„Wie das Wetter im April“ – Aus dem Tagebuch einer pflegenden Angehörigen

tagebuchMutter startete vor 10 Tage wieder mal um 6h morgens wie so oft ins Krankenhaus zum vereinbarten Termin. Es war ihr nicht mehr recht gut gegangen die Tage vorher. Alles blühte  – der Wald, die Bäume, der Löwenzahn. Gelb wohin man schaute. Chemo wie gehabt, am nächsten Tag sollte sie wieder nach Hause kommen. Ja, sollte.

Der Blutdruck drückte sich und wollte partout nicht auf normale Höhe, also noch ein Tag dazu. Dann kam Fieber. Fehlende Abwehrkräfte wurden mit Antibiotika umgehend kompensiert. Das Fieber sank, also Aussicht auf die Heimreise. Über Nacht war’s wieder da. Anderes Antibiotikum. Fieber weg, Fieber wieder da. Hartnäckig halten sich die Entzündungswerte, und deren Herkunft ist nach wie vor ein großes Fragezeichen. Kaum dass Mutter aufwacht und man ein paar Worte zur ihr sagt, ist sie schon wieder weggeschlummert. So kann sie jedenfalls nicht heimgeschickt werden wurde uns gesagt.

Eine wahre Herausforderung für Ärzte, Krankenschwestern, Pflegepersonal und die Familie. Wenigstens der Blutdruck ist mittlerweile wieder normal. Es schien mir so, als sei uns allen eine Abwechslung vom Alltagstrott verordnet worden: meiner Mutter eine Vielzahl neuer Bettnachbarinnen verschiedenen Alters und doch guten Mutes trotz verschiedener Stadien der Krankheit, unserer Betreuerin ein Dienst in Wartestellung auf die ersehnte Nachricht auf die Heimkehr meiner Mutter (was ja täglich aufs neue sein konnte) und für mich eine ganz andere Urlaubswoche als geplant mit täglichem Besuch im Krankenhaus.

Die akute Auseinandersetzung mit dem Abschied nehmen liegt tageweise zum Greifen nahe. Wie sehr sich doch abrupt die Wichtigkeit der Dinge und der Begriff der Zeit von selbst verschieben. So vergehen die Tage in Hoffen und Bangen, wohltuender Nähe und Trennung, Rückblick und nicht stellbarer Prognosen. Und doch: die Hoffnung stirbt zuletzt.

Romana, Tagebuchschreiberin und pflegende Angehörige

Erleichterter Zugang zur Kurzzeitpflege

DSCF1804Kurzzeitpflegeplätze in Alten- und Pflegeheimen stehen für Pflegebedürftige für Aufenthalte bis zu drei Monaten zur Verfügung. Sie sollen die Betreuung und Pflege zu Hause längerfristig sichern und die pflegenden Angehörigen unterstützen.

Eine Kurzzeitpflege kann beispielsweise notwendig werden, wenn eine Überbrückung zwischen einem Krankenhausaufenthalt und der Wiederaufnahme der eigenständigen Haushaltsführung erforderlich ist, oder wenn pflegende Angehörige auf Urlaub fahren möchten und keine anderen Pflegepersonen im Haushalt sind.

Auskünfte über freie Plätze konnten bisher nur in den einzelnen Alten- und Pflegeheimen erfragt werden. Jetzt wurde eine Internetplattform ins Leben gerufen. Unter der Internetadresse www.kurzzeitpflegeboerse-ooe.at kann das aktuelle Angebot an Kurzzeitpflegeplätzen abgerufen werden.

Dabei kann die Suche nach Angeboten in bestimmten Bezirken oder das Angebot in ganz Oberösterreich auf einer Landkarte abgerufen werden. Gleichzeitig kann direkt eine Anfrage für den freien Platz an das betroffene Heim gesandt werden. Dieses prüft die Anfrage nach fachlichen Kritierien (ob die Pflege und Betreuung möglich ist) und gibt möglichst rasch eine Rückmeldung an die KundInnen.

Schlaganfall – Zeit ist Hirn!

Worauf es beim Schlaganfall ankommt, um schwere Folgeschäden zu vermeiden

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© Klinikum Wels-Grieskirchen, 2015

Schlaganfall: Nicht Schicksal, sondern Notfall!
Ein Schlaganfall ist eine plötzliche Durchblutungsstörung in einem Teil des Gehirns. Es gilt, möglichst viel Hirngewebe zu retten „Bei einem schweren Schlaganfall sterben pro Minute knapp 2 Millionen Nervenzellen ab. Für den Behandlungserfolg zählte jede Minute, die der Patient oder die Patienten früher ins Krankenhaus kommt“, weist Raffi Topakian, Leiter der Abteilung für Neurologie am Klinikum Wels-Grieskirchen auf das hohe Risiko hin. Bei einem Gefäßverschluss wird eine Infusion zur Wiedereröffnung des Gefäßes verabreicht („Lyse-Therapie“), wobei die Erfolgsaussichten vom frühen Behandlungsbeginn abhängen.

