Im GLEICHGEWICHT bleiben- trotz Betreuung und Pflege Teil 4: Glücksmomente erkennen

Heute geht es in unserer Reihe „Im Gleichgewicht bleiben- trotz Betreuung und Pflege- Teil 4“ um das Schärfen des eigenen Blicks für Glücksmomente.

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Pflegende und betreuende Angehörige fühlen sich im stressigen bzw. herausfordernden Betreuungsalltag oft wie „im Hamsterrad„. Sie kümmern sich nur mehr um die Erfordernisse des Alltags (Erledigungen, Arztbesuche, Kinder, Pflege und Betreuung,…), jeder Tag erscheint gleich, die Stimmung droht zu sinken.

Deswegen möchte ich Ihnen heute eine Geschichte als Inspiration zum Nachahmen vorstellen, um Ihren Blick für das Positive und Schöne im „schnöden Alltag“ wieder zu schärfen. Dies kann  hilfreich sein, denn schon regelmäßig wahrgenommene kleine Glücksmomente können dabei helfen, dem Leben mit mehr Freude zu begegnen, Gelassenheit zu entwickeln und längerfristig Stress zu reduzieren:

„Es war einmal ein Bauer, der steckte jeden Morgen eine Handvoll Bohnen in seine linke Hosentasche. Immer, wenn er während des Tages etwas Schönes erlebt hatte, wenn ihm etwas Freude bereitet oder er einen Glücksmoment empfunden hatte, nahm er eine Bohne aus der linken Hosentasche und gab sie in die rechte.

Am Anfang kam das nicht so oft vor. Aber von Tag zu Tag wurden es mehr Bohnen, die von der linken in die rechte Hosentasche wanderten. Der Duft der frischen Morgenluft, der Gesang der Amsel auf dem Dachfirst, das Lachen seiner Kinder, das nette Gespräch mit einem Nachbarn – immer wanderte eine Bohne von der linken in die rechte Tasche.

Bevor er am Abend zu Bett ging, zählte er die Bohnen in seiner rechten Hosentasche. Und bei jeder Bohne konnte er sich an das positive Erlebnis erinnern. Zufrieden und glücklich schlief er ein – auch wenn er nur eine Bohne in seiner rechten Hosentasche hatte.“

(Verfasser unbekannt)

Beginnen Sie gleich heute damit, Ihre linke Hosentasche zu füllen- und am Abend über ihre erlebten Glücksmomente zu reflektieren. 

Und keine Angst: Statt Bohnen können natürlich auch Perlen, Steinchen, Plättchen,…. verwendet werden! 

Beachten Sie auch andere Texte aus dieser Reihe:

Im GLEICHGEWICHT bleiben- trotz Betreuung und Pflege Teil 3: stressverstärkende Einstellungen

Im GLEICHGEWICHT bleiben- trotz Betreuung und Pflege Teil 2: Entspannung

Im GLEICHGEWICHT bleiben-trotz Betreuung und Pflege

 

Gedanken zu Allerheiligen und Allerseelen: Umgang mit Tod und Trauer

Mein Name ist Petra Radinger.
Ich leite die Servicestelle für pflegende Angehöre in Steyr.
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Gerade jetzt vor Allerheiligen und Allerseelen sind wir oft mit unseren Gedanken bei
unseren  Verstorbenen. Wir schmücken die Gräber, zünden Kerzen an und denken an Erlebnisse die uns mit der verstorbenen Person verbindet. Und doch ist der Gedanke an den Tod, ein oft Verdrängter.
In unserer „Spaßgesellschaft“ hat der Tod kaum Platz. Er erinnert an die Vergänglichkeit und Endlichkeit des Lebens.
Im Zusammenhang mit dem Thema Tod bin ich auf einen Text von Uwe Böschemeyr einem Logotherapeuten und Schüler Viktor E. Frankls gestoßen. Ich möchte Ihnen seine Gedanken nicht vorenthalten.

