch Tagesbetreuung, mobile Pflegedienste und die Caritas-Treffpunkte für pflegende Angehörige. „Diese Treffpunkte haben mir am meisten geholfen. Mich hat ja niemand verstanden, nicht einmal mein Mann. Es hieß immer: ‚Er ist ja eh so brav, stell dich nicht so an. ‘ Beim Treffpunkt endlich wurde ich verstanden – und ich habe hier einen neuen Freundeskreis dazugewonnen.“ Dass sie ihr Leben durch den Opa umstellen und gewissermaßen entschleunigen musste, empfindet sie aus einer anderen Perspektive als sehr wertvoll. „Ich war zuvor immer in Eile, doch damit kommt man bei einem Demenzkranken nicht weit“, erzählt sie.

Informationen zu weiteren Treffpunkten und Angeboten für pflegende Angehörige
der Caritas Servicestelle Pflegende Angehörige finden Sie unter:
www.pflegende-angehoerige.or.at

Einladung zum Vortrag “Angehörige pflegen und gesund bleiben”

bernhardEin Vortrag für betreuende und pflegende Angehörige sowie für Interessierte

Termin: Mittwoch, 9. September 2015,18:30 Uhr
Ort: Tageszentrum Dornach/Auhof, Sombartstraße 1-5, 4040 Linz

Referent: Dr. Bernhard Lang, 30 Jahre Landarzt im Mühlviertel; seit 15 Jahren Leiter eines Stammtisches für pflegende Angehörige; Biobauer; Märchenerzähler in Ausbildung

Die Pflege von Angehörigen kann für Körper, Geist und Seele eine große Belastung darstellen. Dies hat Dr. Bernhard Lang durch persönliche Erfahrung in der Familie selbst erlebt, und er kennt es aus seiner Tätigkeit als Hausarzt und Stammtischleiter für pflegende Angehörige.

Nach dem Vortrag gibt es die Möglichkeit, mit Dr. Lang persönlich ins Gespräch zu kommen und die Treffpunktleiterin vom Treffpunkt für pflegende Angehörige im Tageszentrum Dornach/Auhof, Julia Wiesenhofer, kennen zu lernen.

Eintritt frei, freiwillige Spenden erbeten!

Information:
Servicestelle für pflegende Angehörige
Betlehemstraße 56-58, 4020 Linz
Tel.: 0676 / 8776 2447
julia.wiesenhofer@caritas-linz.at

Einladung zum Vortrag „Angehörige pflegen und gesund bleiben“

bernhardEin Vortrag für betreuende und pflegende Angehörige sowie für Interessierte

Termin: Mittwoch, 9. September 2015,
18:30 Uhr
Ort: Tageszentrum Dornach/Auhof, Sombartstraße 1-5, 4040 Linz

Referent: Dr. Bernhard Lang, 30 Jahre Landarzt im Mühlviertel; seit 15 Jahren Leiter eines Stammtisches für pflegende Angehörige; Biobauer; Märchenerzähler in Ausbildung

Die Pflege von Angehörigen kann für Körper, Geist und Seele eine große Belastung darstellen. Dies hat Dr. Bernhard Lang durch persönliche Erfahrung in der Familie selbst erlebt, und er kennt es aus seiner Tätigkeit als Hausarzt und Stammtischleiter für pflegende Angehörige.

Nach dem Vortrag gibt es die Möglichkeit, mit Dr. Lang persönlich ins Gespräch zu kommen und die Treffpunktleiterin vom Treffpunkt für pflegende Angehörige im Tageszentrum Dornach/Auhof, Julia Wiesenhofer, kennen zu lernen.

Eintritt frei, freiwillige Spenden erbeten!

Information:
Servicestelle für pflegende Angehörige
Betlehemstraße 56-58, 4020 Linz
Tel.: 0676 / 8776 2447
julia.wiesenhofer@caritas-linz.at

Mein „Pflegemarathon“

Foto Christine

Christine Gallistl, Treffpunkt-Leiterin und langjährige Pflegende Angehörige

Treffpunkte für pflegende Angehörige – Orte zum Austausch und zur gegenseitigen Stärkung

Mein erster Pflegefall war mein Schwiegervater, der im Jahr 2005 an Lungenkrebs erkrankte und zwei Jahre bis zum Tod von meiner Schwiegermutter und mir betreut wurde.

Im Jahr 2006 erkrankte meine Pflegemutter und kam nach einem längeren Spitalsaufenthalt ebenfalls zu uns in Haus. Diese Pflege war sehr intensiv, dauerte eineinhalb Jahre und kostete enorm viel Kraft. Auch sie starb bei uns zu Hause.
Zeitgleich erkrankte auch meine Schwiegermutter an der Lunge. Das war eine schwere Zeit, ich hatte zwei Patienten und funktionierte nur noch.

