„Mehr Achtsamkeit in meinem Leben“

Achtsamkeit – Fluch oder Segen?

Foto: pixabay

Das Thema Achtsamkeit ist heutzutage in aller Munde. Ist Achtsamkeit ein Trend unserer Zeit, ein Hype, eine Modeerscheinung die genauso schnell wieder verschwindet wie sie aufgetaucht ist? Es ist schwer geworden, die Achtsamkeitslehre, das „Allheilmittel“ gegen die Leiden des modernen Lebens, zu ignorieren.

Achtsamkeit bedeutet, im Hier und Jetzt zu sein – und zwar nicht nur körperlich, sondern auch mental. Das ist für die meisten Menschen kein Normalzustand. Viele hängen mit ihren Gedanken entweder in der Vergangenheit fest, beschäftigen sich mit Sorgen oder denken viel über die Zukunft nach. Dieses Denken ist meist von der Hoffnung begleitet, dass sich irgendwann ein zufriedener Zustand einstellen möge.

Ein achtsamer Mensch hingegen lebt im Moment ohne diesen zu bewerten und bemüht sich, sich auf das zu konzentrieren was – außerhalb der Gedanken – jetzt gerade ist. Unterschiedliche Achtsamkeitsübungen und Meditationsrituale können hier unterstützen. Dazu mehr am Ende des Beitrages.

Achtsamkeit ist (k)ein „Allheilmittel“

Achtsamkeit soll uns von Stress und Leiden befreien. Die Ursachen für den Stress werden dabei jedoch nicht immer hinterfragt, sondern eher das Anpassungsvermögen des Individuums. Das Leiden wird dadurch dekontextualisiert oder als vollendete Tatsache anerkannt, was eine Scheuklappenmentalität verursacht, die die wahren Probleme außer Acht lässt. Das ICH, wird gleichzeitig zum Sündenbock und zur eigenen Rettung.

„Feel – don’t think“, ist das Mantra der Erleuchteten, die – wie Ronald Purser[1]klarstellt, die gesellschaftlichen Schieflagen akzeptieren. Es ist ein Rückzug in private Lösungsansätze angesichts steigender kollektiver Probleme. Das eigene Wohlbefinden wird zu einer Aufgabe, die sich nur durch eiserne Selbstdisziplin meistern lässt.

Ich persönlich bin der Meinung, die Lösung liegt irgendwo dazwischen. Ich kann mich der Meinung von Purser anschließen, dass nicht alle Lösungen in unserem Inneren zu finden sind, sondern auch im Außen versucht werden muss, Situationen zu verändern, die uns nicht gut tun. Wenn ich jeden Tag mit Übelkeitsgefühl und Panikattacken den Weg zu meiner Arbeit antrete, wird mir auf Dauer auch eine Achtsamkeitsübung nicht helfen. Wenn ich als pflegende/r Angehörige/r jeden Abend weinend im Bett liege, weil ich den Pflegealltag alleine nicht mehr stemmen kann, wird mir auch hier eine kleine Meditation auf Dauer nicht helfen, vor einem Burnout verschont zu bleiben. In diesen Situationen ist es wichtig einmal von außen drauf zu schauen, wie ich meine Lebenssituation so gestalten kann, dass sie gut lebbar wird.

Es gibt aber auch Situationen im Leben die kurzfristig oder übergangsweise Stress verursachen. Nehmen wir wieder das Beispiel pflegender Angehöriger. Im Großen und Ganzen ist die persönliche Pflegesituation gut tragbar, einzig an manchen Tagen gibt es das Gefühl der Überforderung und starken Gereiztheit. Hier kann eine Übung zur Achtsamkeit sehr wohl helfen. Es bewirkt, dass sich der eigene Focus wieder zentriert, dass durch das kurze Innehalten wieder etwas Abstand zur momentanen Situation gewonnen werden kann.

Persönliches Fazit:

Achtsamkeit ist für mich, achtsam mit mir selbst umzugehen. Gut hinzuschauen, woran es liegt wenn es mir nicht gut geht. Gut darauf zu achten worauf mein momentaner Fokus liegt. Achtsamkeit ist aber auch den Blick nach außen nicht zu verlieren.

Achtsam mit den Menschen und der Natur umzugehen und vor allem aktiv etwas dafür zu tun, dass diese Welt ein guter Platz zum Leben ist. Im Innen und im Außen.

Und weil ich sie trotz kritischer Betrachtung nicht missen möchte, hier noch drei kleine Achtsamkeitsübungen…

1. Achtsamer Morgen

Achtsamkeit fängt morgens an: Greif nach dem Aufwachen nicht direkt zu deinem Smartphone, sondern bleib ein paar Minuten ruhig liegen oder setz dich an die Bettkante. Nimm erst einmal ganz bewusst wahr: deinen Atem, deinen Körper, deine Gedanken.

-> Dabei ist es ganz entscheidend, nichts davon zu bewerten.

Das bedeutet ganz konkret: Wenn du dich noch etwas steif oder müde fühlst, nimm es an. Wenn du beim Gedanken an deinen Tag im Kopf schon vorauseilst und merkst, dass dir das den Elan nimmt, mache dir bewusst, dass du heute aufwachen durftest und wie dankbar du für dein Leben sein kannst.

2. Mentale Auszeit

Wenn dir alles über den Kopf zu wachsen scheint, nimm dir ungefähr 30 Sekunden Zeit, dich von dem Stress zu entfernen. Denke an positive Sachen, die dich beispielsweise zuhause erwarten oder ein Event in naher Zukunft, auf das du dich besonders freust. Dadurch richtest du deinen Fokus auf Positives.

3. Fehler akzeptieren und verzeihen

Sich selbst zu verzeihen, macht einen großen Teil der Achtsamkeit aus. Dadurch schaffst du Distanz zu deiner Vergangenheit und fängst an, im Hier und Jetzt zu leben. Schreibe dir jeweils auf einen Zettel, welche Fehler aus der Vergangenheit dich beschäftigen und welche Eigenschaften du an dir nicht magst. Wirf diese Zettel nach und nach in eine Box und sage laut oder in Gedanken „Ich verzeihe mir“. So gelingt es dir, Vergangenes loszulassen und dich auf die Gegenwart zu konzentrieren.

Beitrag:

Mag.a Ute Maria Winkler
Servicestelle Pflegende Angehöriger
Standort Rohrbach und Eferding
Gerberweg 6, 4150 Rohrbach-Berg
Kirchenplatz 3, 4070 Eferding
0676 87 76 24 43


[1] Ronald E. Purser (2019): McMindfulness. How Mindfulness became the New Capitalist Spirituality

„Mehr Achtsamkeit in meinem Leben“

Unser Alltag wird immer gehetzter und flüchtiger. Achtlos ziehen Situationen, Menschen und wertvolle Lebenszeit an uns vorbei –  weil oft einfach alles zu viel ist. Hier bietet uns mehr Achtsamkeit die Chance, aus dem Hamsterrad herauszukommen und zu mehr Gelassenheit und Lebensqualität zu finden.

Wir wollen uns daher in diesem Jahr, im Besonderen dem Thema Achtsamkeit widmen, und starten heute unsere Reihe „Mehr Achtsamkeit in meinem Leben“ mit unserer ehrenamtlichen BLOG- Schreiberin Annemarie und bedanken uns für diesen wertvollen Beitrag.

Über die Achtsamkeit

„Bei der Achtsamkeit handelt es sich um eine besondere Lenkung der Aufmerksamkeit auf unser gegenwärtiges Erleben. (Dr. Michael Huppertz)

Ich möchte mich zu Beginn der „Achtsamkeit des Zuhörens“ widmen und hier
konnte ich von meinen Enkelkindern in vielerlei Hinsicht lernen. Mein jüngster Enkel hatte im Alter von drei Jahren Probleme in der Wortfindung, und es dauerte manchmal lange bis er seine Gedanken formulieren konnte. Ich meinte sehr oft schon zu wissen was er sagen wollte, und beendete für ihn die Sätze, worauf er ungehalten wurde und sagte: “Oma, hör einfach zu!“

Einfach zuhören, fällt manchen Menschen schwer, und sie nehmen einen manchmal das Wort aus dem Mund. Bei so manchen Gesprächsrunden kann man beobachten, dass kaum jemand zuhören kann.

In meiner Arbeit mit alten Menschen war „einfach Zuhören“ das Wichtigste. Achtsam zuzuhören ist Bedingung, um auch zu verstehen was mir mein Gegenüber sagen möchte. Wenn dann jemand langsam spricht und vielleicht auch noch Pausen einlegt, ist Geduld und bei der Sache zu bleiben gefragt.

Wir können nicht achtsam zuhören wenn unsere Gedanken ganz woanders sind.

Allgemein ist dies eine wichtige Frage: „Wo bin ich mit meinen Gedanken und mit meiner Achtsamkeit?“ Wir neigen nämlich dazu uns mit der Vergangenheit zu beschäftigen oder an die Zukunft zu denken. Doch das Leben spielt sich in der Gegenwart ab – im Hier und Jetzt.

Wenn uns die Sorgen zu viel werden, liegt es gewöhnlich daran, dass wir zu viel an die Vergangenheit und die Zukunft denken. (Therese v.Lisieux )

Gehirnforscher haben herausgefunden, dass uns
pro Minute 60 Gedanken durch den Kopf gehen. Davon sind 43 unbedeutend, 15 negativ und nur 2 sind aufbauend.