Bestimmte Faktoren können die Entstehung eines Schlaganfalls begünstigen:

  • Alter 60+
  • Bluthochdruck
  • Diabetes Mellitus
  • Bestimmte Herzerkrankungen, wie Vorhofflimmern und Herzklappenerkrankungen
  • Fettstoffwechselstörungen
  • Ausgeprägtes Übergewicht
  • Bewegungsmangel
  • Rauchen
  • Alkoholmissbrauch
  • Übermäßiger Stress

Die meisten Risikofaktoren können durch regelmäßige ärztliche Kontrollen, bewusste Lebensführung und medikamentöse Therapie kontrolliert werden.

3 von 4 Schlaganfällen werden von medizinischen Laien als solche identifiziert!
Anzeichen erkennen und richtig handeln:
Die Symptome eines Schlaganfalls treten typischerweise im Wachzustand plötzlich – schlagartig – auf. Nur jeder vierte Betroffene bemerkt die Ausfälle beim Aufwachen.

Anzeichen für einen Schlaganfall:
Halbseitige Schwäche oder Gefühlsstörung an Gesicht, Arm, Bein oder Teilbereichen
Sprachstörung: Schwierigkeiten zu sprechen oder Gesagtes zu verstehen
Sehstörungen: Gesichtsfeldausfall oder Doppeltsehen

Ist es ein Schlaganfall? So helfen Sie, Leben zu retten!
FAST-Test: Face, Arms, Speech, Time

F (Face/Gesicht): Bitten Sie die betroffene Person zu lächeln. Ist das Gesicht einseitig verzogen, deutet das auf eine Halbseitenlähmung.
A (Arms/Arme): Bitten Sie die Person, die Arme nach vorne zu strecken und die Handflächen nach oben zu drehen. Bei einer Lähmung können nicht bei Arme gehoben werden.
S (Speech/Sprache): Lassen Sie die Person einen einfachen Satz nachsprechen. Ist das nicht möglich oder klingt die Stimme unklar, liegt vermutlich eine Sprachstörung vor.
T (Time /Zeit): Jede Minute zählt, um Leben zu retten oder Folgeschäden zu vermeiden. Der Patient muss sofort ins Krankenhaus!

Bei Schlaganfall sofort ins Krankenhaus! Was ist zu tun?
Sofort Rettung rufen: 144
Erste Hilfe leisten: bei Bewusstseinsstörung oder Erbrechen Lagerung des Betroffenen auf der gelähmten Seite, Atemwege freihalten, Zahnprothese entfernen, Puls kontrollieren
Uhrzeit des Beginns der Beschwerden notieren
Medikamentenliste bereithalten

Manchmal verschwinden die Beschwerden nach wenigen Minuten. Dieses im Volksmund verharmlosend als „Schlagerl“ bezeichnete Ereignis muss als Vorbote eines drohenden schwerwiegenderen Schlaganfalls ernst genommen und umgehend ärztlich abgeklärt werden.

Krankenhaus-Medizin als Fürsorge für den Menschen

Senior and young holding hands„Du bedeutest uns etwas. Es ist gut, dass Du lebst.“
Krankenhaus-Medizin als Fürsorge für den Menschen

Wer sich zu Behandlung und Therapie ins Krankenhaus begibt, steht im Normalfall auf „schwachen Beinen“. Die PatientIn ist froh, wenn sie auf kompetentes Personal trifft, das darauf hört, was gesagt werden will. Sie möchte wahrgenommen und mit Aufmerksamkeit bedacht werden.
Ärzte und Pflegepersonal sind täglich gefordert, im medizinischen und pflegerischen Ablauf und in der Begegnung mit PatientInnen sehr präsent und kompetent „bei der Sache“ zu sein.

Die Entdeckung, dass durch die laufende Verteuerung der Medizin, der Bereich der Begegnung unter Druck gerät, scheint im Zuge von Rationalisierungen plausibel zu sein.

