Das langsame Vergessen: Erfahrungen Angehöriger von Menschen mit Demenz

In unserer Reihe „Das langsame Vergessen“ erzählten betreuende und pflegende Angehörige von ihren Erfahrungen mit an Demenz erkrankten Angehörigen.

Zum Abschluss der Serie hat unsere ehrenamtliche Blogschreiberin Annemarie Aichinger Tipps im Umgang mit dementen Menschen zusammengetragen. Diese praktischen Anregungen können Ihnen den Alltag mit ihrem Angehörigen erleichtern.

Fußspuren im Sand

Jeder Mensch ist einzigartig und wertvoll, gleichgültig wie verwirrt er ist.
Oft können wir das Verhalten unseres Angehörigen nicht erklären und verstehen. Doch für jedes Verhalten gibt es einen Grund, den wir jedoch oft nicht wissen. Wir können versuchen, in den Schuhen des andern zu gehen, und dadurch ein Gefühl des Angenommenseins zu erzeugen. Alte verwirrte Menschen fühlen sich angenommen, wenn wir sie verstehen. Wenn wir dort hingehen wo sie gerade sind.

Doch wie komme ich dort hin?

  • einfache Sätze verwenden
  • den gehörten Satz wiederholen und umformulieren
      • Ich bin bestohlen worden. – Die Kette ist verschwunden.
  • auf das Gesagte eingehen
      • Das war eine besonders schöne Kette, von wem haben Sie die bekommen?
      • Ich möchte nach Hause! – Wer ist denn zu Hause? Wer wartet? Wie war ihre Mutter?
  • gemeinsam Lösungen suchen
      • Was können wir da tun?
  • Gefühle bestätigen
      • Kann mir vorstellen, dass sie sich darüber ärgern.
  • Fragen so stellen, dass sie die Antwort pflücken können
      • Waren sie kurz od. lange im KH?
  • frühe Erinnerungen ansprechen
      • Wie war das früher? War das immer so? Was haben sie da gemacht?
      •  Familiengeschichte
  • immer wieder ihren Selbstwert hervorheben – ist lebensnotwendig
    Jeder Mensch hat etwas Gutes, etwas worauf er stolz sein kann.
  • miteinander beten, singen, vorsingen, Gedichte von früher vorlesen
  • einfach nur da sein – die Hand halten – streicheln.
    In einem späteren Stadium kann Berührung sehr wichtig sein.
  • verwenden sie Fragen nach- wer, wen, was, wo, woher, wohin, wie oft, wann, seit wann, bis wann, wie sehr, mit wem, für wen?
  • aber nie nach, warum- weshalb – wieso?

Demente Menschen haben die Fähigkeit zur Einsicht oft nicht mehr, wie Kleinkinder. Sie sagen intuitiv die Wahrheit, wobei sehr vieles über die Gefühlsebene läuft und dabei treffen sie auch immer wieder ins Schwarze. Da das meiste über das Fühlen läuft, merken sie sehr schnell, wenn es jemand nicht ehrlich mit ihnen meint, was sehr verletzend sein kann.

Wir sehnen uns nicht nach bestimmten (Orten) Plätzen zurück sondern nach Gefühlen die sie in uns auslösen. (Sigmund Graff)

Fußabdruck bunt

Danke an Annemarie Aichinger für die vielen Tipps und Anregungen um das Zusammenleben zu erleichtern und zu bereichern. 

Filmtipp zum Thema Demenz: „Wenn der Verstand geht und Gefühle bleiben“

FILMTIPP der Servicestelle Pflegende Angehörige zum Thema DEMENZ:

Wenn der Verstand geht und Gefühle bleiben: Ein berührendes Filmprojekt des Sozialhilfeverbandes Schärding

Diagnose Demenz – Wie gehe ich damit um? In sehr emotionaler und berührender Weise zeigt dieser Film auf, wie wichtig ein würdevoller und wertschätzender Umgang mit desorientierten alten Menschen ist. Zielsetzung des Filmes ist es, Validation (nach Naomi Feil) im Umgang mit Betroffenen verständlich zu machen. Neben Sequenzen aus dem Alltag im Pflegeheim schildert eine Betroffene ihre Erfahrungen im Umgang mit der Demenz ihres Vaters. Informationen zu ersten Anzeichen und den Verlauf einer Demenzerkrankung, gibt daneben die Validationsexpertin Waltraud Pommer. Ein Verständnis für Demenzerkrankungen ist enorm wichtig, um Konflikte mit erkrankten Personen zu vermeiden und in weiterer Folge den Pflege- und Betreuungsalltag zu erleichtern.

Nehmen Sie sich Zeit für diesen berührenden Film!

Der Film dauert 25 Minuten und ist hier auf YouTube zu sehen:

 

 

Sie sind am Thema DEMENZ interessiert bzw. davon betroffen und möchten sich Unterstützung und Inspiration holen? Dann verfolgen Sie unseren Veranstaltungen in Oberösterreich zu diesem Thema.

Veranstaltungen Herbst 2017

Am 8.11. findet beispielsweise ab 18 Uhr im Pfarrheim in ENNS ein kostenfreier VORTRAG zum Thema DEMENZ statt. Dieser wird von der Validationsexpertin aus dem Film, Waltraud Pommer gehalten!  

–> nähere Informationen

 

Workshop „Im Haus der Demenz“

Wann: 10. Oktober 2016 um 20:00 Uhr
Wo: Pfarrsaal Altenfelden, Schulstraße 1, 4121 Altenfelde


hände_stockDemenz ist mehr als ein Gedächtnisverlust oder eine Denkstörung. Demenz verändert das Gefühlsleben der Betroffenen tiefgreifend und nachhaltig. Um Menschen mit Demenz würdig begegnen zu können, ist es deshalb ganz besonders wichtig, ihr Gefühlsleben zu kennen und zu verstehen.

Validation ist eine von Naomi Feil entwickelte Methode, um das Verhalten alter, desorientierter Menschen zu verstehen, den Umgang mit ihnen konfliktfreier zu gestalten und zeigt Möglichkeiten des einfühlsamen Gesprächs auf.
Dadurch wird sowohl bei der betroffenen Person, als auch bei Pflegenden der Stress reduziert. Validation ist eine empathische Grundeinstellung im Kontakt mit desorientierten, alten Menschen und kann von jedem/r erlernt werden.

Bei diesem Workshop lernen Sie Grundlagen und Techniken der Validation kennen und schaffen so eine andere Sichtweise und Beziehungspflege.

Referentin: Hildegard Nachum, Koordinatorin für Validation, Samariterbund Linz

Eintritt frei; freiwillige Spenden erbeten.

Information:
Caritas für Betreuung und Pflege
Servicestelle Pflegende Angehörige
Gerberweg 6, 4150 Rohrbach
Tel.: 0676 / 87 76 24 43
pflegende.angehoerige(at)caritas-linz.at
www.pflegende-angehoerige.or.at

Der Workshop wird in Kooperation mit dem Sozialkreis und der Gesunden Gemeinde Altenfelden angeboten.

Workshop: „Im Haus der Demenz“

Termin: Freitag, 18. September 2015, 18:00 – 21:00 UhrDSCF4255
Ort: Caritas Kompetenzzentrum
4150 Rohrbach, Gerberweg 6

Eintritt frei; freiwillige Spenden erbeten.

Referentin: Hildegard Nachum, Koordinatorin für Validation, Samariterbund Linz

Demenz ist mehr als ein Gedächtnisverlust oder eine Denkstörung. Demenz verändert das Gefühlsleben der Betroffenen tiefgreifend und nachhaltig. Um Menschen mit Demenz würdig begegnen zu können, ist es deshalb ganz besonders wichtig, ihr Gefühlsleben zu kennen und zu verstehen.
Validation ist eine von Naomi Feil entwickelte Methode, um das Verhalten alter, desorientierter Menschen zu verstehen, den Umgang mit ihnen konfliktfreier zu gestalten und zeigt Möglichkeiten des einfühlsamen Gesprächs auf.

Dadurch wird sowohl bei der betroffenen Person, als auch bei Pflegenden der Stress reduziert. Validation ist eine empathische Grundeinstellung im Kontakt mit desorientierten, alten Menschen und kann von jedem/r erlent werden.

Bei diesem Workshop lernen Sie Grundlagen und Techniken der Validation kennen und schaffen so eine andere Sichtweise und Beziehungspflege.

Wir bitten Sie um Anmeldung!

Anmeldung:
Caritas für Betreuung und Pflege
Servicestelle Pflegende Angehörige
Gerberweg 6, 4150 Rohrbach
Tel.: 0676 / 87 76 24 43
christine.gumpenberger@caritas-linz.at

„In den Schuhen des anderen gehen“, ein validierendes Gespräch

Validation ist eine Kommunikationsmethode zum Verständnis alter verwirrter Menschen. Sie hilft, desorientiertes Verhalten zu verstehen und einen Zugang in die innere Erlebniswelt zu finden, den verwirrten Menschen dort abzuholen, wo er gerade ist! Motto: „In den Schuhen des anderen gehen“.

Ich möchte Ihnen in Folge ein Beispiel für ein validierendes Gespräch geben, das ich mit Fr.M. geführt habe:

A.: Guten Morgen Fr. M., wie geht es Ihnen?
Fr. M.: Danke, es geht, es muss gehen.
A.: Haben sie gut geschlafen?
Fr. M.: Na ja, es war wieder jemand in meinen Zimmer.
A.: In ihrem Zimmer war jemand?
Fr: M.: Ja, und es ist mir Wäsche gestohlen worden.
A.: Wäsche ist ihnen weggekommen?
Fr. M.: Ja, meine Unterwäsche ist durcheinander und es fehlt einiges, Unterhemden u. Unterhosen.
A.: Das ärgert sie.
Fr. M.: Natürlich, möchte wissen was die in meinen Zimmer zu suchen haben, und auch noch etwas mitgehen lassen.
A.: Das kann ich verstehen, dass sie sich da ärgern. Ich weiß, dass es ihnen immer sehr wichtig war, Ordnung zu halten, alles fein säuberlich im Kasten zu haben. Im Haushalt war immer alles Tipp Top bei ihnen, das hat ihnen nicht so schnell wer nachgemacht.
Fr. M.:  Das hab ich so gelernt, und das muss so sein, Schlampigkeit ist schrecklich. Ich hatte immer genug Unterwäsche im Kasten. Aber jetzt, nichts hat eine Ruhe von denen.
A.: Es ist wirklich schlimm, dass die keine Ruhe geben. Früher war das anders?
Fr. M.: Natürlich, da war ich die Chefin.
A.: Da hat es so etwas nicht gegeben.
Fr. M.: Da war ich schon dahinter, dass alles seine Ordnung hatte.
A.: Sie sind eine sehr tüchtige, liebenswerte Frau. Die Angelegenheit ist sehr unangenehm, ich bin ziemlich ratlos. Fr. M. haben sie eine Idee, was wir jetzt tun könnten?
Fr. M.: Ja, mein Gott, nichts kann man tun, das ist halt leider so!
A.: Fr. M., ich muss jetzt wieder gehen, Auf Wiedersehen und alles Gute!
Fr. M.: Auf Wiedersehen und danke. Mit Ihnen kann man gut reden.

Ich glaube, Fr. M. fühlte sich von mir verstanden und hatte nicht den Anspruch, dass ich etwas tun sollte! Es war mir auch wichtig, ihren Selbstwert zu heben.

Text: Annemarie Aichinger, Ausbildung in validierender Pflege