Sorgen sie selber für „Ordnung in ihrem Kopf“ und achten sie auf ihre Gedanken. Bleiben sie bei sich, bei ihrem Gegenüber und dem was sie jetzt gerade tun. Das entschleunigt und tut ihnen und ihrem Umfeld sicher gut.

Foto: Privat

Impuls für den heutigen Tag #10

STILLE

HerbstBäume_Tscholl-JagersbergerFoto: Nadine Tscholl-Jagersberger

Heute möchten wir unseren Impuls auf die Achtsamkeit legen.

Setzen oder legen Sie sich hin und schließen die Augen.

Jetzt horchen Sie in die Stille.

Ruhe. Kein Verkehr. Kein Lärm. Keine Stimmen.

Hören Sie genau hin! Was hören Sie?

 

Diese Übung kann gut in den Tag integriert werden, morgens vorm Aufstehen oder auch zwischendurch, um in oder nach stressigen Situationen zur Ruhe kommen zu können.

 

Impuls von Nadine Tscholl-Jagersberger, Servicestelle Pflegende Angehörige Freistadt

Ostern – Auferstehung heißt, die Hoffnung lebt!

Marillenblüte Auferstehung Hoffnung_Kreiner-Hofinger                       Foto: Kreiner-Hofinger

Selten wird uns Menschen unsere Begrenztheit so stark vor Augen geführt wie jetzt in dieser Krise. Das Thema Tod bekommt in der Gesellschaft derzeit eine beängstigende Präsenz und konfrontiert damit auch jeden Einzelnen mit seiner Endlichkeit hier auf Erden.

Durch diese unbekannte und sich rasch verbreitende Krankheit gibt es Grenzerfahrungen in den unterschiedlichsten Kontexten. Es sind dies Zeiten von Angst und Verunsicherung.

Ver – tröstungen helfen nicht, sie sind nicht tröstlich!

Aber die Erinnerung an die Botschaft von Ostern darf uns eine Stütze sein und eine Antwort auf die Frage nach dem Leiden:

„Es gibt Ungeheuerlichkeiten im Leben des Einzelnen und der Menschheitsgeschichte, die uns unweigerlich in die Verzweiflung trieben, würden wir nicht aufgefangen von jener Hoffnung, die in der Osternacht explosionsartig ausbricht: Jesus lebt, er ist auferstanden! Der schändliche Tod am Kreuz ist nicht das letzte Wort. Es gibt durch Leiden, Tod und Verzweiflung hindurch einen Neuanfang.“…. „Auferstehung besagt nämlich: Unser nicht auszutilgender Wunsch nach Glück, unsere unstillbare Sehnsucht nach Gerechtigkeit, Freiheit und Liebe wird nicht im Nichts verhallen, sondern von Gottes Unendlichkeit aufgefangen werden.“

Auferstehung beginnt jetzt, mitten im Leben, wenn wir uns die Hoffnung bewahren, wenn wir einander beistehen, wenn wir einander trösten, wenn wir die Freude und den Schmerz teilen, wenn wir achtsam mit uns und unserem Nächsten umgehen.

„Zu dieser Auferstehung mitten im Leben – hier und heute – brauchen wir viel Mut. Wenn wir diese Auferstehung mitten im Leben trotz Rückschlägen immer wieder versuchen, dann können wir den Rest getrost Gott überlassen.“

Textzitate aus: Johannes B. Brantschen; „Warum lässt der gute Gott uns leiden?“

Mag. Martin Eilmannsberger, Psychosoziale Beratung der Servicestelle Pflegende Angehörige

 

Ein achtsamer Weg zu mir selbst – trotz Betreuung und Pflege: Teil 3 Bewertung

Im dritten Teil unserer Reihe „Ein achtsamer Weg zu mir selbst – trotz Betreuung und Pflege“ steht unsere eigene Bewertung im Fokus.

pusteblume

Was machen meine Bewertungen mit mir? Wir bewerten den ganzen Tag lang alles Mögliche.
Wie fühle ich mich? – Ist das gut oder schlecht?
Wie geht es mir finanziell? – Ist das gut oder schlecht?
Das Verhalten von mir oder anderer? – Wo ordne ich es ein (Gut oder schlecht?)
Die Bewertung passiert meistens automatisch, gibt uns Sicherheit und hat in vielen Situationen ihre Berechtigung. Doch manchmal kann sie uns noch tiefer in den Abgrund ziehen und sogar handlungsunfähig machen. 

Eine Geschichte aus der Pfad des friedvollen Kriegers (Dan Millmann) macht deutlich, dass wir oft nicht wissen ob etwas gut oder schlecht ist bzw. Glück oder Unglück.

Glück oder Unglück? Wer weiß das schon! Ein alter Mann und sein Sohn bestellten gemeinsam ihren kleinen Hof. Sie hatten nur ein Pferd, das den Pflug zog.
Eines Tages lief das Pferd fort. „Wie schrecklich!“ sagten die Nachbarn, „Welch ein Unglück.“
„Wer weiß, ob Glück oder Unglück“, erwiderte der alte Bauer. Eine
Woche später kehrte das Pferd aus den Bergen zurück. Es brachte fünf wilde Pferde mit  in den Stall. „Wie wunderbar!“ sagten die Nachbarn, „Welch ein Glück.“
„Glück oder Unglück? Wer weiß“, sagte der Alte.
Am nächsten Morgen wollte der Sohn eines der wilden Pferde zähmen. Er stürzte und brach sich ein Bein.
„Wie schrecklich!“ sagten die Nachbarn, „Welch ein Unglück!“
Der Bauer antwortet nur: „Glück oder Unglück?“ Drei Tage später kamen die Soldaten ins Dorf und holten alle jungen Männer in den Krieg. Den Sohn des Bauern konnten sie nicht brauchen. Er blieb als einziger verschont.
Glück oder Unglück. Wer weiß das schon!

Viele Dinge, die wir schwer genommen haben, stellten sich hinterher als Segen heraus. Wir kennen doch auch Beispiele, eine Kündigung, die zu einem viel besseren Job geführt hat. Ein Mann, der mich verließ, um Platz für einen viel Netteren zu machen. Umsonst gesorgt! Nur leider ist es so, dass uns alles Mögliche einfällt was passieren oder sein könnte! Unser Kopf- Kino spielt am liebsten Grusel. Es ist so, dass unser Gehirn evolutionsbedingt auf Überleben fokussiert ist, daher merkt es sich Gefahren und Probleme am besten.

Ein chinesisches Sprichwort besagt:
„Du kannst nicht verhindern, dass die Vögel der Sorge über deinem Haupt kreisen. Aber du kannst sie daran hindern, Nester in deine Haare zu bauen.“

Ein großes Danke an unsere ehrenamtliche Blogschreiberin Annemarie Aichinger für diesen Beitrag und vielleicht können sie probieren ihre Situation einmal aus einem anderen Blickwinkel zusehen und sie möglicherweise auch anders bewerten.

Ein achtsamer Weg zu mir selbst – trotz Betreuung und Pflege: Teil 1 Selbstmitgefühl

pusteblume

Im ersten Teil unserer Reihe „Ein achtsamer Weg zu mir selbst – trotz Betreuung und Pflege“ steht das Selbstmitgefühl im Mittelpunkt.

Liebevolle Gedanken und Handlungen sich selbst gegenüber, werden von vielen pflegenden Angehörigen, hinten angestellt. Es geht ja darum, dass es meinem Angehörigen gut geht und dafür gebe ich alles. Wenn der Fokus fast ausschließlich bei anderen liegt, bleibst du selbst auf der Strecke und es kann schneller zu Überlastungen, Missstimmungen und längerfristigen Daueranspannungen im Alltag kommen.

Ein achtsamer Umgang mit sich selber kann mithelfen eine positive Veränderung für sich selbst und die ganze Situation zu erreichen. Heute schauen wir uns an, wie das Selbstmitgefühl unterstützt werden kann.

Was ist Selbstmitgefühl eigentlich? Brauche ich das? Und wie kann mir Selbstmitgefühl helfen?

Folgender Artikel aus „Welt der Frau“ beschreibt alltagstaugliche Übungen für mehr Selbstmitgefühl.

Artikel Welt der Frau Bild
Auszug aus „Das Engagement des Herzens“, Welt der Frau 06/2017,
Text: Christa Spannbauer, Foto: Tom Zilker
www.welt-der-frauen.at

 

4 Minuten für Ihr Wohlbefinden

Was macht nicht zu viel Aufwand und führt im Fernen Osten (China, Japan…) zu geringeren Demenz-Erkrankungen?
Es sind die dort sehr verbreiteten Vertiefungsübungen wie Chi Gong oder Tai Chi, die jede/n in eine Ausgeglichenheit bringt, die sich für Körper und Geist als förderlich erweist.

Fotolia_43589858_XSHaben Sie 4 Minuten Zeit am Morgen?
Je 2 Minuten auf einem Bein stehen – das sollte zu machen sein. Die Arme und Hände können dabei seitlich weggestreckt sein, oder über dem Kopf gehalten werden.

Die Wirkung leitet sich ab von der Aufmerksamkeit des Geistes und des Körpers, das Gleichgewicht herzustellen. Und dabei wird die Leistung des Gehirns trainiert und stabilisiert.

In der Ruhe liegt die Kraft!

Wir danken Heinz Häubl für diesen Beitrag.