Rechtliche Änderungen für pflegende Angehörige

questions-1014060_1920Wenn eine Pflegesituation eintritt oder man mittendrin ist,  steht man oft vor einem Haufen mit vielen Fragen. Hier finden Sie die neuesten bundesweit rechtlichen Änderungen für pflegende Angehörige.

Folgende Neuerungen finden Sie unter Wissenswertes:

  • Erhöhung Fördersumme für Pflegehilfsmittel und Wohnraumadaptierung
  • und die neue Novelle des Patientenverfügungsgesetzes

https://www.caritas-linz.at/hilfe-angebote/service-fuer-pflegende-angehoerige/wissenswertes-und-tipps/

Sondenernährung, ja oder nein? (Teil II)

Senior and young holding hands Aus der Online-Beratung.
Franziska Gaigg, Dipl. Gesundheits- und Krankenschwester und ehrenamtliche Mitarbeiterin der Servicestelle für Pflegende Angehörige formuliert für eine verzagte Mail-Schreiberin:

„Liebe Frau Ulli, Ihrer Anfrage nach befinden Sie sich, aber auch Ihre Mutter in einer sehr schwierigen und seelisch belastenden Situation. Ihre kurze Schilderung hat mich sehr bewegt, da ich in meiner beruflichen Tätigkeit als Krankenschwester oft damit konfrontiert wurde, aber auch in meinem persönlichen Umfeld zu dem Thema der künstlichen Ernährung eine Entscheidung treffen musste.
 
Vorrangig ist immer, ob Ihre Mutter noch die Möglichkeit hat eine eigene Entscheidung zu treffen. Eine Ernährungssonde darf niemals gegen den Willen des Betroffenen gelegt werden. Der Wille Ihrer Mutter ist aber möglicherweise nicht deckungsgleich mit dem was Sie in der gleichen Situation wollten.
Auf Grund Ihrer Schilderung und in Anbetracht der dramatischen Krankengeschichte gehe ich aber davon aus, dass Ihre Mutter nicht mehr in der Bewusstseinslage ist eine Entscheidung zu treffen.
 
Wenn Sie “stellvertretend” die Entscheidung treffen müssen kann das sehr schwer und belastend sein. Versuchen Sie sich zu erinnern, ob ihre Mutter in Zeiten in denen es ihr noch besser ging, Aussagen darüber gemacht hat ob sie in einer Situation wie dieser eine Sonden Ernährung gewollt hätte. Wie ist sie grundsätzlich zu lebensverlängernden Maßnahmen gestanden? Haben vorausgegangene Gespräche zum Thema Tod mit anderen Personen in der Familie oder mit Vertrauenspersonen stattgefunden? Wie war die Haltung Ihrer Mutter zu Krankheit und Betreuung am Lebensende? Hat Ihre Mutter eine Patientenverfügung gemacht oder mit jemanden darüber gesprochen?
 
Eine eingehende Besprechung und Beratung mit den behandelnden Ärzten über den Nutzen, Vorteile oder Nachteile einer Ernährungssonde bei Ihrer Mutter ist unumgänglich und kann Ihnen eine kleine Hilfe sein, wenn Sie die Entscheidung treffen müssen.
 
An vorderster Stelle für die Entscheidung steht aber:  Was dient nach Ihrer Meinung dem Wohl Ihrer Mutter am meisten?
 
Die große Sorge von Betroffenen dass sie Ihre Angehörigen nicht verhungern oder verdursten lassen können ist meistens unbegründet, da besonders wenn eine Krebsdiagnose oder wenn Bewusstseinsstörungen vorliegen das Hunger- und Durstgefühl nicht mehr vorhanden ist.
 
Zu Ihrer Fragestellung bzgl. ethischen/moralischen Alternative zu lebensverlängernden Maßnahmen, insbesondere künstliche Magensonde liegt die ethische Begründung bei den Ärzten unter Abwägung der Vor-und Nachteile einer Sonde. Die moralische Betrachtung ist eine sehr persönliche, die leider oft als Druck anlastet und Schuldgefühle zurücklässt. Die Entscheidung sollte aber keine Schuldgefühle zurücklassen und wenn im Sinne Ihrer Mutter gehandelt wird, ist es die richtige Entscheidung.
 
Ich hoffe ich konnte Ihnen mit meinem Beitrag Ihre Anfrage ausreichend beantworten. Sollten aber noch Fragen offen geblieben sein, werde ich Ihnen gerne antworten.
 
Alles Gute und viel Kraft in dieser schweren Zeit.“

Wenn auch Sie etwas beschäftigt oder belastet, dann schreiben Sie uns.
Wir nehmen uns Zeit für Ihr Anliegen.

Unsere ONLINE Beratung

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Ihre Angaben werden streng vertraulich behandelt und können ausschließlich von unserem Team gelesen werden. Innerhalb von 48 Stunden erhalten Sie Antwort.

Zur Online-Beratung für Pflegende Angehörige: http://www.pflegende-angehoerige.or.at/beratungsangebote/online-beratung/online-beratung/

Patientenverfügung – eine Entlastung für die Angehörigen

1939742_513182805452954_1662707199661352465_o„Mein Mann wollte nie über den Tod oder das Sterben reden. Das Thema hat er immer weggeschoben. Und jetzt soll ich entscheiden, welche Behandlung er in der letzten Phase seines Lebens erhalten soll: noch eine Antibiotikabehandlung? Künstliche Ernährung? ….  Fragen kann man ihn nicht mehr, die Demenz ist sehr weit fortgeschritten. Er tut mir leid, aber gleichzeitig bin ich wütend auf ihn! Wie immer ich entscheide, ich hab das Gefühl, es wird falsch sein!“

Jeder wünscht sich ein menschenwürdiges Sterben: schmerzfrei, apparatelos, begleitet und schnell vorbei.

