Das Glück

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Da zerrten ein paar Engelchen hoch in den Lüften an einem Paket herum. Paket?
Das war ein Riesending.
Größer als im Normalfalle ein Kleiderschrank.
Für diesen ganz bestimmt nicht alltäglichen Lufttransport wären natürlich mehr Kräfte erforderlich gewesen, mehr von diesen geflügelten.
Aber man weiß ja genau, wie das so läuft.

Einer sagt: „Die sind sich nur gegenseitig im Wege!“ Und zuletzt kommt dann noch einer mit dem Personalmangel im Himmel.
„ Was ist den da drin?“ fragte ich neugierig. Sicher mich ging das nichts an. Aber es kam eben so über mich.
Vorerst bekam ich ohnehin keine Antwort.
Nebenbei dachte ich, die Engelchen sehen aus wie die von Leonardo da Vinci und könnten bereits für einen Auftritt als Weihnachtsengelchen geschult sein.

Eines von ihnen musste nach einer Weile niesen.
Klar das feuchtkalte Wetter und das Temperaturgerangel am Nullpunkt.
Dann nur das dünne Hemdchen am Leib.
Ein Engelchen nieste zur Gesellschaft mit. Und schon war es passiert.
Das Paket entglitt. Völlig Führerlos sauste es zur Erde hinunter.
Zu sehen war gerade noch, wie es auf den Abwärtswege auseinander brach.
Die lieben Engelchen begannen zu weinen.
Gern hätte ich ihnen geholfen, zugeredet, etwas Tröstliches gesagt. Aber ich wusste ja nicht, was sie verloren hatten.

Bis dann eines der himmlischen Wesen verriet, im Paket sei für alle Menschen das Glück gewesen, für jeden Einzelnen das ersehnte Glück.
Jetzt liegt also das Glück für jeden von uns herum.
Irgendwo in der Landschaft.
Eigentlich könnte es einen ja beruhigen.
Leider aber ist der Fall nicht ganz einfach.
Jetzt muss jeder selber sein Glück suchen!

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Die Servicestelle Pflegende Angehörige wünscht Ihnen fröhliche und besinnliche Weihnachten.

Adventgedanken

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pixabay.com

Sonntag ist schon der dritte Advent!
So spät schon, oh Gott wie die Zeit doch rennt.
Ich muss noch backen und Geschenke kaufen,
wie jedes Jahr ist es zum Haare raufen.

Dabei habe ich mir fest vorgenommen –
mehr Ruhe, lass keine Hektik aufkommen!
Moment, ich muss öffnen, es klingelt an der Tür,
mein Nachbar steht mit einem Blumenstrauß vor mir.

Er wünscht mir schon jetzt ein frohes Fest,
weil er über Weihnachten die Stadt verlässt.
Mit einmal wird mir ums Herz ganz warm
und ich nehme den Nachbarn in den Arm,
drücke ihn an mich und sage leise Danke
– danke für deine Gabe.
Und spüre dabei die Ruhe, die ich in mir habe!

Advent, besinnliche Zeit, ich hab sie gespürt,
durch einen Menschen, der mich gerührt.

Gibt es ein Christkind?

Die 8jährige Virginia aus New York schrieb der Tageszeitung „Sun“ diesen Brief:

„Ich bin acht Jahre. Einige von meinen Freunden sagen, es gibt kein Christkind.
Papa sagt, was in der “Sun“ steht, ist wahr. Bitte sagen Sie mir: Gibt es ein Christkind?“

decorating-christmas-tree-2999722_1920Chefredakteur Francis Church antwortete auf der Titelseite seines Blattes:

„ Virgina“, deine kleinen Freunde haben nicht recht. Sie glauben nur, was sie sehen. Sie glauben, dass es nicht geben kann, was sie mit ihrem kleinen Geist nicht erfassen können. Aller Menschen Geist ist klein; ob er nun einem Erwachsenen oder einem Kind gehört. Im Weltall verliert er sich wie ein winziges Insekt. Solcher Ameisenverstand reicht nicht aus, die ganze Wahrheit zu erfassen und zu begreifen.

Ja, Virgina, es gibt ein Christkind. Es gibt es so gewiss, wie die Liebe und Großherzigkeit und Treue. Weil es all das gibt, kann unser Leben schön und heiter sein. Wie dunkel wäre die Welt, wenn es kein Christkind gäbe! Es gäbe dann auch keine Virgina, keinen Glauben, keine Poesie- gar nichts, was das Leben erst erträglich macht. Ein Flackerrest an sichtbarem Schönen bliebe übrig. Aber das Licht der Kindheit, das die Welt ausstrahlt, müsste verlöschen.

Es gibt ein Christkind. Sonst könntest du auch den Märchen nicht glauben. Gewiss, Du könntest Deinen Papa bitten, er solle am Heiligen Abend Leute ausschicken, das Christkind zu fangen. Und keiner von ihnen bekäme es zu Gesicht – was würde das beweisen? Kein Mensch sieht es einfach so. Das beweist gar nichts. Die wichtigsten Dinge bleiben meistens unsichtbar. Die Elfen, zum Beispiel, wenn sie auf Mondwiesen tanzen. Trotzdem gibt es sie. All die Wunder zu denken – geschweige denn, sie zu suchen – das vermag nicht der Klügste auf der Welt.

Was du auch siehst: Du siehst nie alles. Du kannst ein Kaleidoskop aufbrechen und nach den schönen Farbfiguren suchen. Du wirst einige bunte Scherben finden, nichts weiter.

Warum? Weil es einen Schleier gibt, der die wahre Welt verhüllt, einen Schleier, den nicht einmal alle Gewalt auf der Welt zerreißen kann. Nur Glaube, Poesie und Liebe können ihn lüften. Dann werden die Schönheit und Herrlichkeit dahinter auf einmal zu erkennen sein.

„Ist das denn auch wahr“, kannst Du fragen: Virgina, nichts auf der ganzen Welt ist wahrer und nichts beständiger. Das Christkind lebt, und ewig wird es leben. Sogar in zehnmal zehntausend Jahren wird es da sein, um Kinder wie Dich und jedes offene Herz mit Freude zu erfüllen.

Frohe Weihnacht, Virgina.

Dein Francis  P. Church.“

Der Briefwechsel zwischen Virgina und Francis P. Church stammt aus dem Jahr 1897. Er wurde bis zur Einstellung der „Sun“ 1950 alle Jahre zu Weihnachten auf der Titelseite der Zeitung abgedruckt.

Frohe und besinnliche Weihnachten wünscht Ihnen das Team der Servicestelle Pflegende Angehörige.