25 Jahre Pflege: Wie schaut es rückblickend aus? Was hat mir die Pflege gebracht?

Vielen Dank für diesen beeindruckenden Erfahrungsbericht einer Frau, die 25 Jahre lang ihre Eltern und ihren Mann betreut und gepflegt hat.

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Vor einem Jahr und drei Monaten ist mein Mann gestorben.

Wenn ich zurückschaue sind es fast 25 Jahre in denen ich meine Eltern und meinen Mann betreut und gepflegt habe. Meinen Mann und meine Mutter parallel.

Für meine Mutter habe ich zwischenzeitlich um einen Heimplatz angesucht, als es so weit war, habe ich es nicht übers Herz gebracht. Ich bin die einzige Tochter und sah es als eine Verpflichtung für sie da zu sein.

Ein Jahr bevor meine Mutter starb habe ich mir Unterstützung durch eine 24 h -Betreuerin geholt, die dann auch für meinen Mann da war.

Mein Mann litt an einer Altersdepression und wurde zunehmend dement, es war sehr schwer.

Wenn ich zurückschaue was würde ich anders machen?
Ich würde mir früher Hilfe holen. Immer hab ich mir gedacht, es geht schon, aber es war dumm von mir. Es fiel mir sehr schwer, mir freie Zeit zu schaffen, und wenn es mir gelang, konnte ich sie nicht genießen.

Was hat mir die Pflege gebracht?
Es gab nicht einen Moment, in dem ich es bereut habe!
Ich habe viel gelernt. Worüber andere sich aufregen, habe ich eine große Gelassenheit gewonnen.
Bin dankbar für jeden Tag. Dankbar für meine Gesundheit, und bin sehr zufrieden!

Wie ging es mir nach der langen Zeit der Pflegesituation?
Am Anfang, nach dem Tod meines Mannes, war sehr schwer. Ich machte mir Vorwürfe, dass ich ihm zuwenig Zuwendung gegeben habe, aber ich war so beschäftigt mit dem großen Haus und den täglichen Dingen.
Auch fiel mir das Alleinsein sehr schwer.

Jetzt nach einem guten Jahr kann ich das Alleinsein sogar genießen. Mache Dinge für die ich nie Zeit hatte und versuche mein Leben zu leben, mit dem Wissen meinen Lieben geht es gut, dort wo sie jetzt sind!

 

„Was sagen pflegende Angehörige zu unseren P.A.U.L.A. Kursen?“

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Welche Erfahrung aus dem Kurs nehme ich mit, die für mich wichtig sind?

  • Ich kann mit dem Thema Demenz viel leichter umgehen und der Alltag ist für alle Angehörigen lustiger und einfacher geworden
  • Ich versuche nicht alles persönlich nehmen.
  • Ich nehme für mich die vielen, vielen Beispiele, Anregungen und Hilfestellungen mit.

Was ich sonst noch sagen möchte…

  • Wenn ich (hoffentlich nicht) einmal dement werde, hoffe ich in solche kompetenten Hände wie hier zu kommen.
  • Danke, es war eine sehr interessante Zeit.
  • Der Kurs wurde sehr attraktiv und informativ abgehalten. Auf alle Fragen der Teilnehmer wurde super eingegangen.

In den P.A.U.L.A. Kursen vermitteln erfahrene und ausgebildete Demenz-Fachkräfte

  •  Hintergrundinformation zu Demenz
  •  zeigen Kommunikationsmöglichkeiten mit an Demenz erkrankten Personen auf
  • geben Anregungen für die jeweilige konkrete Situation

Und hier finde Sie unsere nächsten Kurstermine:

PAULA Kurs Bad Hall im März
PAULA Kurs Linz im Mai

 

Wenn zu Betreuende keine Hilfe zulassen wollen- Erfahrungsberichte und Motiv

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Im Gespräch mit Angehörigen, als auch mit den zu Pflegenden mache ich immer wieder die Erfahrung, dass es sehr schwer fällt Hilfe anzunehmen bzw. zuzulassen.