Gedanken an den Tod

Es ist nicht gut nie an den Tod zu denken, denn er ist nun einmal, ob wir es wahrhaben wollen oder nicht – das große Tor am Ende unseres Weges, für dich und auch für mich. Wer nie an den Tod denkt, läßt seine verborgene Angst vor ihm nicht zu. Er verdrängt sie. Doch jede Verdrängung kostet Kraft, viel Kraft.
Wer den Gedanken an den Tod verdrängt, läßt zu, daß dieser Gedanke schon heute sein Leben so beeinflußt, wie er es gerade nicht will. Er gerät in Spannungen, wenn er das, was ihn bedroht nicht ansieht. Er wird gelassener, wenn er vor ihm nicht ausweicht.
Wir haben Angst vor dem, was wir nicht kennen. Wir werden freier, wenn wir es uns vertraut machen.
Wer hin und wieder an den Tod denkt, beachtet und achtet mehr die Tage, die ihm das Leben schenkt. Denn er weiß, daß seine Zeit begrenzt ist. Und wer achtsam umgeht und in ihr lebt, wird ganz bestimmt nicht zu oft an den Tod denken, weil ihn das Leben ausfüllt.

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In der Beratungsstelle für pflegende Angehörige in Steyr unterstütze ich oftmals Personen, welche mit dem bevorstehenden Tod eines Angehörigen konfrontiert werden. Ebenso begleite ich Trauernde nach dem Ableben ihrer Angehörigen. In der Begleitung von Trauernden ist es wichtig zu wissen, dass kein Trauerprozess dem anderen gleicht und sich Trauer und Schmerz  bei jedem Menschen individuell gestaltet.
Oftmals genügt es jemanden an der Seite zu haben, mit dem man über den verspürten Schmerz sprechen kann. Manchmal ist es für Trauernde wichtiger mit einer außenstehenden Person über Schuldgefühle, nicht gut zu machende Fehler, oder Versagen  sprechen zu können. In der Beratung können je nach Situation neue individuelle Möglichkeiten und Wege zur Trauerbegleitung und – verarbeitung gefunden werden.
Es würde mich freuen Sie je nach Ihren Bedürfnissen auf Ihrem Weg unterstützen und begleiten zu dürfen.

Für Terminvereinbarungen bin ich unter der Handynummer 0676 8776 2442  für Sie zu erreichen.

Unter www.pflegende-angehoerige.or.at finden Sie Kontaktdaten meiner KollegInnen an allen weiteren Standorten (Linz, Steyr, Rohrbach, Vöcklabruck, Grieskirchen) der Caritas Servicestelle Pflegende Angehörige in Oberösterreich.

TIPP! Kostenfreier Vortrag zum Thema Demenz in Enns

 

Vortrag: „Vergesslich, dement?- Wie verhält man sich richtig?“

Ein Vortrag für betreuende und pflegende Angehörige und Interessierte

„Im Betreuungs- und Pflegealltag von Angehörigen von Menschen mit Demenz stellen sich oftmals viele Fragen“, erklärt Waltraud Pommer, Demenz- und Validationsexpertin, „Fragen, wie:

– Kann ich in Beziehung bleiben- auch wenn der Gepflegte mich kränkt?

– Was passiert in seiner Welt und wie kann ich es verstehen?

– Kann ich Gefühle wie Angst und Trauer lindern, was steckt dahinter und wie gehe ich damit um?“

Das Prinzip der Validation, einer Gesprächsmethode nach Naomi Feil, kann hilfreich sein das Verhalten alter, desorientierter Menschen zu verstehen, den Umgang mit ihnen konfliktfreier zu gestalten und zeigt Möglichkeiten des einfühlsamen Gesprächs auf.

Aus diesem Grund veranstaltet die Caritas gemeinsam mit der Pfarre Enns-St. Laurenz einen kostenfreien Vortrag zum Thema „Umgang mit Demenz“. Pommer wird Grundlagen und Techniken der Validation vorstellen, um die Wertschätzung zwischen Pflegenden und Gepflegten aufrecht zu erhalten und Stress und Belastungen zu reduzieren.

