Einfach zum Nachdenken…

donkey-542598_1920Der Esel, der Vater und der Sohn

Wenn wir ständig versuchen, es anderen recht zu machen, bleiben unsere Wünsche und Bedürfnisse auf der Strecke:

Ein Vater zog mit seinem Sohn und einem Esel in der Mittagshitze durch die staubigen Gassen. Der Sohn führte und der Vater saß auf dem Esel.

“Der arme kleine Junge”, sagte ein vorbeigehender Mann. „Seine kurzen Beine versuchen mit dem Tempo des Esels Schritt zu halten. Wie kann man nur so faul auf dem Esel sitzen, wenn man sieht, dass das Kind sich müde läuft?”

Der Vater nahm sich dies zu Herzen, stieg hinter der nächsten Ecke ab und ließ den Jungen aufsitzen.

Es dauerte nicht lange, da erhob schon wieder ein Vorübergehender seine Stimme: “So eine Unverschämtheit! Sitzt doch der kleine Bengel wie ein König auf dem Esel, während sein armer, alter Vater nebenher läuft.” Dies tat nun dem Jungen leid und er bat seinen Vater, sich mit ihm auf den Esel zu setzen.

“Ja, gibt es sowas?”, sagte eine alte Frau. “So eine Tierquälerei! Dem armen Esel hängt der Rücken durch und der junge und der alte Nichtsnutz ruhen sich auf ihm aus. Der arme Esel!”

Vater und Sohn sahen sich an, stiegen beide vom Esel herunter und gingen neben dem Esel her. Dann begegnete ihnen ein Mann, der sich über sie lustig machte: “Wie kann man bloß so dumm sein? Wofür hat man einen Esel, wenn er einen nicht tragen kann?”

Der Vater gab dem Esel zu trinken und legte dann die Hand auf die Schulter seines Sohnes. “Egal, was wir machen”, sagte er, “es gibt immer jemanden, der damit nicht einverstanden ist. Ab jetzt tun wir das, was wir selber für richtig halten!” Der Sohn nickte zustimmend.

Aus dem Buch „Der Kaufmann und der Papagei“ von Nossrat Peseschkian

Sehnsüchte, Wünsche und Träume – Eine pflegende Angehörige erzählt!

pusteblumeHeut bin ich 5mal aufgestanden in der Nacht. Mein Mann ist so unruhig und geistert immer umeinander. Drei Wochen war er im Krankenhaus, aber die haben das auch nicht hingekriegt.

Vier Stunden in einem zu schlafen, da wäre ich schon zufrieden. Neulich bin ich nicht gleich aufgestanden. Ich war so müde. Dann bin ich doch aufgestanden und da war das ganze Bett nass. Er hat sich die Windelhose aufgemacht. „So das ist jetzt die Strafe“, hab ich mir gedacht, „weil du nicht gleich aufgestanden bist.“

Es wird immer schlimmer! Voriges Jahr bei seinem 80iger war es noch viel besser. Er phantasiert auch beim Tag so viel. Er ist arm dabei und ich auch.

Mein Mann will mich immer um sich haben. Beim Kochen geht das ganz gut. Ich koche jeden Tag für alle! Aber ich habe auch sonst alles zu erledigen: Einkauf, Medikamente besorgen und alles was unser großes Haus betrifft. Es gibt einfach immer etwas. Meine Kinder möchte ich nicht belasten, sie haben genug mit sich selber zu tun.

Für meine Mutter, 95ig ist sie, habe ich jetzt eine 24h-Pflege. Ich habe es nicht mehr geschafft! Die zwei Pflegerinnen wechseln alle 14 Tage. Ich habe schon überlegt, auch für meinen Mann eine 24h-Pflege zu nehmen, zumindest zeitweise. Dann könnte ich vielleicht doch einige Tage fortfahren, nach München zu meiner Freundin oder Venedig würde mir gefallen, Dubrovnik war auch einmal auf meinen Plan. Oder einfach nur wandern gehen oder Zeit lassen beim Einkaufen, Freundinnen treffen – nicht immer auf die Uhr schauen müssen.

Manchmal bin ich ungeduldig mit meinen Mann. Weißt du, er hat immer sehr viele Freiheiten gehabt in unserer Ehe. Er hat sie sich genommen und ich habe immer nachgegeben und jetzt bin ich angehängt und habe nichts als Verpflichtungen!

Text: Annemarie Aichinger, ehrenamtliche Mitarbeiterin der Servicestelle für pflegende Angehörige


Mag. Martin Eilmannsberger, Berater an der Servicestelle für pflegende Angehörige hat sich dazu Gedanken gemacht:

Eine Standardfrage in der Beratung ist: „Kommen Sie ausreichend zum Schlafen?“ Dauernder Schlafentzug führt in die psychische Erschöpfung. Hier besteht Handlungsbedarf, nachdem auch im Krankenhaus keine Möglichkeit der Beruhigung vor allem in der Nacht gefunden wurde.