Die zu Pflegenden sind der Meinung, dass es (noch) nicht notwendig ist:“ Ich mache mir ja das meiste noch selber. Dann habe ich ja die Kinder, ich habe auch so viel für sie getan, die können sich schon kümmern um mich.“

Sie möchten oft die Realität nicht sehen, dass beispielsweise dringend Hilfe notwendig wäre, ob es um das Einnehmen der Medikamente geht, das Einkaufen oder die Wohnung in Ordnung zu halten. Manchmal vereinsamen die Menschen gar, wenn sie die Wohnung nicht mehr verlassen können, aber keine Hilfe annehmen wollen. Erschwert wird die Situation meist dann, wenn jemand dementiell erkrankt ist, weil da die Einsicht in eigene Defizite krankheitsbedingt oft ganz fehlen kann.

Aber auch jene, die vom  Partner gepflegt werden fällt es schwer fremde Hilfe anzunehmen, eine Aussage:“ Du schaffst das schon, ich will nicht, dass wer kommt, ich will niemand Fremden in der Wohnung haben.“

 Partner und Kinder übernehmen die Betreuung und Pflege oftmals ganz allein, sind aber damit überfordert.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Betreuung und Pflege dann gut geht, wenn sie auf möglichst breiten Beinen steht, wenn von mehreren Seiten Hilfe kommt, und zwar möglichst bald- nicht erst dann, wenn es nicht mehr geht!

Einen herzlichen Dank an Annemarie Aichinger, ehrenamtliche Mitarbeiterin für diesen Beitrag!

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Mag. Martin Eilmannsberger, Berater an der Servicestelle für pflegende Angehörige ergänzt um seine Erfahrungen zu diesem Thema, die sich aus seinen Beratungsgesprächen ergeben:

„Die Pflege meiner Mutter ist in den letzten Wochen ziemlich intensiv geworden, mein Vater hat bislang alles ganz gut im Griff gehabt, aber jetzt merke ich, dass er ziemlich überfordert ist. Die Wohnung ist nicht mehr so sauber, die Schmutzwäsche häuft sich bisweilen und die Unterstützung bei der Körperpflege der Mutter fällt ihm zusehends schwerer. Ich habe den Eindruck, dass er körperlich ziemlich nachlässt.  Wenn ich ihm dann vorschlage, er soll sich doch Mobile Hilfen ins Haus holen, oder ich ihm anbiete, dass ich seine Wäsche übernehme, blockt er ab. Und meint, dass er es schon schaffe. Wir haben dann immer wieder Streit deswegen und einmal hat er sogar gemeint: Du musst ja nicht kommen, du kritisierst mich ja nur!“ so klagte eine Frau kürzlich in der Beratung.

Die Tochter möchte ihren Vater unterstützen, er will unter allen Umständen alleine zurechtkommen und empfindet das Angebot der Tochter als Einmischung, Kontrolle oder Bevormundung – Kränkungen auf beiden Seiten sind die Folge.

Um Hilfe und Unterstützung annehmen zu können brauchen Betroffene oft Zeit und einen Weg des Trauerns um verlorene Fähigkeiten, körperliche Fitness – eine ausgiebige innere Auseinandersetzung mit der veränderten Situation. Sie brauchen da auch die Erfahrung der eigenen Grenze oder das Erlebnis von kleineren und größeren Zusammenbrüchen. Natürlich ist es für eine Tochter nicht leicht die mit sich und der Situation kämpfenden Eltern zu sehen – das macht auch traurig und manchmal hilflos.
Für die Tochter ist es aber  wichtig, Geduld zu haben, abzuwarten, den Vater seinen Weg gehen zu lassen und ihm Zeit zu geben mit dem nötigen Respektabstand: „Du sagt es, wenn du mich und meine Unterstützung brauchst!“