Vortrag „Vergesslich, dement?- Wie verhält man sich richtig?“Sonnenblume_DRUCK

Wann: Mittwoch, 08.November 2017, 18:00 Uhr                           

Wo:     Pfarramt Enns St. Laurenz, Lauriacumstraße 4, 4470 Enns

Eintritt frei, freiwillige Spenden sind erbeten            

Information: Caritas-Servicestelle Pflegende Angehörige, Lena Geretschläger,

Tel.: 0676 / 87 76 24 47, http://www.pflegende-angehoerige.or.at          

 

Mehr Infos auch auf unserem Folder:

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Wir freuen uns über Ihr Kommen!

 

 

 

 

„Das langsame Vergessen“: Erfahrungen Angehöriger von Menschen mit Demenz

In unserer neuen Reihe stehen Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen im Fokus.

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Foto:Pawloff

Betreuende und pflegende Angehörige erzählen ihre Erfahrungen, Beobachtungen und Empfindungen im Alltag mit Menschen mit Demenz, verbundene Herausforderungen aber auch Freuden im Umgang werden beleuchtet.

Den Beginn macht B.V., der über einige Jahre seine Schwiegermutter (mit)- betreute, anfangs im Familienverband, später im Pflegeheim als diese immer mehr „ins Vergessen ging“.

„Bei einem Seminar über Demenz hat eine sehr erfahrene Altenpflegerin der Gruppe erklärt: „Alles, was ein Mensch in seiner Demenz tut, sagt oder fühlt, hat seine Ursache. Auch wenn wir es nicht verstehen, hat es seinen Sinn aus seinem gelebten Leben heraus. Wir müssen es auch nicht verstehen, sondern ganz einfach seiner Erlebniswelt mit Respekt begegnen und versuchen ihren Gründen nach zu spüren.“

Als meine Schwiegermutter immer weiter ins Vergessen ging, war sie manchmal aufgeregt und sehr schwer zu beruhigen. Mein Schwiegervater hatte angerufen: „ Die Mutter ist nicht zu bändigen.“ Um ihm ein wenig Freiraum zu verschaffen, haben wir sie zu uns geholt. Wir wussten, dass sie gern singt und haben sie gefragt, ob sie wohl mit uns Volkslieder singen möchte. Sie nahm dieses Angebot sofort an und wurde mit der Zeit beim Singen immer ruhiger.

Wir haben sie dann gefragt, warum sie so gern singt. Sie erzählte uns dann, dass sie immer daheim mit ihrer Mutter gesungen hat, wenn sie beide allein ohne den Rest der Familie Hausarbeiten erledigten. Sie sagte uns: „Das war immer so herrlich. Ich habe dann die zweite Stimme gesungen und wir waren ganz fröhlich zusammen. Das war richtig schön.“

Offensichtlich war das ihr Gefühl von Geborgenheit und zu Hause. Es waren wohl nicht ihr Elternhaus oder das Haus und später die Wohnung, wo sie mit ihrer eigenen Familie gelebt hat, sondern eher dieses Gefühl von Geborgen sein, Zuwendung und Schutz.“

Es war uns jetzt auch klar, was sie damit meinte, wenn sie „nach Hause“ wollte.

Einen herzlichen Dank an B.V., ehrenamtlicher Blogschreiber für diesen Beitrag!

Sie möchten sich Unterstützung im Umgang mit Ihrem Angehörigen, der an Demenz leidet holen?

Beachten Sie unsere Veranstaltungen zum Thema Demenz (Veranstaltungen) oder unsere Treffpunkte für pflegende Angehörige (Treffpunkte)

In Linz in der Elisabeth-Stub’n gibt es bspw. einen Treffpunkt, der speziell für Angehörige, die Menschen mit Demenz betreuen oder pflegen gedacht ist (jeden 1. Donnerstag im Monat von 16.00-18.00).

Unterstützungsangebote für pflegende Angehörige: was gibt es, was wird gebraucht, welche Hindernisse treten bei der Inanspruchnahme auf?