Aber – entsprechend der gesellschaftlichen Tendenz – wird der Tod als Teil des Lebens beiseite geschoben und verdrängt. Ein Reden darüber fällt vielen Menschen sehr schwer. Dabei wäre es angesichts der medizinischen Möglichkeiten äußerst wichtig, sich mit Fragen auseinanderzusetzen wie:

  • Welche medizinischen Maßnahmen sollen bei mir noch angewandt werden, etwa wie lange sollte ich noch Antibiotikabehandlung erhalten?
  • Kommt eine künstliche Ernährung in Frage?
  • Wie sieht eine gute Schmerztherapie aus?
  • Wer soll meine Interessen vertreten, wenn ich es nicht mehr kann?
  • ….

Rechtzeitiges Formulieren der eigenen Bedürfnisse kann ein individuell würdiges Sterben sichern, entlastet aber auch das Angehörigensystem und erleichtert ihnen die Begleitung.

Nicht selten bekomme ich in der Beratung familiäre Konflikte bezüglich der Behandlung des Betroffenen mit. Wie eingangs am Beispiel sichtbar geworden, ist die große Not, Entscheidungen treffen zu müssen, letztendlich immer eine Überforderung.
Die Auseinandersetzung mit und das Reden über das Sterben verleiht dem Leben und den Beziehungen zu den nahen Menschen Tiefe und kann es enorm bereichern. Der Tod ist Teil unseres Lebens und verleiht ihm seine Einmaligkeit.

Eine Patientenverfügung bietet die Gelegenheit, die Ergebnisse der persönlichen Auseinandersetzung im Gespräch mit einem Arzt zu verschriftlichen. Ob eine beachtliche oder verbindliche Patientenverfügung angedacht wird ist dann zu entscheiden.

Weiterführender Link:
https://www.help.gv.at/Portal.Node/hlpd/public/content/36/Seite.360200.html

Text: Mag. Martin Eilmannsberger, Berater der Servicestelle Pflegende Angehörige, Theologe und Sozialarbeiter

Sondenernährung, ja oder nein? (Teil I)

Eine PEG-Sonde zu verwenden, braucht eine umfassende Beratung und Klärung. (PEG steht für perkutane endoskopische Gastrostomie und ist ein endoskopisch angelegter künstlicher Zugang von außen zum Magen.)
Aufgrund meiner Erlebnisse in der Praxis, in der mobilen Betreuung und im Altenheim, möchte ich meine Skepsis zum Ausdruck bringen. Der Einsatz einer PEG-Sonde soll nicht leichtfertig erfolgen.

Künstliche Ernährung um welchen Preis?
Ja, es ist eine schwierige Frage.
Was soll geschehen, wenn die PEG-Sonde‚ im Raum steht?
Haben Sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht?
Wenn Sie in die Lage kommen sollten und nicht mehr für sich selbst entscheiden könnten, wer wird für Sie entscheiden?
Oder was möchten Sie tun, wenn Sie für Ihre Eltern entscheiden müssten?
Wer entscheidet dem Recht nach? Ist der Wille des Patienten bekannt, wie sprechen sich die Angehörigen, wie die Ärzte aus?
Also: viele offene Fragen.

Meine persönlichen Erfahrungen mit der PEG Sonde in der mobilen Betreuung, im Seniorenheim und auch in der eigenen Familie waren sehr schmerzlich und lehrreich.
Eine Betroffene, der ohne eingehende Beratung eine PEG-Sonde gesetzt wurde, sagte zu mir: „Warum macht man so etwas, bitte nehmen Sie mich und tragen Sie mich in die Donau!“
Die Angehörigen äußerten sich auch verzweifelt: „Was haben wir nur unserer Mutter mit unserer Zustimmung zur Sonde angetan?!“
Eine Ärztin äußerte sich dagegen so: „Eine PEG-Sonde zu setzen, wird heute weltweit gemacht, es braucht also niemand zu verhungern.
Wollen Sie Ihre Mutter verhungern lassen?!“

Nun gibt es ganz sicher Situationen, in denen die Sonde gut und hilfreich ist und es wäre zu einfach, sie generell abzulehnen.

Wünschenswert wäre, sich vorweg schon zu informieren, und ausreichende Information zu gegebener Zeit zu bekommen, damit die Betroffenen und deren Angehörige sich entscheiden können.
Ganz selten ist diese Frage vorweg ausreichend geklärt, gerade auch bei älteren Menschen nicht.
Sprechen Sie Ihre Eltern an, fragen Sie sie: „Wie hättest du es gerne, wie soll ich für dich entscheiden, wenn du es nicht mehr können solltest?“
Eine gute Möglichkeit ist natürlich die Patientenverfügung, wo jede Person für sich festhalten kann, was sie im Falle der Handlungs-Unfähigkeit von den Heilberufen möchte und was sie nicht möchte!

Unzureichende Nahrungsaufnahme oder „Nahrungsverweigerung“ können Signale nach mehr oder besonderer Zuwendung sein.
In meiner 20-jährigen Arbeit mit alten, kranken und sterbenden Menschen habe ich die Erfahrung gemacht, „Nahrungsverweigerung“ kann auch heißen, „Ich möchte nicht mehr leben!“
Ich, für mich, möchte dann jedenfalls ernst genommen werden und nicht gegen meinen Willen mittels Sonde ernährt werden!

Text: Annemarie Aichinger
Pensionierte Altenfachbetreuerin und Altenheimseelsorgerin

Teil II zum Thema „Sondenernährung, ja oder nein?“ bringen wir in Kürze