Bis vor kurzem pflegte ich meine Schwiegermutter, sie starb an Krebs. Jeden Tag schwand ein Teil ihrer Selbständigkeit, sie war bettlägerig und rund um die Uhr zu betreuen. Auch diese Pflege fordert meine ganze Energie. Das eigene Leben wird nach hinten gestellt.

Wir wurden von verschiedenen Einrichtungen unterstützt: Caritas Hospiz,  Rotes Kreuz – Altenpflege und Heimhilfe. Bei den Treffpunkten für pflegende Angehörige kann ich Kraft tanken.

Treffpunkt für pflegende und betreuende Angehörige
Den Treffpunkt für pflegende Angehörige besuche ich seit 9 Jahren, als mein Schwiegervater an Krebs erkrankte. Ich fühlte mich gleich wohl in der Runde. Was es heißt, einen Angehörigen zupflegen, versteht nur, wer selbst in dieser besonderen Situation ist.

Information, Erfahrungsaustausch, Hilfe für die Seele
Diese Einrichtung ist enorm wichtig zum Erfahrungsaustausch, sich Informationen und Tipps zu holen, man lernt viel aus der Praxis voneinander. Bei den monatlichen Treffpunkten kann man sich fallen lassen, bei Gesprächen das Herz ausschütten, andere Teilnehmer aufbauen und neue Kraft tanken. Es hat einfach alles Platz in der angenehmen Atmosphäre – wir lachen, weinen und fühlen mit den Anderen mit, wenn sie ihre Erlebnisse in der Pflege erzählen. Ohne diese Treffen würde mir etwas fehlen, man geht erleichtert nach Hause.

Leitung des Treffpunktes für pflegende und betreuende Angehörige
Mit meiner Kollegin Renate Kneidinger leite ich seit 2013 den Treffpunkt für pflegende und betreuende Angehörige in Helfenberg.
Derzeit begleiten wir eine Gruppe von 8 – 10 Personen und treffen uns von September bis Juni einmal im Monat. Gerne organisieren wir für unsere Teilnehmer Informationsabende mit Fachreferenten, Kurse und Seminare. Wir geben neue Informationen von verschiedenen Einrichtungen betreffend Unterstützung und Entlastung in der Pflege weiter.  Besonders weisen wir auch darauf hin, dass wir unsere Seele pflegen müssen. Auszeiten – wie die Erholungstage der Caritas oder die Maßnahme „ANNA“ von der GKK können wir sehr empfehlen. Wir wollen Anlaufstelle für Menschen in einer ganz besonderen Situation sein. Der Schwerpunkt unserer Treffen sind die Gespräche in angenehmer und vertraulicher Atmosphäre. Jede Teilnehmerin (meistens ist die Pflege „weiblich“) kann ihre Erfahrungen und Sorgen in der Pflege mitteilen, wir geben Ratschläge, trösten und bauen wieder auf, wenn alles zu viel wird. Es tut einfach der Seele gut, wenn man sein Herz ausschütten kann und verstanden wird.

Text: Christine Gallistl, wohnhaft in der Gemeinde Schönegg im schönen Mühlviertel
Seit neun Jahren intensive Pflege von Angehörigen.

Mehr zu den Treffpunkt-Angeboten (Gesprächsgruppen für Pflegende Angehörige) in Oberösterreich erfahren Sie unter www.pflegende-angehoerige.or.at/treffpunkte/

Seit 40 Jahren füreinander da – in guten wie in schlechte Zeiten

In der österreichischen Wochenzeitschrift News erzählen Franz und Hermine Stockinger von ihrem gemeinsamen Leben, das nach einem schweren Schicksalsschlag vor 27 Jahren eine jähe Wendung nahm.

Franz Stockinger besucht einmal im Monat den Treffpunkt für pflegende Angehörige und war heuer zum zweiten Mal bei den Erholungstagen für pflegende und betreuende Angehörige dabei.

Der Artikel ist in der 42. Ausgabe 2014 im Rahmen der Reportage „Pflege daheim oder Pflegeheim“ erschienen. Hier finden Sie den gesamten Beitrag zum Download:
http://www.caritas-linz.at/hilfe-einrichtungen/betreuung-und-pflege/news/pang-zeitschrift-news/

Treffpunkte in Ihrer Nähe und Informationen zu unseren Erholungstagen finden Sie auf unserer Homepage: www.pflegende-angehoerige.or.at