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In Österreich reicht das Angebot an Unterstützungsangeboten für pflegende Angehörige von der stundenweisen Entlastung, über Gruppentreffen bzw. individueller Beratung bis hin zu Weiterbildungskursen. Gruppentreffen sind entweder mit oder ohne professioneller Leitung und haben oftmals unterschiedliche thematische Ausrichtungen: pflegende Ehemänner, Kinder die ihre Eltern pflegen, Trauer, etc. Treffpunkte in Oberösterreich

Weiterbildungskurse kann man unter anderem besuchen, um eine Einführung in die Aromatherapie, Tipps im Umgang mit Demenzkranken oder Informationen zur Patientenverfügung zu erhalten. Veranstaltungen in Oberösterreich

Individuelle Beratung kann rein zur Informationsvermittlung in Anspruch genommen oder aber auch zur psychosozialen Unterstützung genutzt werden. Beratung in Oberösterreich

Trotz des vorhandenen Angebots werden diese Dienstleistungen nicht ausreichend in Anspruch genommen. Die Gründe dafür sind vielschichtig – hier ein Auszug:

Zeit – Obwohl es hier schon zu deutlichen Verbesserungen in den letzten Jahren gekommen ist (z.B.: Inanspruchnahme von Beratung auch in den Abendstunden), ist das zeitliche „Freischaufeln“ immer noch eine Herausforderung für pflegende Angehörige.

Mobilität – Bei den meisten Unterstützungsangeboten müssen pflegende Angehörige in die Büroräumlichkeiten der anbietenden Organisation kommen. Oftmals gestaltet sich aber auch das (und vor allem in Kombination mit dem Zeitfaktor) als schwierig, weil die zu pflegende Person nicht alleine gelassen bzw. kein Ersatz für die Beaufsichtigung gefunden werden kann. Auch hier gibt es schon vereinzelt Angebote, die diese Umstände berücksichtigen und Besuche bei den pflegenden Angehörigen daheim anbieten. Beratung zuhause

Fehlende Information – Es wird versucht, die Information über verfügbare Unterstützungsangebote über verschiedenste Kanäle zu verbreiten. Am effektivsten funktionieren dabei Mundpropaganda durch Bekannte und Verwandte, aber auch durch Hausärzte, Heimhilfen, Physiotherapeuten, etc. Eine immer wichtiger werdende Rolle nimmt dabei auch das Internet als erste Anlaufstelle für die Informationssuche ein. Trotzdem bleibt die Herausforderung, die passende Information an die betroffenen Personen zum richtigen Zeitpunkt zu bringen.

Scham – Pflegender Angehöriger zu sein bzw. jemanden zu pflegen ist in unserer Gesellschaft leider immer noch ein Thema, über das man nicht (gerne) spricht. Man schämt sich mit Fremden über seine Probleme zu reden und Hilfe anzunehmen. Dabei kann eine außenstehende Person, die die (Pflege)situation als Unbeteiligter betrachtet und einschätzt, viele hilfreiche Tipps geben.

Aber wie können diese Hürden bei der Inanspruchnahme beseitigt werden und sich die Zukunft der Unterstützungsangebote für pflegende Angehörige in Österreich gestalten?

  • Angebote der stundenweisen Entlastung erhöhen und tageszeitlich erweitern, um pflegenden Angehörigen auch abendliche Aktivitäten zu ermöglichen.
  • Mehr „Kombinationen von Dienstleistungen“: Pflegende Angehörige besuchen beispielsweise einen Weiterbildungskurs und gleichzeitig wird sich auch um die pflegebedürftige Person von Seiten der anbietenden Organisation gekümmert. Entlastung bei Demenz
  • (Teilweise) Kostenübernahme bzw. entsprechende Fördertöpfe anbieten. Entlastung bei Demenz
  • Motivation von Freiwilligen für den Bereich der Unterstützungsarbeit.
  • Zentralen Anlaufpunkt anbieten, wo jegliche Belange aus dem Bereich der familiären Pflege angesprochen werden können und eine entsprechende Informations- bzw. Weitervermittlung an passende Stellen erfolgt.
  • Gesamtes Unterstützungsangebot regelmäßig mit den Bedürfnissen der pflegenden Angehörigen abgleichen bzw. bei Bedarf anpassen.
  • Potential von Computer und Internet bei der Unterstützung von pflegenden Angehörigen nutzen. Online-Beratung

 

Sie wünschen sich andere Unterstützungsangebote?