So warnte nun der Medizin-Ethiker Giovanni Maio vor industriellem Denken in Spitälern.
Er ist bioethischer Berater der Deutschen Bischofskonferenz und kritisierte in einem Vortrag an der Katholisch-Theologischen Privatuniversität Linz Kostendruck in Richtung eines „Durchschleusen von kranken Körpern“ (09.02.2015, Auszüge aus der Website kathweb.at)
Wenn „industrielles Denken“ in Spitäler einkehrt, bedeute dies, dass der Kostendruck der Krankenhausträger auf die Ärzte abgewälzt wird.
Maio plädierte in seinem Vortrag zum Thema „Medizin im Spannungsfeld von ärztlichem Heilen, Machbarkeit und Ökonomie“ für mehr Zeit und Aufmerksamkeit für Patienten.

Bei Spitalsreformen sei oft davon ausgegangen worden, die Medizin könne genauso wie industrielle Prozesse strukturiert werden. „Leider der falsche Ansatz“, meinte Maio. Seiner Ansicht nach erfahren junge Mediziner mitunter bei Dienstantritt in einem Spital, dass Sorgfalt als potentielle Verschwendung gelte. Belohnt werde der, der möglichst viele Patienten durchschleuse. „Junge Ärzte kommen mit guten Dispositionen – und sehen sich mit dem Vorwurf konfrontiert, den Betrieb aufzuhalten. So wird Medizin reduziert auf den Vollzug.“ Maio sprach wörtlich von einem „Salonfähig-Werden der inneren Teilnahmslosigkeit“. Leidtragende seien die Patienten, für die nicht mehr genug Zeit aufgewendet werden könne.

Ärzte bräuchten Zeit – und Autonomie, um über diese zu verfügen: „Die Heilkräfte wissen selbst am besten, was gut für den Menschen ist.“ Zu forcieren sei eine „Medizin des Sprechens“, in der Ärzte ihre dialogische Kompetenz einsetzen, um Verunsicherung beim Patienten zu vermeiden.

Vertrauen im Verhältnis von Patient und Arzt basiere auf mehr als auf Sachkenntnis, unterstrich Maio. Letztlich könne man als Mediziner nur helfen, wenn man Kranken gegenüber Wertschätzung zum Ausdruck bringt.

Dieser Text stammt von der Webseite http://www.kathweb.at/site/nachrichten/database/67788.html des Internetauftritts der Katholischen Presseagentur Österreich.

Ein herzliches Danke an Heinz Häubl (Sozialarbeiter, Psychotherapeut, Supervisor, Online-Berater der Servicestelle Pflegende Angehörige) für diesen Text!

„Ein kleines Wunder“ – Aus dem Tagebuch einer pflegenden Angehörigen

„Zwei Jahre betreute ich Frau M. Ich half ihr beim Baden und bei der Körperpflege. Sie ist bereits 93 Jahre und war bis Dezember 05 noch sehr selbstständig. Doch dann verschlechterte sich ihr Allgemeinzustand drastisch. Sie bekam starke Schmerzen im Bauchbereich und wurde in das Krankenhaus eingeliefert. Dort stellte man Nierensteine fest. Sie wurde sofort operiert, wobei auch ein Stück des Darmes entfernt werden musste. Die Ärzte teilten den Angehörigen mit, dass ihre Mutter nun Pflege rund um die Uhr benötigt und dass die Pflege zu Hause kaum mehr zu bewältigen ist.

So kam Frau M. im Februar 2006 in ein Pflegeheim. Dort verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand immer mehr. Sie hatte mit ihrem Leben abgeschlossen, sprach kaum mehr und verweigerte das Essen. Nach weiteren zwei Monaten war sie so weit abgemagert, dass man sich entschloss sie wiederum ins Krankenhaus zu geben um eine Sonde zu setzen. Dazu wurden die Angehörigen ins Krankenhaus gebeten um die Einwilligung zu unterschreiben. Doch ihr Sohn sagte: „Nein, wenn meine Mutter nicht mehr essen will, hole ich sie heim! Sie soll in Würde sterben!“

So rief der Sohn von Frau M. Anfang Mai bei mir an und bat mich um Unterstützung in der Pflege. Wir organisierten sofort ein Pflegebett und alle Dinge, die wir zu Hause brauchten. Als ich das erste Mal zu Frau M. kam, glaubte ich, dass das sicher nur eine Betreuung für eine Woche werde. Doch ich täuschte mich. Mit jedem Tag, den ich zu ihr kam, ging es ihr besser. Sie fing langsam an zu essen und zu reden. Man glaubt schon fast an Wunder, wenn man sie sieht. Mit roten Backen und mit einem Lachen im Gesicht werde ich täglich begrüßt. “Zuhause ist es am Schönsten!”, sagt sie zu mir immer wieder. Mittlerweile wird sie mit dem Rollstuhl in den Garten geschoben und nimmt wieder am Familienleben teil.“

Elfi, Tagebuchschreiberin und pflegende Angehörige