„Alltagsbewältigung“ – Aus dem Tagebuch einer pflegenden Angehörigen

tagebuchMutter hat, als sie vom Krankenhaus wieder daheim, war anfangs viel geschlafen, erst wenig und dann doch etwas mehr gegessen und dazwischen auch oft geweint und um dies oder jenes gebeten, auch darum, Menschen aus Ihrem Umfeld nochmals zu sehen. Auch den Pfarrer, der ihr die Krankenölung spenden sollte. Darauf hält sie sehr viel und baut jedes Mal darauf, dass ihr dieses Sakrament wie oftmals vorher Erleichterung bringe. Der Pfarrer hat ihr auch recht gut zugeredet. Und jetzt, es ist kaum zu fassen, strickt sie spontan an einem Paar weißer Socken für ihre Enkelin, da hat sie wieder eine „Aufgabe“ und blüht richtig auf, fast wie aufgedreht. Sie ist schon bei der 2. Ferse, die sie jedes Mal perfekt hinkriegt. Sie meint, sie muss sich dran halten, damit sie auch sicher fertig werden. Könnte ja sein, dass sie oder weitere Familienmitglieder auch noch ein Paar Socken haben möchten.

Es ist schön, sie trotz ihrer fortschreitenden Krankheit auf diese Weise noch so „lebendig“ und zufrieden zu sehen, auch wenn sie nach ein paar Stunden fällig für ein Nickerchen ist und jeder Gang zur Toilette höchste Anforderungen an die Balance ihrer wackeligen Beine stellt. In Begleitung der Betreuerin zur Toilette gehen müssen war anfangs sehr gewöhnungsbedürftig, aber unumgänglich. Spaziergänge und „Ausflüge“ sind rar geworden. Der ersehnte Friedhofsbesuch ganz in unserer Nähe am Sonntag Nachmittag, abseits der Allerheiligenfeierlichkeiten, wird zu einem erschöpfender Halbtagesausflug.

Ich habe das Gefühl, dass sie die verbleibende Zeit so gut wie möglich im Rahmen ihrer Möglichkeiten nutzen möchte. Es war ein großer „Berg“, sich dessen bewusst zu werden, einzusehen und zu akzeptieren, was nicht mehr geht (unter anderem auch der Wunsch nach Urenkel, von denen ihre Enkel derzeit noch nichts wissen wollen). Jetzt ist sie so weit, sich täglich über das zu freuen (z.B. auch über die zwei neuen Katzen – statt der Urenkel – in unserer Familie), was noch geht, versucht es aber immer wieder neu auszutesten.

Nebenher läuft mittlerweile die Betreuung von der mobilen Hospiz, die auch die Beobachtung ihrer gesundheitlichen Verfassung und Beratung bei ev. erforderlichen weiteren Maßnahmen (Blutabnahme zu Hause da sie mit einem Besuch beim Arzt im Moment doch sehr überfordert wäre, Medikationsanpassung zB Tropfen statt Tabletten, Gespräche, etc.) umfasst, da Mutter nicht mehr unbedingt in ein Krankenhaus möchte. Ich bin sehr froh, dass Mutter bzw. auch die Familie hier in Zusammenarbeit mit dem Arzt kompetente Ansprechpartner hat für den Notfall.

So hoffen wir, sie gut begleiten zu können.

Romana, Tagebuchschreiberin und pflegende Angehörige

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