Pflegegeld (Teil I): „Ab wann kann man Pflegegeld beanspruchen?“

clause-192561_1280Pflegegeld wird oftmals zu spät von den Angehörigen beantragt. Grund dafür ist beispielsweise, dass die Beantragung des Pflegegeldes für die betroffene Person ein Eingeständnis ihrer Hilfsbedürftigkeit ist oder auch die Unwissenheit, dass ein Anspruch bestehen würde.

In mehreren Blogbeiträgen möchte ich mehr Verständnis über den Anspruch auf Pflegegeld, das Pflegegeldverfahren und rechtlichen Möglichkeiten schaffen.

Dieses Mal widme ich mich dem Thema „Ab wann kann man Pflegegeld beanspruchen?“.

Pflege wird verstanden als „jemanden zu versorgen, der hilflos ist“. Dieses Verständnis ist falsch. Ein gesetzlicher Anspruch auf Pflegegeld besteht bereits:

  • auf Grund einer körperlichen, geistigen bzw. psychischen Behinderung oder einer Sinnesbehinderung ständig Betreuung und Hilfe in einem Mindestausmaß von mehr als 65 Stunden monatlich erforderlich ist,
  • dieser Zustand mindestens 6 Monate andauert und
  • der gewöhnliche Aufenthalt des/der Pflegebedürftigen im Inland liegt.

Hervorheben möchte ich hier die mehr als 65 Stunden und welche Tätigkeiten in der Begutachtung durch einen Arzt des jeweiligen Versicherungsträgers in diese mit einfließen. Es werden auch bei der ersten Begutachtung selten alle Stunden pro Monat zugesprochen.

Beispiele Bewertung im Arztgutachten Stunden pro Monat
Tägliche Körperpflege 25
Zubereiten von Mahlzeiten 30
An- und Auskleiden 20
Alternativ: Vorrichten der Kleidung bzw. Hilfe bein An-und Auskleiden der oberen und unteren Körperhälfte 10
Alternativ: Hilfe bei einzelnen Kleidungsstücken (Schuhe, Strümpfe) 5
Hilfestellung beim Kochen 10
Herbeischaffung von Nahrungsmitteln, Medikamenten und Bedarfsgütern des täglichen Lebens 10
Reinigung der Wohnung und der persönlichen Gebrauchsgegenstände 10
Pflege der Leib- und Bettwäsche 10
Beheizung des Wohnraumes einschließlich Herbeischaffung des Heizmaterials 10

Fühlen Sie sich angesprochen? Wenn ja dann stellen Sie einen Antrag  auf Pflegegeld.

Wo finden Sie diesen?

  • Bei den jeweiligen Gemeindeämtern
  • Bei den Sozialversicherungsanstalten
  • Im Internet unter:

http://www.pensionsversicherung.at/cdscontent/load?contentid=10008.577932&version=1456496003

Wichtig ist, dass Sie als pflegende Angehörige die Stunden, die Sie für die Pflege benötigen, dokumentieren. Das kann einfach in einem Heft geschehen.
Als Beispiel:

Donnerstag 1.10. 2016
9:00 – 9:30 Ankleiden

9:30 – 9:45 Zubereiten Frühstück
11:00 – 12:00 Einkaufen, Besorgung von Medikamenten

Text: Angela Senzenberger (sie arbeitet und studiert an der juridischer Fakultät Salzburg)

Bei Fragen kontaktieren Sie bitte die Servicestelle für pflegende Angehörige:
Tel. 0676 8776-2440 oder per Mail pflegende.angehoerige@caritas-linz.at

Wie Sie rechtzeitig die Pflegestufe überprüfen können

Haben Sie gewusst,
dass Sie im Pflegegeldverfahren den Befund des Gutachters bezüglich Pflegestufe in Kopie bei der zuständigen Stelle anfordern können
und auch bekommen müssen?

So können Sie auch selbst schon die Pflegestufe überprüfen. Sie ersehen daraus, welche Pflegeverrichtungen in welchem Stundenausmaß der Gutachter anerkannt hat und können dann entscheiden, ob Sie gegen den Bescheid berufen.

Für diese Berufung (Klage beim Arbeits- und Sozialgericht) entstehen für Sie keinerlei Kosten und auch eine Schlechterstellung brauchen Sie nicht zu befürchten.

Mag.a Christine Brunhuber

Wir unterstützen Sie gerne dabei!
Mag.a Christine Brunhuber, Juristin
(Verfasserin des Textes)

Die Servicestelle für pflegende Angehörige stellt Menschen mit persönlicher Betreuungs- und Pflegeverpflichtung zuhause ein rechtliches Beratungsangebot zur Verfügung.

Mehr über unser rechtliches Beratungsangebot BASIS erfahren Sie unter:
www.pflegende-angehoerige.or.at/beratungsangebote/basis-rechtliche-beratung/

Rechtliche Beratung – BASIS

Marlene Mayr, Leiterin der Caritas Servicestelle Pflegende Angehörige, informiert in einem Artikel zum Thema „Rechtliche Beratung – BASIS“ über

  • das kostenlose Beratungsangebot BASIS zur Klärung rechtlicher Fragen von pflegenden Angehörigen
  • finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten für pflegende Angehörige
  • Pflegegeld im Besonderen

Artikel „Rechtliche Beratung – BASIS“ zum Download

Dieser Artikel ist im Rahmen der Serie „Pflege daheim – aber wie?“ von Caritas Oberösterreich & Neues Volksblatt erschienen: www.caritas-linz.at/aktuell/pflege-daheim-aber-wie/

Weitere Informationen zu rechtlichen Angelegenheiten finden Sie auch auf unserer Homepage unter www.pflegende-angehoerige.or.at

Vortrag „Recht haben, Recht bekommen, Recht behalten“

Wenn die Betreuung und/oder Pflege eines Angehörigen übernommen wird, sind alle Beteiligten mit einer Vielzahl von Fragen konfrontiert.

  • Welche persönlichen oder technischen Entlastungshilfen gibt es? Wo
    bekomme ich sie und wie finanziere ich diese?
  • Ist eine Wohnraumadaptierung nötig bzw. möglich und wie kann ich sie
    finanzieren?
  • Ist ein Heimplatz erforderlich? Was ist dabei zu beachten?
  • Wie kann ich Mobile Dienste organisieren und wie finanzieren?
  • Wie organisiere ich eine 24-Stunden-Betreuung und was ist dabei zu
    berücksichtigen?

Zudem können Fragen in Bezug auf Pflegegeld, Erbrecht bzw. Vertretung / Sachwalterschaft auftauchen. Finanzielle und rechtliche Aspekte sind ein wichtiges Fundament, damit Pflege und Betreuung für alle gut gelingen kann.

Mag.a Christine Brunhuber gibt einen Überblick über diese Grundlagen und steht darüber hinaus auch für die Beantwortung konkreter Fragen zur
Verfügung.

Referentin: Mag.a Christine Brunhuber, Linz

Mittwoch, 17. Oktober 2012
15.00 – 18.30 Uhr
Pfarrheim Ternberg
Pfarrhofstraße 10
4452 Ternberg

Eintritt frei, freiwillige Spenden erbeten.

Veranstalter / Information:
Caritas für Betreuung und Pflege
Servicestelle Pflegende Angehörige
Bethlehemstraße 56-58, 4020 Linz
Tel.: 0676 / 8776 2444
marlene.mayr@caritas-linz.at
www.pflegende-angehoerige.or.at