Dann machen Sie bei der wissenschaftlichen Studie zum Thema „Unterstützungsangebote für pflegende Angehörige“ Frau Hensely-Schinkinger durch die Beantwortung des Fragebogens mit! Die Daten werden selbstverständlich vertraulich behandelt: Teilnahme wissenschaftliche Studie Unterstützungsangebote

 

Weiterführende Literatur bei Interesse:

Barbabella, F., Lamura, G., Schmidt, A. E. (2013). „Potenzial und Verbreitung von IKT zur Unterstützung pflegender Angehöriger“, Soziale Sicherheit CHSS, Schweiz.

Hensely-Schinkinger, S. (2015) “Support Services for Informal Caregivers: First Results of Expert Interviews with Providers in the City of Vienna”, In 13th AAATE Conference, 9-12 September, Budapest, Hungary.

Hensely-Schinkinger, S. (2016) “Support Services for Informal Caregivers: Survey with Providers in Austria”, In 15th International Conference on Computers Helping People with Special Needs, 13-15 July, University of Linz, Austria.

Lamura, G., Mnich, E., Wojszel, B., Nolan, M., Krevers, B., Mestheneos, L., Döhner, H. (2006) „Erfahrungen von pflegenden Angehörigen älterer Menschen in Europa bei der Inanspruchnahme von Unterstützungsleistungen“, Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie 39, 429-442.

Lopez-Hartmann, M., Wens, J., Verhoeven, V., Remmen, R. (2012) „The effect of caregiver support interventions for informal caregivers of community-dwelling frail elderly: a systematic review“, International journal of integrated care, 12(5).

Pochobradsky, E., Bergmann, F., Brix-Samoylenko, H., Erfkamp, H., Laub, R. (2005) „Situation pflegender Angehöriger“, Österreichisches Bundesinstitut für Gesundheitswesen (ÖBIG), Vienna.

Schalek, K., Boschert, S. (2013) „Wissenswertes für pflegende Angehörige“, Caritas Österreich, Vienna.

Schneider, U., Trukeschitz, B., Mühlmann, R., Jung, R., Ponocny, I., Katzlinger, M., Österle, A. (2009) „Wiener Studie zur informellen Pflege und Betreuung älterer Menschen 2008 (Vienna Informal Carer Study – VIC2008)“, Forschungsinstitut für Altersökonomie der Wirtschaftsuniversität, Vienna.

Stewart, J. (2012) „ICT’s for informal care givers“, Gerontechnology 11(2): 392.

Winkler, I., Kilian, R., Matschinger, H., Angermeyer, M.C. (2006) „Lebensqualität älterer pflegender Angehöriger von Demenzkranken“, Zeitschrift für Geronotpsychologie & -psychiatrie 19, 17-24.

 

Meine Erfahrung mit P.A.U.L.A. (Kursreihe zum Thema Demenz)

Ein Bericht von Stella, Pflegende Angehörige und P.A.U.L.A.-Kursteilnehmerin

Meine Mutter haben wir vor einigen Jahren, als wir – drei Schwestern – ihr Alleinsein in ihrem Haus in Vöcklabruck nicht mehr verantworten konnten, nach Linz ins Betreubare Wohnen übersiedelt. Seit Sommer 2012 befindet sie sich nun im Seniorenheim.
Schon vorher und auch jetzt noch besuchen meine Schwestern und ich sie mindestens zwei Mal in der Woche um „nach dem Rechten“ zu sehen und mit ihr ein wenig Zeit zu verbringen.

