Gedanken zu Allerheiligen und Allerseelen: Umgang mit Tod und Trauer

Mein Name ist Petra Radinger.
Ich leite die Servicestelle für pflegende Angehöre in Steyr.
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Gerade jetzt vor Allerheiligen und Allerseelen sind wir oft mit unseren Gedanken bei
unseren  Verstorbenen. Wir schmücken die Gräber, zünden Kerzen an und denken an Erlebnisse die uns mit der verstorbenen Person verbindet. Und doch ist der Gedanke an den Tod, ein oft Verdrängter.
In unserer „Spaßgesellschaft“ hat der Tod kaum Platz. Er erinnert an die Vergänglichkeit und Endlichkeit des Lebens.
Im Zusammenhang mit dem Thema Tod bin ich auf einen Text von Uwe Böschemeyr einem Logotherapeuten und Schüler Viktor E. Frankls gestoßen. Ich möchte Ihnen seine Gedanken nicht vorenthalten.

Gedanken an den Tod

Es ist nicht gut nie an den Tod zu denken, denn er ist nun einmal, ob wir es wahrhaben wollen oder nicht – das große Tor am Ende unseres Weges, für dich und auch für mich. Wer nie an den Tod denkt, läßt seine verborgene Angst vor ihm nicht zu. Er verdrängt sie. Doch jede Verdrängung kostet Kraft, viel Kraft.
Wer den Gedanken an den Tod verdrängt, läßt zu, daß dieser Gedanke schon heute sein Leben so beeinflußt, wie er es gerade nicht will. Er gerät in Spannungen, wenn er das, was ihn bedroht nicht ansieht. Er wird gelassener, wenn er vor ihm nicht ausweicht.
Wir haben Angst vor dem, was wir nicht kennen. Wir werden freier, wenn wir es uns vertraut machen.
Wer hin und wieder an den Tod denkt, beachtet und achtet mehr die Tage, die ihm das Leben schenkt. Denn er weiß, daß seine Zeit begrenzt ist. Und wer achtsam umgeht und in ihr lebt, wird ganz bestimmt nicht zu oft an den Tod denken, weil ihn das Leben ausfüllt.

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In der Beratungsstelle für pflegende Angehörige in Steyr unterstütze ich oftmals Personen, welche mit dem bevorstehenden Tod eines Angehörigen konfrontiert werden. Ebenso begleite ich Trauernde nach dem Ableben ihrer Angehörigen. In der Begleitung von Trauernden ist es wichtig zu wissen, dass kein Trauerprozess dem anderen gleicht und sich Trauer und Schmerz  bei jedem Menschen individuell gestaltet.
Oftmals genügt es jemanden an der Seite zu haben, mit dem man über den verspürten Schmerz sprechen kann. Manchmal ist es für Trauernde wichtiger mit einer außenstehenden Person über Schuldgefühle, nicht gut zu machende Fehler, oder Versagen  sprechen zu können. In der Beratung können je nach Situation neue individuelle Möglichkeiten und Wege zur Trauerbegleitung und – verarbeitung gefunden werden.
Es würde mich freuen Sie je nach Ihren Bedürfnissen auf Ihrem Weg unterstützen und begleiten zu dürfen.

Für Terminvereinbarungen bin ich unter der Handynummer 0676 8776 2442  für Sie zu erreichen.

Unter www.pflegende-angehoerige.or.at finden Sie Kontaktdaten meiner KollegInnen an allen weiteren Standorten (Linz, Steyr, Rohrbach, Vöcklabruck, Grieskirchen) der Caritas Servicestelle Pflegende Angehörige in Oberösterreich.

Gedanken zu Allerseelen

„Es waren einmal eine Mutter und ein Kind, und die Mutter hatte das Kind, ihr einziges, lieb von ganzem Herzen und konnte ohne das Kind nicht leben und nicht sein. Aber da sandte der Herr eine große Krankheit, die wütete unter den Kindern und erfasste auch jenes Kind, dass es auf sein Lager sank und zum Tod erkrankte. Drei Tage und drei Nächte wachte, weinte und betete die Mutter bei ihrem geliebten Kinde, aber es starb. Da erfasste die Mutter, die nun allein war auf der ganzen Gotteserde, ein gewaltiger und namenloser Schmerz, und sie ass nicht und trank nicht und weinte, weinte, weinte wieder drei Tage lang und drei Nächte lang ohne Aufhören und rief nach ihrem Kinde. Wie sie nun so voll tiefen Leides in der dritten Nacht sass, an der Stelle, wo ihr Kind gestorben war, tränenmüde und schmerzensmatt bis zur Ohnmacht, da ging leise die Türe auf, und die Mutter schrak zusammen, denn vor ihr stand ihr gestorbenes Kind. Das war ein seliges Englein geworden und lächelte süß wie die Unschuld und schön wie Verklärung. Es trug aber in seinen Händchen ein Krüglein, das war schier übervoll. Und das Kind sprach: “O lieb Mütterlein, weine nicht mehr um mich! Siehe, in diesem Krüglein sind deine Tränen, die du um mich vergossen hast; der Engel der Trauer hat sie in dieses Gefäß gesammelt. Wenn du nur noch eine Träne um mich weinest, so wird das Krüglein überfließen, und ich werde dann keine Ruhe haben im Grabe und keine Seligkeit im Himmel. Darum, o lieb Mütterlein, weine nicht mehr um dein Kind, denn dein Kind ist wohl aufgehoben, ist glücklich, und Engel sind seine Gespielen.” Damit verschwand das tote Kind und die Mutter weinte hinfort keine Träne mehr. Um des Kindes Grabesruhe und Himmelsfrieden nicht zu stören, um des Kindes Seligkeit willen weinte sie keine Träne mehr, bezwang sie ihren ungeheuern tiefen Seelenschmerz. So stark und mächtig ist Mutterliebe!“

Deutsche Volksmärchen, Gebrüder Grimm

Trauer ist Teil unseres Lebens und ein für uns wichtiger Prozess der Verabschiedung und Loslösung. Tränen dürfen und sollen geweint werden. Aber eines Tages kommt der Moment, da genug der Tränen geflossen sind und es für uns Zeit ist, nach vorne zu blicken und unser Leben wieder aufzunehmen. Voller Liebe gedenken wir unserer Verstorbenen und Friede darf in unsere Herzen einziehen.