Glauben Sie an Engel?

„Glauben Sie an Engel?“, fragte mich eine Journalistin und hatte mein Ja längst eingeplant. „Vor allem glaube ich an Gott!“, antwortete ich, denn damit hatte ich eigentlich alles gesagt. Dass Gott mich behütet, glaube ich gewiss. Ob er sich dabei menschlicher Helfer oder unsichtbarer Boten bedient, ist für mich weniger wichtig.                                                 (Hinrich C.G. Westphal/evangelischer Pfarrer und Journalist)“

„Dich schickt der Himmel“ – bedeutet „du kommst genau zum richtigen Zeitpunkt, ich brauche dich.“ Dieser Ausspruch bringt zum Ausdruck, wie nötig die Hilfe, der Beistand, die Anwesenheit eines Menschen erlebt wird und vielleicht sogar erwartet wurde.

Wie sieht es in diesem Zusammenhang mit pflegenden und betreuenden Angehörigen aus? Sind sie auch so etwas wie Engel?angel-640996_960_720

Ein Mensch vom Himmel geschickt, der da ist und die Not der bedürftigen Ehefrau oder des alten, verwirrten Vaters sieht und lindert. Beisteht und bei vielen Tätigkeiten unterstütz oder sie zur Gänze übernimmt, damit ein verbleib in den eigenen vier Wänden oder im Familienverband möglich ist.

Für viele Angehörige ist es selbstverständlich ihre Angehörigen zuhause zu pflegen. Sie würden sich das für sich auch wünschen oder sie wollen etwas zurückgeben oder sie haben es den Eltern versprochen, … So gibt es viele individuelle Motive die Pflege zu übernehmen. Es wird aber auch erzählt, dass es nicht immer eine bewusste Entscheidung sein muss, an der Seite eines Menschen zu sein und ihm beizustehen auf seinem Weg bis zum Lebensende. Manchmal ergibt es sich oder das Gefühl der Verpflichtung ist so groß oder eine Situation bietet einfach keine Alternative.

Wie auch immer man zur Betreuung und Pflege eines Angehörigen kommt, im Rückblick und auch während der Pflege ist oft von wertvollen Erfahrungen, persönlichem Wachsen und von Liebe die Rede. Aber ich höre oftmals auch ein erschöpftes Hinterfragen, wie man das alles geschafft hat bzw. schaffen soll, was die Pflege einem abverlangt.

 Menschen sind Menschen und müssen keine „Vollzeit – Engel“ sein!

In der Beratung erlebe ich Menschen die das was ihnen die Pflege abverlangt nicht schaffen und sich dafür oftmals auch noch verurteilen. Sie sind erschöpft und ausgebrannt von den vielen Aufgaben und Aufträgen die sie bekommen und glauben erfüllen zu müssen. Sie sehen sich in einer ausweglosen Situation und keine Möglichkeit zu entkommen. Wenn sie sich zurück nehmen und auch auf sich achten kommen Vorwürfe, das schlechte Gewissen und die Schuldgefühle. Wenn sie auf sich vergessen und ihre Bedürfnisse immer hintanstellen wird die Energie, die Lebensfreude und die Möglichkeit sich abzugrenzen immer weniger.

Daher ist mir in der Beratung wichtig auf die Notwendigkeit der Selbstsorge, der Entwicklung eines gesunden Egoismus und eines Ausgleichs von Geben und Nehmen aufmerksam zu machen. In der Pflege beobachte ich, dass nicht zu wenig geleistet wird sondern zu viel. In der Beratung bemühe ich mich das sichtbar zu machen, denn aus der Selbstverständlichkeit heraus wird die getane Arbeit oft nicht mehr gesehen. Und ich ermutige zur Inanspruchnahme professioneller Helfer, für mich so etwas wie bezahlte Engel.

Einen herzlichen Dank an Helene Kreiner-Hofinger für diesen Beitrag!

Die Angebote der Caritas zur Unterstützung für die Pflege reichen von den Mobilen Diensten und der 24h-Hilfe, über Erholungstage bis zu Gesprächsgruppen, Vorträgen und psychosozialer Beratung.

Lassen Sie sich in ihrer wertvollen und wichtigen aber auch herausfordernden Pflege Ihres/r Angehörigen unterstützen und dadurch auch entlasten und stärken.

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„Das Lachen ist der Hoffnung letzte Waffe …“: Erfahrungsberichte+Texte

In einer Gesprächsgruppe für betreuende und pflegende Angehörige ist das Behalten von Humor und Hoffnung- trotz schwerer Erkrankung ihrer Angehörigen“  Thema. Gedanken, die in ähnlicher Form wahrscheinlich viele betreuende und pflegende Angehörige kennen:

Frau A., pflegende Angehörige ihres an Demenz-erkrankten Gatten äußert folgende Schwierigkeit in ihrem Alltag: „An manchen Tagen ist das Befinden meines Mannes besser, die Symptome weniger stark ausgeprägt. Ich bin dann erleichtert und hoffe darauf, dass es öfter solche Tage gibt, aber darf ich überhaupt hoffen, wenn mein Mann an einer sich verschlechternden Krankheit, wie einer Demenz leidet?“ Außerdem ertappe ich mich öfters dabei, dass ich mich maßregle, wenn ich kurze Momente der Freude empfinde, weil ich doch keine Freude empfinden sollte, wenn es meinem Mann so schlecht geht“.

Frau R., betreuende Angehörige ihrer Mutter ergänzt: „das kenne ich. Ich empfinde fast so etwas wie ein schlechtes Gewissen, wenn ich Spaß empfinde und mich wohl fühle. Aber muss ich wirklich mit meiner Mutter mitleiden, darf ich nicht trotz alledem schöne Dinge erleben und genießen?“

Frau T., pflegende Angehörige ihres pflegebedürftigen Gatten, fasst zusammen: „Das kenne ich auch. Ich fühle mich so verbunden mit meinem Mann, wie darf ich überhaupt froh sein und Freude empfinden, wenn er so leidet“

Zu diesem Thema möchte ich Ihnen heute einen Text vorstellen, der die Bedeutsamkeit der Hoffnung als Grundhaltung im Leben und in der Betreuung herausstreicht.

Mit dem Blick der Hoffnung

Hoffnung kann ein Gefühl sein – das leider oft genau dann verschwindet, wenn es mir schlecht geht.

Hoffnung ist aber auch eine Grundhaltung, für die ich mich bewusst entscheiden kann.

Es liegt an mir, worauf ich meinen Blick richte: nur auf Frustrierendes, Beängstigendes oder auch – besonders – auf  Gelingendes – Ermutigendes.

Es lohnt sich Hoffnungszeichen im eigenen Leben wahrzunehmen, ja zu sammeln – als Sonnenstrahlen für die Seele.

Hoffnung richtet auf, schenkt neue Perspektiven, weitet das Herz.

Gottes Zusage: „ Ich bin da, wo du bist“, schenkt mir Hoffnungdie mich auch in schweren Zeiten trägt und hält.

Sr. M. Huberta Rohrmoser, Marienschwester vom Karmel

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Foto: privat

 

Hoffnung, Humor und Freude haben in der Betreuung und Pflege von Angehörigen mit allen Herausforderungen aber auch Erfahrungen Berechtigung. Das Gefühl von Hoffnung und Humor sollte nicht verloren gehen- es sollte sogar gefördert werden. Denn:

 Wo Lachen und Hoffnung verschwunden sind, da hat der Mensch aufgehört, Mensch zu sein.“ (Harvey Cox)