Tagebucheintrag: Respekt und achtsames Hinhören

Vielen herzlichen Dank an unsere ehrenamtliche Blogschreiberin RosA für diesen berührenden Erfahrungsbericht. Sie hat ihren Vater 2 Jahre lang begleitet und durfte bis zum Ende an seiner Seite sein.

Senirenehepaar

Die 2-jährige Begleitung meines Vaters hat mich folgendes gelehrt:

Respekt und achtsames Hinhören sind 2 Grundpfeiler für lebbare (ich spreche nicht von gelungener!)
Begleitung; und das gilt für beide Seiten.

In unzähligen nonverbalen „Badezimmergesprächen“ war die ANGST ein deutlich spürbares und mitunter auch verbalisiertes Thema.
Als mein Vater mir bei seinem letzten Krankenhausaufenthalt auf meine Frage: “Und, Papa, hast du noch Angst?“, mit einem klaren NEIN antwortete, wusste ich:
Jetzt ist es soweit. Jetzt ist ER bereit, zu gehen.
2 Tage später hat er sich mit einem Lächeln im Gesicht verabschiedet.

Hospiz – Wie kann ich damit umgehen, wenn kranke und alte Menschen nichts von einer Begleitung Ihrer letzten Lebensphase wissen wollen??

hospice-1821429_1920Du möchtest nein sagen,

wenn der Mensch dich verlassen muss,

dem dein ganzes Herz gehört.

Nein, bitte nicht. Du möchtest sagen,

bleib doch, ich liebe dich.

Er aber braucht dein ja, um gehen zu können,

um in die Geborgenheit zu finden,

nach der seine Seele sich sehnt.

IRMGARD ERATH

hospice händeWie können pflegende Angehörige damit umgehen, wenn Kranke und Alte
Menschen nichts von einer Begleitung Ihrer letzten Lebensphase wissen
wollen??

Natürlich kann man nicht mit der Tür ins Haus fallen – wie man so schön
sagt – aber pflegende Angehörige dürfen oder sollen auch Ihre Wünsche
offenlegen, auch wenn es um die Begleitung der letzten Lebensphase geht.
Wenn der letzte Gang nicht angesprochen wird, bleiben sehr viele
wichtige Dinge im Raum stehen, der pflegende Angehörige bleibt dann meist
alleine mit seinen vielen unbeantworteten Fragen zurück. Deshalb darf er
sich nicht scheuen, zumindest für sich selbst Hilfe zu holen. Kranke und
alte Menschen kann man nicht zwingen solch Hilfe anzunehmen.

Beispiel: Hr.G. ein starker, lebensbejahender Mann. Mit 63J. Diagnose
Krebs. Für ihn war ganz klar kämpfen um die Gesundheit wieder
herzustellen. Etwas anderes kam nicht in Frage und die Familie durfte auch
nicht daran zweifeln. Gesprochen wurde nicht viel, aber der Kampf gegen
die Krankheit ging zu Lasten aller. Nach drei Jahren ständiger Sorgen und
Ängste der Angehörigen und schlimmen Zeiten für Hr.G.,war der letzte Weg
spürbar. In Panik ließ er seine Familie, Freunde und Bekannte holen. Hr.G.
wollte das tun, was er schon immer tun wollte, sich verabschieden und danke
sagen. Seine Familie blieb traurig zurück.

Auch wenn man das Wort ,,TOD “ nicht ausspricht – er hat unmittelbar
mit dem Leben zu tun und lässt sich von niemandem abschütteln. Darum ist
es umso wichtiger, sich immer wieder damit auseinanderzusetzten und auch
darüber zu sprechen. Ängste, Sorgen und Wünsche sollen von beiden Seiten angesprochen werden. Hilfe von außen wie Hospizbewegung oder Palliativcare kann sehr hilfreich sein, auch für die pflegenden Angehörigen.

HOSPIZ heißt Herberge -bedingungslose Gastfreundschaft in schwierigen
Lebensumständen. Orte der Labung, der Pflege, der Begegnung, des Durchganges, der Ankunft und der Abreise. Das Ziel ist bestmögliche Lebensqualität für beide Seiten .