Immer wieder hatte ich große Schwierigkeiten auf meine Mutter, die vergesslicher wurde und immer mehr seltsame Reaktionsmuster zeigte, einzugehen. Auch erzählte sie uns zunehmend seltsame Geschichten über ihr derzeitiges und vergangenes Leben. Wir versuchten ihr immer wieder klar zu machen, wie denn das wirklich gewesen ist. Meine Mutter beharrte jedoch auf ihren „Lügengeschichten“, die auch manchmal mit haltlosen Beschuldigungen einher gingen. Sie verwechselte Personen und Erlebnisse, was mich zunehmend hilfloser und aggressiver werden ließ! Ich konnte die plötzlichen charakterlichen Veränderungen meiner Mutter nach einem Krankenhausaufenthalt  weder verstehen noch nachvollziehen, noch wollte ich sie akzeptieren.

Schon als meine Mutter im Betreubaren Wohnen lebte und die ersten Kommunikationsschwierigkeiten auftraten, hat mich eine Freundin auf die „P.A.U.L.A.-Kursreihe“ aufmerksam gemacht. Anfangs dachte ich mir noch, ich käme da ja nicht in Frage, weil ich meine Mutter nicht bei mir zu Hause betreue. Schließlich konnte mich meine Freundin überzeugen, dass auch ich eine „pflegende Angehörige“ sei – ich kümmere mich um alle finanziellen, amtlichen, kosmetischen und pflegerischen Belange, gehe für meine Mutter einkaufen, versorge sie mit ihren Lieblingsspeisen etc. und unterstütze bestmöglich das Pflegepersonal obwohl ich berufstätig und alleinerziehend bin. Als die Besuche bei meiner Mutter immer unerträglicher wurden, habe ich mich doch zum Kurs angemeldet.

Und ich war sehr überrascht, was ich alles in diesem Kurs lernen und erfahren durfte. Am meisten hat mich das Kommunikationssystem, das in dem Kurs vermittelt wird, beeindruckt. Es ist ungeheuer hilfreich zu wissen, wie man auf einen alten, zunehmend dementen Menschen eingehen kann. Wie man ihn am besten „in seiner Welt“ erreicht, mit seinen „Ticks und Tricks“ umgeht, welche Methoden es gibt um ihm noch ein wenig Liebe, Anerkennung und ehrliche Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Die zunehmend entspannte Kommunikation mit meiner Mutter hat mich dann restlos überzeugt.

Es tat auch mal richtig gut, sich auszusprechen und sich mit anderen Menschen, die mit ähnlichen Problemen kämpfen, auszutauschen. Sich Tipps holen bzw. erzählen, wie es uns – den Kursteilnehmern – „beim Üben der Methode“ ergangen ist, waren ein wichtiger Teil des Kurses.

Senior woman holding hands with caretakerHeute – nach Beendigung des Kurses – gehe ich wieder gerne meine Mutter besuchen. Ich kann, mit etwas Übung immer besser, erkennen, was sie mir „wirklich“ sagen möchte und ich schaffe es immer öfter sie zu beruhigen, wenn sie sich wieder einmal in heller Aufregung befindet . Ich schaue auch gefasster in die Zukunft, weil ich zumindest eine Ahnung davon habe, wie sich das Verhalten meiner Mutter noch verändern könnte. Aber was mich am meisten freut, ich erfahre immer wieder etwas Neues aus ihrem langen und erfüllten Leben. Viele Geschichten kann ich nun auch aus einer anderen Perspektive betrachten, was mir hilft, die gemeinsame Vergangenheit besser zu verstehen und zu bewältigen.

Ein herzliches DANKESCHÖN an Stella für diesen Erfahrungsbericht!

Mehr zur P.A.U.L.A. – Kursreihe für Angehörige von Menschen mit Demenz erfahren Sie unter Veranstaltungen pflegende Angehörige

 

Für den P.A.U.L.A. Kurs in Linz von 13.09.-04.10. 2017 (jeweils von 16:30-19:00 Uhr)

ist noch ein Restplatz verfügbar!

 Bei Interesse bitte um Anmeldung bis 07.09. unter 0676/ 87762447

„Jetzt bin ich doch noch kein pflegender Angehöriger, oder etwa doch?!“- Gedanken zur Selbstidentifikation von pflegenden Angehörigen

Es beginnt mit Kleinigkeiten, die man übernimmt, um einen Verwandten oder Freund zu helfen. Über die Zeit werden es immer mehr und umfangreichere Tätigkeiten und ehe man es sich versieht, ist man in die Position des pflegenden Angehörigen „gerutscht“.