Daneben belastet ein altes Beziehungsthema: Das Verhältnis von Geben und Nehmen  – ein wichtiges Beziehungsprinzip – war nie ausgeglichen. Stets hat die Frau nachgegeben und ihre Bedürfnisse in den Hintergrund gerückt. Etwas, was auf sehr subtile Weise die Seele zerfrisst.

Es wäre gut, einmal genauer auf die Beziehungsgeschichte hinzuschauen und Fragen einen Raum zu geben die aus dem Herzen drängen und doch hinuntergedrückt werden:
– Würde er das gleiche für mich tun?
– Was bin ich ihm schuldig?
– Was an Unterstützung entspricht unserer Beziehung?
– Wohin mit meinen Gefühlen der Wut und der Traurigkeit?…

Und vielleicht wäre es gut dem Verzicht auf eigene Bedürfnisse, dem „Immer – Nachgeben“ bei sich auf den Grund zu gehen, um aus der passiven Haltung, aus dem Gefühl des Ausgeliefert-Seins herauszukommen.

Beides, die Symptome der Erkrankung und die Kränkungen aus der Beziehungsgeschichte führen in die Erschöpfung.

Ein erster konkreter Ansatz ist sicher ,wie schon angedacht,  einen Teil der Betreuung abzugeben, für ausreichende Auszeiten zu sorgen, damit eigene Bedürfnisse (Freundschaften und Sozialkontakte, Urlaub und Ausspannen) wieder Platz haben. Nicht wenige haben für sich so ein Betreuungsmodell gefunden, bei dem sich 24Stundenbetreuung und der/die Angehörige abwechseln.

Über Sehnsüchte, Wünsche und Lebensträume

DAS LEBEN WIRD VON GROSSEN WÜNSCHEN BEWEGT,
DOCH VON KLEINIGKEITEN BESTIMMT.

pusteblumeGerade jetzt, wo der Sommer vor der Tür steht, tauchen so manche Wünsche und Träume auf. Alle reden von Urlaub und Freizeit, die sie mit Erlebnissen füllen möchten.

Wie geht es pflegenden Angehörigen dabei ? Wenn jede noch so kleine Aktivität geplant und organisiert werden muss, hat man da noch die Lust und Kraft, sich Träume und Wünsche zu erfüllen?

Meist werden Wünsche und Lebensträume zurückgestellt, obwohl man weiss, dass diese notwendige Kraftquellen sind. Eines ist gewiss – Träume, ob gross oder klein, können schwierige Zeiten leichter ertragbar machen.
Vielleicht sollte man beginnen, sich ab und zu einen kleinen Traum zu erfüllen und am grossen Lebenstraum in der Phantasie weiterspinnen. Irgendwann, so die Hoffnung, wird die Zeit der Ernte kommen.
DIE SCHÖNEN KLEINEN DINGE IM LEBEN SIND DAS GROSSE GLÜCK!

Ich persönlich hatte – und habe – immer irgendwelche Wünsche und Träume im Kopf. Die Erfüllung mancher Träume musste ich mir erkämpfen. Die Erfüllung anderer ist mir einfach zugeflogen und wieder andere erwarte ich noch. Auf jeden Fall möchte ich meine Lebensträume nicht aus den Augen verlieren. Denn Träume, Wünsche und Sehnsüchte sind richtig und wichtig, auch wenn sie nicht immer eins zu eins erfüllbar sind.

pusteblume wiese

Text: Hedwig Koller, ehrenamtliche Mitarbeiterin

„Bewegungstherapie mal anders“ – Aus dem Tagebuch einer pflegenden Angehörigen

Fotolia_47287990_XSEs ist nun schon eine Woche her, seit sich wieder Schmerzen im Brustbereich und schwereres Atmen bemerkbar machten. Ein vorsorglicher Arztbesuch bestätigte die Besorgnis. Hatte doch der Arzt den Anmarsch meiner Mutter aufmerksam und mit Stirnrunzeln beobachtet und gefragt: “Na, seit wann muaßt denn so schnauf’n auf der Eb’n?” – und nach seinem Lauschangriff übers Stethoskop: “Goi, die Wassertabletten hast net alle Tag!”

Wir sind wieder auf dem Stand wie vor 6 Jahren. Das heißt, das Prozedere ist bekannt. Besagtes Medikament jetzt täglich, Terminabstimmung mit der Toilette, Einlagen, Wäsche bereithalten für den Fall dass was “passiert”. Einmal mehr Augen zu und durch. – Doch warum sollten wir? Kriegen wir das wieder in den Griff und steuern weitere 6 Jahren an? Welche Aussichten sind beschieden? Ist doch vergangene Woche im Ort eine ältere Frau binnen kürzester Zeit daran verstorben!

Da gibt es u.a. noch den Wunsch, die Tante in Deutschland samt deren Söhnen zu besuchen. Einer davon muß mehrmals wöchentlich zur Dialyse. Von beiden Seiten mehrte sich in den vergangenen Jahren bereits der Wunsch nach einem persönlichen Wiedersehen. Wir wollen nach Ostern dort hin, wir werden den Zug nehmen. Es ist das nächste Ziel, auf das alle Kräfte ausgerichet sind.

Prälat Fürnsinn hatte einmal bei einem Seminar gesagt: “Willst du ein Schiff bauen, wecke in den Arbeitern die Sehnsucht nach dem Meer.” – Wir werden sehen, ist doch besagte Sehnsucht wohl vorhanden. Es wäre vermessen, etwas erzwingen zu wollen, doch werden wir unser Bestes geben, auch wenn’s letztlich nicht von uns entschieden wird, das ist uns beiden wohl bewußt. Doch würd’s mich freuen, würde dieser Wunsch für meine Mutter in Erfüllung gehen.

Und bis dahin werden wir fleißig in Bewegung bleiben und zur Toilette düsen – auch eine Form der Bewegung, wenn auch eine etwas ungewöhnliche.

Romana, Tagebuchschreiberin und pflegende Angehörige

Jeden Tag Weihnachten feiern

IMG_4999Jeder Tag ist Weihnachten auf der Erde,
jedes Mal, wenn einer dem anderen
seine Liebe schenkt, wenn Herzen
Glück empfinden, ist Weihnachten,
dann steigt Gott wieder vom Himmel
herab und bringt das Licht.
– Mutter Teresa

Wir wünschen Ihnen
WUNDERbare WeihNACHTsfeiertage
und ein gesegnetes neues Jahr!

Ihr Team der
Servicestelle für pflegende Angehörige

Erinnerungen einer pflegenden Angehörigen

tontopfWas ich alles noch nicht wusste als ich mich entschloss,
meinen Schwiegervater zu pflegen:
Ich wusste nicht,
dass ich um Hilfe bitten und Hilfe annehmen musste.
Ich wusste nicht,
dass ich ganz allmählich mit Hilfe der Schwester in den Pflegedienst eingeführt worden bin.
Ich wusste nicht,
dass ich meinen Schwiegervater anfassen kann, was mir anfangs sehr schwer fiel.
Ich wusste nicht,
dass ich froh bin, meinen Schwiegervater pflegen zu können.
Ich wusste nicht,
dass ich meine Ekelgefühle überwinden kann.
Ich wusste nicht,
dass es mich belastet wenn er keinen Wunsch äußert und
ich ihm alles von den Augen ablesen muss.
Ich wusste nicht,
dass ich mir vergebens wünsche, er würde ein wenig Dankbarkeit zeigen.
Ich wusste nicht,
dass ich hinter jedem Nicht – Mithelfen, z.B. beim Betten, ein Nicht – Wollen
vermute und nicht ein Nicht – Können.
Ich wusste nicht,
dass ich oft darunter leide, dass ich meinen Schwiegervater zwar pflegen,
aber nicht liebevoll pflegen kann.
Ich wusste nicht,
dass mein Mann und meine Kinder mir so viel abnehmen,
wenn ich sie darum bitte.
Ich wusste nicht,
dass unsere engsten Verwandten zwar wissen, wie es bei uns aussieht, aber uns
nie ihre Hilfe anbieten.
Ich wusste nicht,
dass meine Gefühle zwischen Trauer und Freude, Mitleid und Hass,
Dankbarkeit und Zorn hin und her pendeln würden.
(gefunden unter http://www.ostalbkreis.de/sixcms/media.php/91/vortrag_dolzer.pdf)

Wünsch dir was…

Himmel_blau

Foto: Julia Wiesenhofer

Ein altes Ehepaar feierte nach langen Ehejahren seine goldene Hochzeit. Während sie am Frühstückstisch saßen, dachte die Frau: „Schon seit 50 Jahren nehme ich immer Rücksicht auf meinen Mann und gebe ihm den knusprigsten Teil des Brötchens. Heute möchte ich endlich auch einmal diese Delikatesse genießen.“ Sie strich auf den oberen Teil des Brötchens Butter und gab die untere Hälfte ihrem Mann.

Entgegen all ihren Erwartungen war er sehr erfreut, küsste ihre Hand und sagte: „Mein Schatz, du hast mir gerade die größte Freude dieses Tages gemacht. Schon 50 Jahre lang habe ich die untere Hälfte eines Brötchens nicht mehr gegessen, obwohl ich sie am liebsten mag. Ich dachte immer, dass du sie haben darfst, weil du sie so gerne isst.“

-Quelle: Sinnige Geschichten
www.sinnige-geschichten.de

Aus Höflichkeit und „falscher“ Rücksichtnahme sagen wir oft nicht, was wir wirklich wollen. Und warten eine Ewigkeit bis jemand errät, was uns glücklich macht…
Also, lasst uns unsere Wünsche aussprechen und geben wir damit anderen die Chance, sie zu erfüllen.