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Hospizbewegung OÖ
4020 Linz Steingasse 25
0699 17347024
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Vielen herzlichen Dank an unsere Blogschreiberin Hedwig K. für diesen nachdenklich machenden Blogbeitrag  zum Thema Tod und Sterben.

 

 

Gedanken zu Allerheiligen und Allerseelen: Umgang mit Tod und Trauer

Mein Name ist Petra Radinger.
Ich leite die Servicestelle für pflegende Angehöre in Steyr.
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Gerade jetzt vor Allerheiligen und Allerseelen sind wir oft mit unseren Gedanken bei
unseren  Verstorbenen. Wir schmücken die Gräber, zünden Kerzen an und denken an Erlebnisse die uns mit der verstorbenen Person verbindet. Und doch ist der Gedanke an den Tod, ein oft Verdrängter.
In unserer „Spaßgesellschaft“ hat der Tod kaum Platz. Er erinnert an die Vergänglichkeit und Endlichkeit des Lebens.
Im Zusammenhang mit dem Thema Tod bin ich auf einen Text von Uwe Böschemeyr einem Logotherapeuten und Schüler Viktor E. Frankls gestoßen. Ich möchte Ihnen seine Gedanken nicht vorenthalten.

Gedanken an den Tod

Es ist nicht gut nie an den Tod zu denken, denn er ist nun einmal, ob wir es wahrhaben wollen oder nicht – das große Tor am Ende unseres Weges, für dich und auch für mich. Wer nie an den Tod denkt, läßt seine verborgene Angst vor ihm nicht zu. Er verdrängt sie. Doch jede Verdrängung kostet Kraft, viel Kraft.
Wer den Gedanken an den Tod verdrängt, läßt zu, daß dieser Gedanke schon heute sein Leben so beeinflußt, wie er es gerade nicht will. Er gerät in Spannungen, wenn er das, was ihn bedroht nicht ansieht. Er wird gelassener, wenn er vor ihm nicht ausweicht.
Wir haben Angst vor dem, was wir nicht kennen. Wir werden freier, wenn wir es uns vertraut machen.
Wer hin und wieder an den Tod denkt, beachtet und achtet mehr die Tage, die ihm das Leben schenkt. Denn er weiß, daß seine Zeit begrenzt ist. Und wer achtsam umgeht und in ihr lebt, wird ganz bestimmt nicht zu oft an den Tod denken, weil ihn das Leben ausfüllt.

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In der Beratungsstelle für pflegende Angehörige in Steyr unterstütze ich oftmals Personen, welche mit dem bevorstehenden Tod eines Angehörigen konfrontiert werden. Ebenso begleite ich Trauernde nach dem Ableben ihrer Angehörigen. In der Begleitung von Trauernden ist es wichtig zu wissen, dass kein Trauerprozess dem anderen gleicht und sich Trauer und Schmerz  bei jedem Menschen individuell gestaltet.
Oftmals genügt es jemanden an der Seite zu haben, mit dem man über den verspürten Schmerz sprechen kann. Manchmal ist es für Trauernde wichtiger mit einer außenstehenden Person über Schuldgefühle, nicht gut zu machende Fehler, oder Versagen  sprechen zu können. In der Beratung können je nach Situation neue individuelle Möglichkeiten und Wege zur Trauerbegleitung und – verarbeitung gefunden werden.
Es würde mich freuen Sie je nach Ihren Bedürfnissen auf Ihrem Weg unterstützen und begleiten zu dürfen.

Für Terminvereinbarungen bin ich unter der Handynummer 0676 8776 2442  für Sie zu erreichen.

Unter www.pflegende-angehoerige.or.at finden Sie Kontaktdaten meiner KollegInnen an allen weiteren Standorten (Linz, Steyr, Rohrbach, Vöcklabruck, Grieskirchen) der Caritas Servicestelle Pflegende Angehörige in Oberösterreich.