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Aufgrund dieses schleichenden Prozesses erkennt man das aber oftmals nicht gleich – denn eigentlich ist es doch selbstverständlich, dass man der älter werdenden Mutter oder dem immer mehr vergesslich werdenden Partner hilft – das ist etwas, dass man in zwischenmenschlichen Beziehungen gerne leistet.

Die Selbstidentifikation erfolgt in den meisten Fällen erst deutlich später, als die Übernahme der entsprechenden Tätigkeiten. Nicht nur der schleichende Prozess, sondern auch andere verzögernde Faktoren haben Einfluss darauf: So berichten einerseits pflegende Kinder rückblickend, dass es ihnen lange schwer gefallen ist, zu unterscheiden, ob es Pflege ist oder sie einfach nur ein „hilfsbereites“ Kind im familiären Umfeld sind. Andererseits, wenn die Pflege von einem Freund oder Bekannten übernommen wird, fällt es diesen pflegenden Angehörigen schwer, sich als solche zu sehen, weil man ja eigentlich nicht „Familie“ ist.

Ein weiterer Aspekt ist das Thema „Körperpflege“: Eine Tätigkeit, die bald von professionellen Dienstleistern übernommen wird, aber als die klassische „Pflege“ schlechthin definiert ist – ist diese nun kein Teil der Tätigkeiten als pflegender Angehöriger, fällt es vielen Betroffenen schwer, sich dann auch als solche zu sehen.

Häufig wird berichtet, dass das Erkennen der eigenen Situation mit einem „Aha-Moment“ verbunden ist, der in den meisten Fällen von außen ausgelöst wird: Das kann der plötzliche Eintritt einer Krankheit oder die Diagnosestellung sein. Oder aber es werden Betroffene erstmalig vom Personal im Gesundheitsbereich (ÄrztInnen, Pflegepersonal, SozialarbeiterInnen, etc.) mit der Tatsache konfrontiert, dass sie pflegender Angehöriger sind.

Viele pflegende Angehörige wollen sich aber bewusst nicht mit dieser „Rolle“ identifizieren: Sie wollen verhindern, von der Gesellschaft in die „Opferrolle“ gedrängt zu werden und ein Paket an Erwartungen übergestülpt zu bekommen. Darüber hinaus wollen Sie weiterhin als der Mensch gesehen werden, der sie sind und nicht nur auf diese eine Facette ihres Lebens reduziert werden. Mitunter kann es auch schnell dazu kommen, dass man sich selbst nur noch als pflegender Angehöriger sieht und andere Rollen der zwischenmenschlichen Beziehung (Partner, Kind, etc.) nicht mehr aktiv gelebt werden.

Dabei bringt die Selbstidentifikation auch einige Vorteile mit sich: Man kann nun vor Dritten definieren, was man eigentlich tagtäglich leistet und ist nun ein Teil einer großen Gruppe – und nicht mehr allein. Und: Man fühlt sich nun auch endlich angesprochen von entsprechenden Unterstützungsangeboten, die versuchen, einem den Alltag als pflegender Angehöriger zu erleichtern.

Einen herzlichen Dank für diesen Beitrag an  unsere ehrenamtliche Blogschreiberin Dipl.-Ing. Mag. Susanne Hensely-Schinkinger. Sie arbeitet an der TU Wien als Projektassistentin am Institut für Gestaltungs- und Wirkungsforschung und schreibt derzeit an ihrer Doktorarbeit zum Thema „Unterstützung für pflegende Angehörige“ mit dem Schwerpunkt auf technologische Lösungen für diesen Bereich.“

Das Thema interessiert Sie? Gerne können Sie die wissenschaftliche Studie von Frau Hensely-Schinkinger durch die Beantwortung des Fragebogens und somit die Weitergabe Ihrer eigenen Erfahrungen unterstützen. Die Daten werden selbstverständlich vertraulich behandelt: